Bonn - Eine Insolvenz soll auf jeden Fall vermieden werden, nun gibt es einen alternativen Rettungsplan für Solarworld
. Damit der Branchenpionier gerettet werden kann, müssen seine Eigentümer und Gläubiger gewaltige Verluste hinnehmen. Man habe eine entsprechende Einigung mit wichtigen Gläubigern erzielt, teilte das Unternehmen am Dienstag in Bonn mit. Diese sieht zweierlei vor:
Durch den Radikalabbau der Schulden soll Solarworld wieder manövrierfähig werden. Das Unternehmen hatte Mitte April erklärt, das Kapital seiner Aktionäre komplett verloren zu haben. Solarworld ächzt unter einer Schuldenlast von mehr als einer Milliarde Euro. Noch haben nicht alle Beteiligten dem Kompromiss zugestimmt.
Solarworld war durch Billig-Konkurrenz aus China in die Krise geraten. Firmengründer Asbeck weigerte sich, die Produktion von Solarmodulen in Niedriglohnländer zu verschieben - und versuchte die Module stattdessen mit Preisaufschlag als Markenprodukte Made in Germany zu verkaufen. Mit leidlichem Erfolg.
Im vergangenen Jahr liefen die Geschäfte besonders mies: 2012 brach der Umsatz von 1,045 Milliarden Euro auf 606 Millionen Euro ein. Der operative Verlust stieg auf 492,4 Millionen Euro. Das Unternehmen begründete das Minus mit einem Absatzrückgang bei den Modulen - und einem Preisrückgang von 40 Prozent auf den internationalen Solarmärkten.
Der Aktienkurs des Unternehmens ist regelrecht eingebrochen. 2011 war die Aktie noch 12 Euro wert, inzwischen ist sie zum Pennystock verkommen. Derzeit wird sie für rund 60 Cent das Stück gehandelt.
Die Reaktion auf den geplanten Schuldenschnitt fiel verhalten aus. "Für uns ist das so eine Art Insolvenz light", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer. "Solarworld geht von einer finanziellen Erleichterung aus." Doch das werde nicht reichen. Der Konzern müsse seine Strukturen anpassen. Nach wie vor sei Solarworld von der hohen Einspeisevergütung für Solarstrom in Deutschland abhängig und fordere wiederholt von der Politik einen Schutzwall gegen chinesische Billigangebote. "Ich sehe aber nach wie vor kein tragfähiges Zukunftskonzept."
ssu/dpa-AFX/Reuters
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