Hohe Schuldenlast: Solarworld wagt den Befreiungsschlag

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Solarworld-Chef Asbeck: Gläubiger verlieren mehr als die Hälfte

Neue Hoffnung für Solarworld: Der angeschlagene Solarmodulhersteller hat sich mit Banken auf einen Weg zur Sanierung geeinigt. Gläubiger und Aktionäre verlieren einen Großteil ihrer Investition, auch Firmenchef Asbeck will tief in die eigene Tasche greifen.

Bonn - Der schwer angeschlagene Solarmodulhersteller Solarworld will sich mit einem Schuldenschnitt und frischem Geld aus Katar retten. Die dazugehörigen Verträge mit den Banken seien am Dienstag unterzeichnet worden, sagte Firmengründer Frank Asbeck. Der Firmenchef hatte die Pläne in Grundzügen schon vor drei Wochen präsentiert, jetzt hat er eine wichtige Hürde genommen.

Die Zustimmung von Gläubigern zweier Anleihen und der Hauptversammlung stehen aber noch aus. Laut Rettungsplan würde der Investor Qatar Solar mit 35 Millionen Euro einsteigen und Firmengründer Frank Asbeck aus seinem Privatvermögen weitere zehn Millionen Euro zuschießen.

Asbeck glaubt, dass die Existenz des Unternehmens durch den Plan gesichert werden kann. Solarworld beschäftigt noch 2600 Mitarbeiter, davon rund 1700 in Deutschland. Zu Spitzenzeiten waren es insgesamt 3500. Weiterer Personalabbau sei nicht geplant, sagte Asbeck.

Gläubiger und Aktionäre von Solarworld verlören einen Großteil ihres Geldes: 55 Prozent der Schulden werden demnach nicht zurückgezahlt, sondern in neue Aktien umgewandelt. Altaktien werden auf nur noch fünf Prozent des Unternehmenswertes abgewertet. Zu den Verlierern zählt dabei auch Asbeck selbst, dessen Aktienanteil von 28 auf 1,4 Prozent schrumpft. "Jeder bekommt nach diesem Plan deutlich mehr heraus als im Falle eines Scheiterns der Solarworld", sagte Asbeck.

Das einstige Vorzeigeunternehmen war durch die billigere chinesische Konkurrenz tief in die roten Zahlen geraten. Allein 2012 betrug der Verlust knapp 480 Millionen Euro. Das Management hofft aber auf die politisch umstrittenen EU-Schutzzölle gegen chinesische Konkurrenzprodukte. Die Zölle, die von der chinesischen Regierung vehement abgelehnt werden, betragen aktuell 11,8 Prozent und sollen Anfang August auf 47 Prozent angehoben werden. Dann sei wieder ein fairer Wettbewerb möglich. "Dumping darf man nicht tolerieren", sagte Asbeck.

ade/dpa

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insgesamt 85 Beiträge
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1. Die Ruinierung
fallbeilspiel 18.06.2013
der deutschen Solarindustrie verdanken wir dem famosen Herrn Rösler und seinen Brüderles. Möge diese Chaostruppe ab September 20 Jahre lang in der Opposition über ihre Fehler nachdenken können.
2. sharp entwickelt solarzellen mit 44% wirkungsgrad.
rst2010 18.06.2013
da die deutschen solar-hersteller innovative entwicklungen lieber dem ausland überlassen, werden sie von der eu dankenswerterweise geschützt durch strafzölle. schande. zum vorteil nicht innovativer firmen, zum nachteil der bürger.
3.
ir² 18.06.2013
Zitat von sysopNeue Hoffnung für Solarworld: Der angeschlagene Solarmodulhersteller hat sich mit Banken auf einen Weg zur Sanierung geeinigt. Gläubiger und Aktionäre verlieren ein Großteil ihrer Investition, auch Firmenchef Asbeck will tief in die eigene Tasche greifen. Solarworld: Asbeck einigt sich mit Banken auf Rettungsplan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/solarworld-asbeck-einigt-sich-mit-banken-auf-rettungsplan-a-906464.html)
... Die Zustimmung von Gläubigern zweier Anleihen und der Hauptversammlung stehen aber noch aus. .... Von daher sollte man erst jubeln, wenn man tatsächlich über die Ziellinie ist. Im Moment steht man noch vor einer Hürde...
4.
ir² 18.06.2013
Zitat von sysopNeue Hoffnung für Solarworld: Der angeschlagene Solarmodulhersteller hat sich mit Banken auf einen Weg zur Sanierung geeinigt. Gläubiger und Aktionäre verlieren ein Großteil ihrer Investition, auch Firmenchef Asbeck will tief in die eigene Tasche greifen. Solarworld: Asbeck einigt sich mit Banken auf Rettungsplan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/solarworld-asbeck-einigt-sich-mit-banken-auf-rettungsplan-a-906464.html)
Solarstrom auf 50° N in maritimer Klimazone. Bekloppt! Nennt sich aber "Energiewende", und da herrscht Narrenfreiheit. Das versprochene Jobwunder erweist sich als Strohfeuer, und der Deutsche Steckdosenkunde sitzt für die nächsten 20 Jahre auf einer Solarrechnung von 200 Mrd. €! Ach ja, schuld ist die FDP, wie immer wenn irgendwelche Träume an der Realität zerschellen...
5. Wer mal was zum Lachen haben will
u.loose 18.06.2013
sollte einen Blick auf den Pennystock Solarworld der letzten Tage werfen... Gestern: Toll - Katar steigt ein. Man findet tatsächlich KÄUFER die 85 Cent zahlen und den Kurs eben um 20% nach oben treiben. Heute: Die Ernüchterung - Minus 20% weil offenbar die Dödel von Gestern mitbekommen haben, dass ihre Aktien real keine 5 Cent wert sind. Solarworld ist nach bisher geltendem Rechte seint Monaten Konkurs - nur scheint das niemanden zu interessieren.
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