Solar-Pionier Asbeck Letzte Chance für den Sonnenkönig

Zweimal hat Frank Asbeck das einstige Vorzeigeunternehmen Solarworld an den Abgrund geführt. Nun darf er noch einmal retten, was vom Photovoltaik-Konzern übrig ist. Hat er diesmal ein tragfähiges Konzept?

DPA

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Am Freitag um 10.30 Uhr schalten sie bei Solarworld mal wieder in den Drama-Modus. Dann versammeln sich die Gläubiger des Pleitekonzerns im Schwurgerichtssaal des Bonner Amtsgerichts. Der Insolvenzverwalter wird den enttäuschten Geldgebern einen Investor vorstellen, der aus den Überresten der Pleitefirma ein neues Unternehmen formen will.

Es ist ein Mann, den sie zur Genüge kennen. Es ist der gleiche, der Solarworld in den Schlamassel geführt hat: Frank Asbeck, einst bekannt als "Sonnenkönig". Wegen seiner Vorliebe für Schlösser, Luxusautos und wortgewaltige Auftritte.

Asbeck will Solarworld retten. Ausgerechnet er. Zweimal hat der 58-Jährige sein Unternehmen an den Rand des Abgrunds gemanagt: auf Kosten von Kapitalgebern und Arbeitnehmern. Schon bei der ersten Beinahe-Pleite vor vier Jahren haben die Gläubiger Millionen verloren. Nun droht den Solarworld-Aktionären der Totalverlust. Weit über 1000 Mitarbeiter werden ihre Jobs verlieren.

Hat er diesmal ein funktionierendes Geschäftsmodell?

Und Asbeck? Der kauft die Filetstücke seines Solarimperiums zurück: zwei Fabriken in Sachsen und Thüringen. Für kleines Geld. Unterstützt wird er von Geldgebern aus Katar, die schon vor der Pleite Solarworlds größte Anteilseigner waren. Gemeinsam wollen der Gründer und die Kataris nun ein neues Unternehmen aufbauen aus den Ruinen der alten Solarworld: mit nur einem Viertel der bisherigen Belegschaft.

Aber haben sie diesmal ein tragfähiges Geschäftsmodell? Asbeck muss endlich einen Weg finden, der Deutschlands letztem größeren Solarhersteller das dauerhafte Überleben ermöglicht.

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Solarworld: Aufstieg und Fall des Frank Asbeck

Stimmen die Gläubiger zu, kann er noch einmal neu starten. Das neue Solarworld-Unternehmen wäre dann befreit von den Altschulden, etwa drei Viertel der Lohnkosten und auch der Schadenersatzklage eines Zulieferers in dreistelliger Millionenhöhe.

Durch die Pleite haben Asbeck und die Kataris Ballast abgeworfen. Die Zeche zahlen Gläubiger, Aktionäre, entlassene Mitarbeiter. Viele sind wütend auf Asbeck. Wer kann es ihnen verdenken, bei dieser Vorgeschichte?

Ein Comeback hat Asbeck bereits verpatzt. 2013 stand Solarworld schon einmal am Rand des Abgrunds. Nachdem die Politik die üppige Solarförderung in Deutschland gekürzt und die chinesische Konkurrenz mit immer billigeren Produkten das Massengeschäft an sich gerissen hatte, türmten sich bei Solarworld die Verluste auf.

Asbeck schaffte einen Befreiungsschlag: er überzeugte die Kataris, als neue Großkapitalgeber einzusteigen - und überredete Altgläubiger sowie Aktionäre, sich auf einen Kapitalschnitt einzulassen, bei dem sie viel Geld verloren. Er selbst gelobte, so lange auf Lohn und Gehalt zu verzichten, bis Solarworld wieder schwarze Zahlen schreibe. Als Solarworld wenig später die Reste der verlustträchtigen Solarsparte von Bosch im thüringischen Arnstadt übernahm, sicherte Asbeck zu, 800 Arbeitsplätze zu erhalten. Bosch legte damals kolportierte 130 Millionen Euro oben drauf.

