Kriselnder Ökopionier Asbeck will Solarworld auf Gläubigerkosten retten

Der einstige Pionier der Sonnenstrom-Branche ist zum Sanierungsfall geworden - und soll mit drastischen Methoden gerettet werden. Die Gläubiger von Solarworld sollen einen Schuldenschnitt von 60 Prozent erdulden, Eigentümer einen Kapitalschnitt von 95 Prozent.

DPA

Bonn - Eine Insolvenz soll auf jeden Fall vermieden werden, nun gibt es einen alternativen Rettungsplan für Solarworld Chart zeigen. Damit der Branchenpionier gerettet werden kann, müssen seine Eigentümer und Gläubiger gewaltige Verluste hinnehmen. Man habe eine entsprechende Einigung mit wichtigen Gläubigern erzielt, teilte das Unternehmen am Dienstag in Bonn mit. Diese sieht zweierlei vor:

  • Mit einem Schuldenschnitt sollen die langfristigen Verbindlichkeiten um etwa 60 Prozent verringert werden. Für das Geld, auf das sie verzichten, sollen die Gläubiger Aktien bekommen. Im Börsenjargon wird diese Umschichtung Debt-to-Equity-Swap genannt.
  • Die bisherigen Eigentümer des Unternehmens müssen dafür einen Kapitalschnitt von 95 Prozent hinnehmen. Damit verlieren die Alteigentümer praktisch ihren kompletten Besitz. Auch Vorstandschef und Unternehmensgründer Frank Asbeck - der knapp 28 Prozent der Anteile am Unternehmen hält.

Durch den Radikalabbau der Schulden soll Solarworld wieder manövrierfähig werden. Das Unternehmen hatte Mitte April erklärt, das Kapital seiner Aktionäre komplett verloren zu haben. Solarworld ächzt unter einer Schuldenlast von mehr als einer Milliarde Euro. Noch haben nicht alle Beteiligten dem Kompromiss zugestimmt.

Solarworld war durch Billig-Konkurrenz aus China in die Krise geraten. Firmengründer Asbeck weigerte sich, die Produktion von Solarmodulen in Niedriglohnländer zu verschieben - und versuchte die Module stattdessen mit Preisaufschlag als Markenprodukte Made in Germany zu verkaufen. Mit leidlichem Erfolg.

Im vergangenen Jahr liefen die Geschäfte besonders mies: 2012 brach der Umsatz von 1,045 Milliarden Euro auf 606 Millionen Euro ein. Der operative Verlust stieg auf 492,4 Millionen Euro. Das Unternehmen begründete das Minus mit einem Absatzrückgang bei den Modulen - und einem Preisrückgang von 40 Prozent auf den internationalen Solarmärkten.

Der Aktienkurs des Unternehmens ist regelrecht eingebrochen. 2011 war die Aktie noch 12 Euro wert, inzwischen ist sie zum Pennystock verkommen. Derzeit wird sie für rund 60 Cent das Stück gehandelt.

Die Reaktion auf den geplanten Schuldenschnitt fiel verhalten aus. "Für uns ist das so eine Art Insolvenz light", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer. "Solarworld geht von einer finanziellen Erleichterung aus." Doch das werde nicht reichen. Der Konzern müsse seine Strukturen anpassen. Nach wie vor sei Solarworld von der hohen Einspeisevergütung für Solarstrom in Deutschland abhängig und fordere wiederholt von der Politik einen Schutzwall gegen chinesische Billigangebote. "Ich sehe aber nach wie vor kein tragfähiges Zukunftskonzept."

