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Sonnenstrom-Subventionen: Obama startet milliardenschwere Solar-Offensive

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Barack Obama ruft die Strom-Revolution aus: Mit Subventionen in Höhe von zwei Milliarden Dollar will er der US-Solarindustrie einen kräftigen Schub geben und Tausende neue Jobs schaffen. Amerikas Sonnenkönige haben den Stimulus bitter nötig - der nationale Markt ist winzig.

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US-Präsident Obama: "Aggressiver Wettbewerb"

Hamburg - Barack Obama plant einen neuen Vorstoß in den Ökostromsektor. Der US-Präsident hat Subventionen in Höhe von zwei Milliarden Dollar für neue Solarkraftwerke angekündigt.

Die Sonnenstrom-Subventionen werden aus dem 862 Milliarden Dollar Stimulus-Paket der US-Regierung bezahlt. Durch die Bauprojekte sollen nach Regierungsangaben Tausende Arbeitsplätze im Bausektor entstehen. Zwei Unternehmen teilen sich das Geld:

  • die Firma Abengoa Solar, die eines der größten Solarkraftwerke der Welt in Arizona errichten will. Die "Solana"-Anlage soll eine Kapazität von 280 Megawatt haben, rund 70.000 Haushalte mit Energie beliefern und rund 1600 Jobs schaffen.
  • und das Unternehmen Abound Solar Manufacturing, das zwei Anlagen bauen will, eine in Colorado und eine in Indiana. Diese Projekte sollen rund 2000 Jobs in der Baubranche schaffen.

Obama verkaufte die geplanten Subventionen als großen Erfolg. "Das sind nur zwei der vielen Investitionen in saubere Energie", die die US-Regierung unterstütze, sagte er. Schon jetzt zahlten sich diese Investition aus. Er habe bröckelnde Fabriken gesehen, die jetzt wieder brummten und summten, weil sie Solar- und Windanlagen bauten. "Wir werden einen aggressiven Wettbewerb führen, damit die Arbeitsplätze und Industrien der Zukunft sich hier in Amerika etablieren."

Tatsächlich dürfte das etwas viel versprochen sein. Denn so begrüßenswert der Vorstoß aus Sicht der betroffenen Konzerne und Arbeiter ist - der aktuell verkündete Stimulus hat eher Symbolcharakter. Er ist nicht besonders groß, und für Amerikas Einstig ins Ökostromzeitalter ist er nur ein erster kleiner Schritt.

US-Solarmarkt hat großen Nachholbedarf

Denn die günstigsten Photovoltaikmodule werden bislang mit Abstand in China gefertigt, nicht in den USA. Auch ist Amerikas Sonnenstrom-Markt bislang vergleichsweise klein: Für die USA erwartet die Unternehmensberatung Oliver Wyman bis 2014 ein Wachstum von 44 Prozent beim Zubau von Solaranlagen. 2009 seien in den USA Anlagen mit insgesamt 477 Megawatt am Netz gewesen, bis 2014 sollen es insgesamt 3000 Megawatt sein.

Zum Vergleich: Im viel kleineren Deutschland sind schon jetzt Solaranlagen mit einer Kapazität von 10.000 Megawatt am Netz, dieses Jahr könnten verschiedenen Schätzungen zufolge noch einmal 5000 bis 10.000 Megawatt hinzukommen.

Und im Gegensatz zu dem USA subventionieren die deutschen Verbraucher den Ausbau der Solarenergie kollektiv mit - über Aufschläge auf ihre Stromrechnung. So hoch sind die Kosten dafür inzwischen, dass Regierung, Parlament und Bundesrat seit Monaten über eine Kürzung der Fördertarife streiten. Die Subventionierung der Solarenergie durch den Verbraucher wurde auch in den USA mehrfach diskutiert - bislang wurde diese Lösung auf nationaler Ebene stets abgeschmettert.

Schon für amerikanische Verhältnisse ist der Zwei-Milliarden-Stimulus vergleichsweise klein. Den Ausbau der amerikanischen Stromnetze etwa unterstützt die US-Regierung mit einem 3,4 Milliarden Dollar schweren Öko-Fonds.

Für den amerikanischen Arbeitsmarkt hat das Projekt ebenfalls nur Symbolcharakter. Die Arbeitslosenquote liegt in den USA bei 9,5 Prozent. Seit Beginn der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise Ende 2008 sind in Amerika rund acht Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen. In seiner Radioansprache sagte Obama selbst, es werde Jahre dauern, bis sich der Arbeitsmarkt von der Rezession erhole.