Das Gehaltsversprechen hat Asbeck gebrochen - viele andere auch

Auch nach der Fast-Insolvenz machte Asbeck im alten Stil weiter. Viel zu lange versuchte er, seine relativ teuren Module im Massenmarkt unterzubringen, anstatt sich auf lukrative Hightech-Nischen zu konzentrieren. Dafür machte er jahrelang in Brüssel Lobbyarbeit gegen angebliches Preisdumping der Chinesen - teils mit Erfolg. Solarworld verbrannte unterdessen weiter Geld.

Was den Chef nicht daran hinderte, sein Gehaltsgelübde zu brechen: 2015 und 2016 genehmigte er sich insgesamt mehr als 1,5 Millionen Euro, wie aus Geschäftsberichten hervorgeht. In Arnstadt werden nun laut seinem neuen Plan wohl weniger als 300 Arbeitsplätze erhalten. Asbeck hat einige Versprechen gebrochen, er ist als Unternehmer gescheitert. Trotzdem darf er wohl nochmal ran bei Solarworld. Der Grund ist einfach: Weil nur er sich ran traut.

Laut dem Insolvenzverwalter Horst Piepenburg haben Asbeck und die Kataris als einzige Bieter ein Konzept vorgelegt, das die komplette Stilllegung der Produktion in der kommenden Woche verhindert. So haben immerhin knapp 500 Menschen weiter Arbeit. Und weil die Kataris und Asbeck auf Forderungen über mindestens 50 Millionen Euro verzichten, die ihnen die alte Solarworld schuldete (und die sie wohl nie mehr bekommen hätten), bleibt den anderen Gläubigern mehr übrig aus dem Verkauf der restlichen Unternehmensteile. Sie werden daher voraussichtlich dem Deal zustimmen.

Immerhin hat der Rheinländer aus seinem Kardinalfehler gelernt - und will sich nun auf ein Nischensegment des Markts konzentrieren. Die neue Solarworld soll sich auf die so genannte PERC-Technologie fokussieren: Hightech-Zellen mit verspiegelter Rückseite, die mehr Licht in Strom umwandeln können.

Allerdings wird es eng in der PERC-Nische. Auch die Konkurrenz setzt auf diese Technologie, verbessert deren Leistungsfähigkeit - und dürfte mit ihren teils modernen Fabriken schnell aufholen. Sofern Solarworld nach den monatelangen Insolvenzquerelen überhaupt noch einen Know-How-Vorsprung hat.

insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
Augustusrex 11.08.2017
1. Der Herr Asbeck
Der will und wird nichts retten. Der Mann will nur noch einen kräftigen Schnitt machen, dann ist die Angelegenheit gegessen.
Freidenker10 11.08.2017
2.
Grundsätzlich schon komisch was man in der Wirtschaft so alles machen kann. Da führt einer sein Unternehmen in den Abgrund und kauft es mit dem Vermögen das er mit selbiger Firma verdient hat nach dem Konkurs entschuldet wieder auf. Also höre ich jetzt auf Miete zu zahlen und kauf mir die Wohnung dann nach einer Weile...
thomhein 11.08.2017
3. unseriös
Solarworld war von Anbeginn an nur mit Subventionen lebensfähig und Herr Asbeck war nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Er hat keine Skrupel, eine Vielzahl Kleininvestoren über den Tisch zu ziehen. Ein Glücklicksritter
Ge-spiegelt 11.08.2017
4. Ich dachte die Energiewende ist ein Erfolg?
Die Idee war mal Deutsche Exporte der Solar und Wind Branche. Prokon ist pleite. Solarworld ist pleite. Bosch hat deinvestiert usw. Das heisst wir unterstützen mit unserer EEG Abgabe China. Wie oft darf denn dieser Versager noch versuchen Solarworld zu retten? Musk schafft es doch auch in einem Hochlohnland Photovoltaik zu produzieren, ja er hat seine Firma sogar in Tesla integriert.
andreasm.bn 11.08.2017
5. Herr Asbeck hatte und hat nur ein Ziel,...
sich selber die Taschen voll zu machen! Er wird auch jetzt wieder Angestellte und Aktieninhaber verarschen und sich ins Fäustchen lachen. Für mich gehört der Typ hinter skandinavische Fenstervorhänge.
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