Sorge um die Weltwirtschaft: Chinas Industrie schwächelt
China droht als Garant für den weltweiten Aufschwung auszufallen. Einem Konjunkturbarometer zufolge lahmt die Industrie der Volksrepublik. In Europa ist die Lage noch düsterer: Die Zahl der Firmenaufträge bricht ein.
Peking/Luxemburg - Europa und die USA können sich nicht mehr auf China als Wachstumstreiber verlassen. Die Industrie in der Volksrepublik trat laut dem Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC in den vergangenen Wochen auf der Stelle. Der Index fiel im November auf 48 Punkte und damit unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Werte unter dieser Kennzahl deuten in der Regel auf einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten hin. Damit schrumpften die Geschäfte im November so stark wie seit März 2009 nicht mehr.
China hat die Weltkonjunktur seit Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten angeschoben. Die aktuellen Daten verstärken nun die Furcht vor einem Abschwung. "Das ist noch keine Katastrophe, aber es schürt natürlich die Angst vor einer deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft - schließlich ist China der einzige Rettungsanker, den wir noch haben", sagte ein Börsianer.
Die Sorge machte sich umgehend an den Aktienmärkten bemerkbar. Der deutsche Leitindex Dax
rutschte zwischenzeitlich ins Minus und drehte am Nachmittag dann wieder leicht ins Plus.
"Das Schlimmste kommt noch"
Das Wachstum der chinesischen Industrie werde sich in den nächsten Monaten weiter verlangsamen, warnte HSBC-Experte Qu Hongbin. Im Jahresvergleich werde das Plus nur noch bei elf bis zwölf Prozent liegen. Grund sei die nachlassende Nachfrage sowohl in China selbst als auch im Ausland. "Das Schlimmste kommt noch", sagt Conita Hung von der Delta Asia Financial Group. Wahrscheinlich würden neben Exportfirmen auch Unternehmen aus dem Banken- und Finanzsektor bald mehr Gegenwind spüren.
Analysten verwiesen auf Eingriffsmöglichkeiten der chinesischen Regierung und setzen darauf, dass sie einen jähen Absturz der Wirtschaft auf jeden Fall verhindern wird: "Eine harte Landung wird es wahrscheinlich nicht geben", sagte ein Analyst.
Im Kampf gegen eine Überhitzung der Wirtschaft und eine anziehende Inflation hatte die Regierung die Banken gezwungen, mehr Geld zu hinterlegen. Nun könne sie die Anforderungen wieder herunterschrauben und damit dafür sorgen, dass mehr Geld für Investitionen bereitstehe, hieß es.
Trotz der Verlangsamung der Industrie sagt die Weltbank für das Bruttoinlandsprodukt für 2011 ein Wachstum von neun Prozent voraus. Im kommenden Jahr soll es mit 8,4 Prozent etwas niedriger ausfallen.
Deutsche Industrie verbucht weniger Aufträge
Deutlich schlechter fallen aktuelle Konjunkturdaten für Europa aus. Die Industrie in den Euro-Ländern hat im September das größte Auftragsminus seit Dezember 2008 hinnehmen müssen. Die Firmen sammelten 6,4 Prozent weniger Bestellungen ein als im Monat davor, teilte das Statistikamt Eurostat mit.
Frühindikatoren wie der Markit-Einkaufsmanagerindex signalisieren zudem, dass die Wirtschaft im Euro-Raum zum Jahreswechsel sogar schrumpfen könnte. "Die Rezession steht vor der Tür", sagte Commerzbank
-Analyst Christoph Weil. Als Gründe für die schlechten Aussichten nannte er die nachlassende weltweite Nachfrage sowie die Sparpakete in den Euro-Ländern
angesichts der Schuldenkrise.
Auch in Deutschland geht es abwärts. Die Industrie musste im September laut Eurostat Auftragseinbußen von 4,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat verkraften. Im August waren die Aufträge nur um 1,2 Prozent zurückgegangen.
Auch aus den USA kamen am Mittwoch keine uneingeschränkt positiven Nachrichten. Dort stiegen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe im Wochenvergleich um 2000 auf 393.000, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Immerhin fiel der aussagekräftigere Vier-Wochen-Schnitt positiver aus. Hier sank die Zahl um 3250 auf 394.250 Anträge.
mmq/Reuters/dpa-AFX
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