Absatz von Klimageräten Supersommer für die Kältebranche

Neben klimatisierten Büros und Autos will eine wachsende Zahl von Deutschen auch zu Hause nicht mehr auf gekühlte Luft verzichten. Wegen des ungewöhnlich heißen Sommers erwartet die Branche nun Verkaufsrekorde.

Ventilator in einem Stuttgarter Büro
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Ventilator in einem Stuttgarter Büro


Die Hersteller von Klimageräten rechnen angesichts des heißen Sommers mit Rekordverkäufen. Der Fachverband Gebäude-Klima erwartet 2018 bundesweit mehr als 200.000 verkaufte Klimageräten zum Einbauen. Normalerweise verkaufe die Branche pro Jahr rund 150.000 bis 160.000 solcher Geräte an Verbraucher und kleine Unternehmen.

Jeden Tag erhielten Baumärkte neue Lieferungen an Klimageräten, teilte der Bundesverband Technik des Einzelhandels mitteilt. "Alle großen Hersteller und Anbieter gehen für 2018 von Rekordverkaufszahlen aus", sagte Fachjournalist Manfred Stahl, der die Branche seit 30 Jahren beobachtet.

Rund drei Prozent der Deutschen haben nach Branchenangaben bereits ein eingebautes Klimagerät zu Hause. Das Öko-Institut in Freiburg geht davon aus, dass es bis 2030 schon 8 bis 13 Prozent sein könnten. "Mit jeder Hitzewelle entscheiden sich mehr Menschen zum Kauf", sagt Energieexpertin Tanja Kenkmann vom Institut. Die Geräte seien günstiger geworden - ein mobiles gibt es laut Fachverband ab 400 Euro, ein eingebautes ab 1700.

Laut Stahl entscheiden sich die Menschen besonders wegen der wochenlangen Hitze während Tag und Nacht zum Kauf. Energietechnologieexperte John Dulac von der Internationalen Energieagentur (IEA) sagt: "Viele Deutsche arbeiten heute in klimatisierten Büros und fahren klimatisierte Autos - so wollen sie diese Temperaturen auch zu Hause."

Mit dieser Zunahme liegt Deutschland laut IEA-Angaben im weltweiten Trend. In Europa nehme die Zahl gekühlter Haushalte aber vergleichsweise langsam zu. In etlichen Schwellen- und Entwicklungsländern wie China, Indien, Brasilien oder Indonesien erwarten Experten, dass Millionen Menschen in den kommenden Jahren genug Geld haben, um sich vergleichsweise günstige Klimageräte zu leisten, die dann meist viel Strom verbrauchen.

Klimageräte verstärken Klimawandel

"Weil viele Länder beim Strom noch stark von fossilen Brennstoffen abhängen, verstärken immer mehr Klimageräte den Klimawandel zusätzlich", sagt Dulac. "Und dann brauchen noch mehr Menschen Klimageräte." In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern würden die Geräte nicht von Fachleuten installiert, sagt Stahl. So könne deren umweltschädliche Kühlflüssigkeit leichter austreten. Sie sei für das Klima rund 2000-mal schädlicher als CO2.

Zurzeit gibt es weltweit laut IEA rund 1,6 Milliarden Klimageräte in Privathaushalten - etwa die Hälfte davon in den USA und China. Die Vereinigten Staaten allein verbrauchten mit ihren Klimaanlagen so viel Energie wie ganz Afrika insgesamt. Stahl sagt: "In den USA bedeutet es Wohlstand, so sehr zu kühlen, dass man in Büros eine Jacke braucht." Deutschland macht hingegen laut IEA bislang nur 0,5 Prozent am weltweiten Energieverbrauch für Kühlung aus.

Um die Auswirkungen von Klimaanlagen und Klimageräten auf das Klima zu mindern, forschen Wissenschaftler an Modellen, die weniger Strom verbrauchen und ein umweltfreundlicheres Kältemittel haben. Mehrere Länder investieren mehr in erneuerbare Energien zur Stromerzeugung. Und China und Südkorea beschlossen, öffentliche und staatliche Gebäude nie auf weniger als 26 Grad zu kühlen.

dab/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
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Sibylle1969 10.08.2018
1.
Ich habe in D in klimatisierten Büros gearbeitet, hier lag die Temperatur im Hochsommer meist bei rund 25 Grad, was sehr angenehm war. Die Frauen konnten ihre dünnen Sommerkleider tragen, für die Männer in Hemd und langer Hose war es nicht zu warm. Unterschied zwischen drinnen und draußen ca. 5 Grad. In den USA in Houston habe ich mal im Juli das krasse Gegenteil erlebt: draußen 38 Grad schwüle Hitze, drinnen runtergekühlt auf 17-18 Grad, so dass man ohne lange Hose und Pullover oder Jacke friert (zum Vergleich: im Winter heizen die Amerikaner gerne mal auf Temperaturen von 23-25 Grad, die es ermöglichen, im kurzen Kleid im Büro zu arbeiten). Unterschied zwischen drinnen und draußen rund 20 Grad. In Houston habe ich mich jedes Mal erkältet. Mir haben je ein Ventilator im Schlaf- und Arbeitszimmer gut über die Hitzewelle geholfen. Es war zwar zuletzt fast 30 Grad im Schlafzimmer, aber dank Ventilator war das aushaltbar.
Bueckstueck 10.08.2018
2. Erdkühlung
So wie man im Winter mit Erdwärme seinen Ölbedarf reduzieren kann, so kann man im Sommer seine (Fussboden-) Heizung mit vom Erdboden gekühltem Wasser beschicken. Geht natürlich nur wenn man ein Grundstück besitzt und uns das Klima noch keinen ganzjahres Sommer beschert...
Pfaffenwinkel 10.08.2018
3. Aldi, Liedl & Co.
sitzen schon in den Startlöchern: Sie werden die Konsumenten vor dem nächsten Hitze-Sommer mit preiswerten Klimageräten zuschütten.
fahrgast07 10.08.2018
4. Denkfehler Klimaanlage
Ein gefährlicher Trend. Klimaanlagem heizen nämlich nach draußen, damit werden die Städte noch heißer! Gut zu erleben in Japan: Innen alles brutal runterklimatisiert, außen ist es (wie Studien ergaben) bis zu 5 Gtad heißer als natürlich. Gesund ist das überhaupt nicht. Ein gut geplantes Haus ist auch bei Hitze angenehm: Verschattung, Speichermasse, Nachtrückkühlung, Dämmung - alles machbar. Aber wir bauen lieber eine gedankenlose Hütte hin und schrauben eine Baumarkt-Klimaanlage rein - so richten wir unseren Planeten zugrunde.
fahrgast07 10.08.2018
5. Scharlatan-Klimaanlagen
Interessant sind die Scharlatan-Klimaanlagen, die auch auf Spon beworben werden. Die sind nämlich simple Luftbefeuchter und geben nur die Illusion von Kühlung (eine echte Klimaanlage trocknet sohar die Luft). Kurzum, so wirksam wie Homöopathie. Aber wir mündigen Bürger kaufen jeden Schmarrn, hauptsache der Müll wird nie knapp.
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