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ssu/dpa-AFX/Reuters

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Seite 1
bob27.3. 30.04.2013
1. Traurig!
Zitat von sysopDPADer einstige Pionier der Sonnenstrom-Branche ist zum Sanierungsfall geworden - und soll mit drastischen Methoden gerettet werden. Die Gläubiger von Solarworld müssen einen Schuldenschnitt von 60 Prozent erdulden, Eigentümer einen Kapitalschnitt von 95 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/solarworld-schuldenschnitt-soll-solar-pionier-retten-a-897361.html
..und schon wieder wird der falsche Terminus technicus benutzt.Nicht die SolarBRANCHE erlebte einen Nidergang sondern die PhotovoltaikINDUSTRIE...wir als mittelständisches PV Systemhaus vertreiben ausschliesslich chinesische PV Module.die Auftragslage ist hervorragend,wir expandieren und stellen neue Leute ein.Nicht überall wo Photovoltaik draufsteht, steckt die Krise von Q-cells und SolarWorld drin:-)
MiniDragon 30.04.2013
2. Handlungsbedarf für Merkel?
Hier könnte doch die Energiewende- Kanzlerin mal einschreiten! Denn war der grüne Solarworld-Gründer Frank Asbeck seinerzeit nicht sogar bereit, Opel aus der Patsche zu helfen ? oder geht das nicht mehr, weil die Grünen es so strikt ablehnen, mit der CDU zu koalieren? Zumindest mit https://de.wikipedia.org/wiki/Katrin_G%C3%B6ring-Eckardt hat sie doch so viele Gemeinsamkeiten: :-)
Emil Peisker 30.04.2013
3. Menetekel...
Zitat von bob27.3...und schon wieder wird der falsche Terminus technicus benutzt.Nicht die SolarBRANCHE erlebte einen Nidergang sondern die PhotovoltaikINDUSTRIE...wir als mittelständisches PV Systemhaus vertreiben ausschliesslich chinesische PV Module.die Auftragslage ist hervorragend,wir expandieren und stellen neue Leute ein.Nicht überall wo Photovoltaik draufsteht, steckt die Krise von Q-cells und SolarWorld drin:-)
Ihren Stolz können Sie behalten. Mit den unfairen Subventionen der Chinesen konnten die chinesischen Hersteller zu absoluten Dumpingpreisen exportieren. Also nicht Ihr Verdienst, sondern Sie, bzw. Ihr Unternhemen ist als verlängerter Arm der Chinesen zu sehen. Diese Beispiel zeigt auch, was bei einem Austritt Deutschlands aus dem Euro folgen würde. Durch die Aufwertung der neuen DM würden die Hersteller in Deutschland endgültig zum Exitus verurteilt und die Importeure könnten noch günstiger den Markt aufrollen. Und andere, heute noch prächtig verdienende Industrien, siehe Maschinenbau und Automobilindustrie, würden unter immensen Druck geraten. Was kann Asbeck tun? Er kann diesen Vergleich erreichen und anschließend die Produktion nach China auslagern. Dann ginge es Ihnen vielleicht an den Kragen. Sie sehen, es gibt immer zwei Seiten der Medaille.
flanke 30.04.2013
4.
Zitat von sysopDPADer einstige Pionier der Sonnenstrom-Branche ist zum Sanierungsfall geworden - und soll mit drastischen Methoden gerettet werden. Die Gläubiger von Solarworld müssen einen Schuldenschnitt von 60 Prozent erdulden, Eigentümer einen Kapitalschnitt von 95 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/solarworld-schuldenschnitt-soll-solar-pionier-retten-a-897361.html
Man könnte natürlich die Kosten für die Rettung des Luftschlosses von Sonnenkönig Asbeck auch gleich den Stromkunden aufdrücken. Schließlich kann die Solarbranche ja nix dafür, dass die bösen Chinesen so billig produzieren. Und da angeblich die große Mehrheit in Deutschland diese Energiewende will und es gängige Praxis ist, dass Verluste sozialisiert und Gewinne privatisiert werden, wäre dies nur recht und billig. Schließlich wollen die realen Schlösser des Herrn Asbeck auch unterhalten sein....
MiniDragon 30.04.2013
5. Zielkonflikte!
Zitat von MiniDragonHier könnte doch die Energiewende- Kanzlerin mal einschreiten! Denn war der grüne Solarworld-Gründer Frank Asbeck seinerzeit nicht sogar bereit, Opel aus der Patsche zu helfen ? oder geht das nicht mehr, weil die Grünen es so strikt ablehnen, mit der CDU zu koalieren? Zumindest mit https://de.wikipedia.org/wiki/Katrin_G%C3%B6ring-Eckardt hat sie doch so viele Gemeinsamkeiten: :-)
Pardon ich vergaß: Auch Griechenland und der €uro müssen ja mal wieder gerettet werden Aber Wendespezialistin Merkel übt nun wahrscheinlich bereits unter Anleitung von Kati Witt, die, sich wie der Zufall so spielt, nun auch für Weight Watchers engagiert hat, Pirouetten und Doppelsprünge !
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