Energiekonzern Solarworld-Gläubiger billigen Verkauf deutscher Werke

Mithilfe eines Investors aus Katar hat Solarworld-Gründer Frank Asbeck Teile des insolventen Konzerns zurückgekauft. Die Fabriken können damit weiterproduzieren. Doch Hunderte Arbeitsplätze fallen weg.

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Die deutschen Werke des insolventen Solarkonzerns Solarworld können vorerst weiterarbeiten. Eine Gläubigerversammlung des Unternehmens stimmte in Bonn dem Verkauf an eine Investorengesellschaft zu. Die Übernahme habe einen Gesamtwert von 96 Millionen Euro, hieß es aus Teilnehmerkreisen der nicht öffentlichen Sitzung.

Damit sind 475 Arbeitsplätze im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt zunächst gerettet. Für weitere 1200 Solarworld-Beschäftigte, die an den beiden Standorten im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt nicht mehr eingesetzt werden, wird eine Transfergesellschaft gegründet. Sie soll bis Februar 2018 Mitarbeiter qualifizieren und in neue Jobs vermitteln.

In der Solarworld-Zentrale in Bonn waren bereits 150 Mitarbeiter gekündigt worden. Dort bleibt vorerst nur eine Abwicklungsmannschaft von etwa 65 Beschäftigten. Ohne die Zustimmung der Gläubigerversammlung hätten fast alle Solarworld-Beschäftigte entlassen werden müssen. Die Entscheidung muss allerdings noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden.

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Solarworld: Aufstieg und Fall des Frank Asbeck

An der Spitze der neuen Gesellschaft steht nun wieder der einstige Solarworld-Gründer Frank Asbeck. Das Geld für das Geschäft kommt nach Informationen von SPIEGEL ONLINE aus Katar.

Hintergrund - Frank Asbecks Aufstieg und Fall: Der Sonnenkönig

Nach dem Verkauf startet das neue Rumpf-Unternehmen nach Einschätzung von Branchenexperten mit deutlich verbesserten Chancen. Vor allem falle das existenzgefährdende Risiko einer US-Schadenersatzklage von rund 700 Millionen Euro eines früheren Silizium-Lieferanten gegen Solarworld weg.

Nach sechs Verlustjahren hatte das einstige Aushängeschild der deutschen Solarindustrie Anfang Mai Insolvenz angemeldet. Den Mitarbeitern am Firmensitz in Bonn wurde bereits zum 1. August gekündigt.

Asbeck-Interview bei SPIEGEL PLUS: "Wir wurden illegal zur Strecke gebracht"

asa/dpa

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salomohn 11.08.2017
1. Kann nicht klappen
Die Idee ist gut und ich würde mich über die Arbeitsplätze in Deutschland freuen. Am Ende hakt es bei den Firmen, die den Kunden die Anlagen verkaufen. Sie halten ihre Margen hoch und verteuern die Solarworld-Produkte unnötig. Bei einem Installateur wird so die Chinaanlage mit niedrigerem Gewinn verkauft als die deutsche. Hauptsache irgendwas verkaufen. Die Leute sägen am eigenen Ast, so geht die Spirale immer weiter nach unten und die Qualität sinkt.
Landkaertchen 11.08.2017
2. Keine dreckigen Bemerkungen über Asbeck und ...
der Wunsch nach viel Glück für die noch Beschäftigen. Der seltene Fall, dass in den Medien emotions-neutral über kritische Abläufe in der Wirtschaft berichtet wird. Das es rasseln wird, wenn Subventionen zurück gefahren werden, war von Anfang an klar. Im Gegensatz zur Kohle im Ruhrgebiet hat man sie hier eher wieder zurück gefahren. Dass das Opfer kostet, ist nicht schön. Aber unnütze Subventionen kosten auch Opfer: Stille opfer. Nämlich da, wo statt dessen das Geld aus Steuermitteln sinnvoller angelegt wäre, aber nicht investiert werden kann. Grundsätzlich hat die Subvention einiges bewirkt. Erstens ist das Geld im Land geblieben und nicht einfach weg. (Für alle, die denken, dass jeder Subventionseuro im Nirwana verschwinden könnte. Geld, umgesetzt in Werte, verschwinden am heftigsten in Kriegen.) Zweitens gibt es jetzt Industrie auf diesem Gebiet. Wenn auch kleiner als zwischendurch mal gepusht. Und drittens richtet der Markt dann im Detail. Subventionen reichen immer nur bis zu Zweitens. Wie heftig Drittens dann wirkt, hängt davon ab, wie intelligent, optimal die Subventionen geflossen sind. Und genau da darf man Kritik ansetzen. Optimal ist wohl etwas Anderes.
ir² 12.08.2017
3.
Die Herstellung von PV-Modulen ist Low-tech, auch wenn die technikfernen Medien das als high-tech verkaufen wollen. Die großzügige Förderung in Deutschland ab dem Jahre 2000 (EEG) hat dafür einen gewaltigen, subventionsgetriebenen Markt entstehen lassen. In der Startphase, bei exponentiellen Wachstumsraten, konnten Deutsche Hersteller gewaltige Gewinne erzielen. Dass das aber nur ein Strohfeuer sein konnte war allen Ökonomen schnell klar, denn als die Chinesen anfingen ihre gewaltige Produktionskapazitäten hochzufahren, war für die Europäischen Hersteller schnell das Ende der Fahnenstange erreicht; ab jetzt ging es nur noch bergab. Das Märchen der „Anschubfinanzierung“ wurde auch schnell von der Wirklichkeit eingeholt, die Sonne schickt zwar keine Rechnung, genau so wenig wie die Kohle, aber die Energiewandlung kostet Geld – dauerhaft mehr Geld als die aus Gas, Kohle oder Uran. So stieg und stieg und stieg die EEG „Anschubfinanzierung“ bis heute auf immer neue Höhen an, ohne dass PV Strom auch nur in die Nähe der Wirtschaftlichkeit gelangt. Daran wird auch Asbecks 3. Versuch nichts ändern!
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