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Forum - Was halten Sie vom vermeintlichen Solarzellwunder?
insgesamt 283 Beiträge
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1. Solar
Internetnutzer 27.10.2009
Wie heißt das Lied: Wunder gibt es immer wieder, aber keiner wird sich wundern, wnn es nicht funktioniert.
2.
Reziprozität 27.10.2009
Zitat von sysopFernab des Wissenschaftsbetriebs will ein Schweizer Forscher eine extrem effiziente Solarzelle entwickelt haben. Von einem Privatinvestor sammelte er dafür Millionen ein. Allerdings sind entscheidende wissenschaftliche Belege höchst umstritten. Was halten Sie von diesem Solarzellwunder?
Meinen Sie die Grätzel-Zelle? Die ist doch eigentlich eher ein alter Hut und nicht besonders effizient.
3.
Reziprozität 27.10.2009
Gibt es eventuell einen Link auf den entsprechenden Artikel? Ich habe in SpOn eben nichts dazu gefunden.
4.
Maschinchen, 27.10.2009
Zitat von ReziprozitätGibt es eventuell einen Link auf den entsprechenden Artikel? Ich habe in SpOn eben nichts dazu gefunden.
Hier eine Pressemitteilung: http://www.pressebox.de/pressemeldungen/somont-gmbh/boxid-298844.html
5.
Reziprozität 27.10.2009
Zitat von MaschinchenHier eine Pressemitteilung: http://www.pressebox.de/pressemeldungen/somont-gmbh/boxid-298844.html
Vielen Dank! Das was da in der Pressemitteilung steht passt allerdings wenig zu dem was hier in Post #1 geschrieben wurde.
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Die Koalition hat sich auf ein Paket geeinigt, mit dem die Förderung von Solarstrom gekürzt werden soll - die Eckpunkte im Überblick (Stand: 24 April 2010)
Dachanlagen
Etwa 80 Prozent aller Solaranlagen in Deutschland sind auf Dächern installiert. Offiziell soll ihre Förderung zum 1. Juli um 16 Prozent gesenkt werden - faktisch ist die Kürzung durch die höhere Förderung des Eigenverbrauchs allerdings weit niedriger.
Eigenverbrauch
Solarstrom, der selbst verbraucht wird, wird um acht Cent besser vergütet werden als ins Netz gespeister Strom, sobald die Jahres-Stromerzeugung 30 Prozent überschreitet. Betroffen sind fast alle Anlagen: Die Regelung gilt bis 500 Kilowatt. Eine durchschnittliche Dachanlage hat eine Leistung von fünf Kilowatt, das Fußballstadion Letzigrund in Zürich kommt auf 223 Kilowatt. Die Eigenverbrauchsförderung ist zunächst bis Ende 2011 befristet.
Ackerflächen
Die Förderung entfällt ab Juli 2010, um eine Konkurrenz zum Lebensmittelanbau zu verhindern.
Freiflächen
Die Kürzung für Solarparks soll 15 Prozent ab dem 1. Juli betragen. Auf Konversionsflächen wie Mülldeponien, alten Industrie- oder Gewerbeflächen oder Militärgeländen beträgt die Kürzung nur elf Prozent, da Investoren wegen der Beseitigung von Altlasten höhere Aufwendungen haben.
Deckelung ab 2011
Ab Anfang 2011 wird von einem Zubau von 3500 Megawatt ausgegangen - bei diesem würde die Förderung um weitere neun Prozent gekürzt. Bei Zielüberschreitung verschärft sich die Förderkürzung alle 1000 Megawatt um ein weiteres Prozent. Sprich: Ab 4500 Megwatt Ausbau beträgt sie zehn Prozent, ab 5500 Megawatt Ausbau elf Prozent, etc. Bleibt der Zubau unter der Zielmarke von 3500 Megawatt, wird die Förderkürzung abgemildert. Sie kann damit 2011 zwischen sechs und 13 Prozent schwanken.
Deckelung ab 2012
Auch für 2012 wird von einem Zubau von 3500 Megawatt ausgegangen. Bei Zielüberschreitung verschärft sich die Förderkürzung alle 1000 Megawatt um drei Prozent. ssu

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Grafiken: Solarenergie in Deutschland

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