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Finanzmärkte: Sorge um Krisenländer treibt Börsen ins Minus

Schlechte Nachrichten sorgen an den Finanzmärkten für Unruhe. Die Euro-Partner werden Griechenland wohl weitere Geldspritzen verweigern, in Spanien bittet die zweite Region um Finanzhilfen. Die Börsen drehen ins Minus, der Euro sinkt auf ein Zwei-Jahres-Tief.

Kurstafel in Sydney: Nachrichten aus den Krisenländern treiben die Anleger um Zur Großansicht
REUTERS

Kurstafel in Sydney: Nachrichten aus den Krisenländern treiben die Anleger um

Frankfurt am Main - Spekulationen über eine drohende Pleite Griechenlands und der Hilferuf spanischer Regionen haben zu Wochenbeginn die Anleger verunsichert. Der Euro Chart zeigen gab am Montagmorgen deutlich nach. Die Gemeinschaftswährung sank auf 1,2085 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Juni 2010. Auch die Börsenkurse drehten ins Minus. Der Dax Chart zeigen gab im frühen Handel um 1,3 Prozent auf 6541 Punkte nach. Die Leitindizes an den Börsen in Madrid und Mailand gaben zeitweise um mehr als fünf Prozent nach. Die Kurse an der Börse in Athen rutschten um mehr als sechs Prozent ab.

Nachrichten aus zwei Krisenländern beschäftigten die Anleger. So kann Griechenland offenbar nicht auf weitere Hilfen der internationalen Geldgeber setzen. Sowohl der IWF als auch die Bundesregierung verlieren die Geduld mit dem Land. Hochrangige Vertreter haben der Brüsseler EU-Spitze nach Informationen des SPIEGEL mitgeteilt, dass der IWF nicht mehr bereit sei, weitere Gelder für die Griechenland-Hilfe zur Verfügung zu stellen. Auch die Bundesregierung will der Regierung in Athen keine zusätzlichen Finanzspritzen mehr gewähren, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Regierungskreise.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler spricht bereits offen über einen Euro-Austritt Griechenlands. "Für mich hat ein Austritt Griechenlands längst seinen Schrecken verloren", sagte der FDP-Chef am Sonntag im ARD-Sommerinterview. Ein Händler warnte vor den Folgen und sagte: "Die Angst, dass eine Pleite Griechenlands auch Spanien und Italien mit in den Abgrund zieht, ist wieder da."

Spanische Region Murcia braucht Hilfe aus Madrid

Auch aus Spanien kommen schlechte Nachrichten. Dort musste nach Valencia auch Murcia als zweite spanische Provinz die Zentralregierung in Madrid um Finanzhilfen bitten. Murcias Regierungschef Ramón Luis Valcárcel kündigte am Sonntag an, er wolle für seine Region Hilfen im Umfang von 200 bis 300 Millionen Euro erbitten. Er hoffe, dass das Geld im September bereitgestellt werde.

Die zum Teil hochverschuldeten spanischen Regionen gelten als eines der Hauptprobleme des Landes. Investoren zweifeln, ob es der Zentralregierung in Madrid gelingt, sie zu mehr Haushaltsdisziplin zu zwingen. Laut Medienberichten erwägen weitere vier der insgesamt 17 autonomen Regionen Spaniens, Hilfe aus dem vor kurzem gegründeten 18 Milliarden Euro schweren Rettungsfonds FLA zu beantragen. Valencia hatte am Freitag als erstes einen Unterstützungsantrag gestellt. Die Region hofft auf mindestens zwei Milliarden Euro.

Spanien steckt in einer schweren Rezession, die Banken dort leiden an den Folgen einer geplatzten Immobilienblase. Zwar stützt die EU die maroden spanischen Banken mit rund hundert Milliarden Euro, doch die schlechten Nachrichten von den hochverschuldeten spanischen Regionen sorgten an den Finanzmärkten für Unruhe.

Spanische Wirtschaft schrumpft erneut

Die Renditen für spanische Staatsanleihen erreichten am Montag neue Rekordstände. Bei Papieren mit zehn Jahren Laufzeit stieg die Rendite am Montag erstmals über 7,4 Prozent. Mit einem so hohen Zinssatz halten es viele Experten langfristig für schwierig, dass der spanische Staat seine Gläubiger bedienen kann und weiter an frisches Geld kommt. Auch bei Schuldtiteln mit einer Restlaufzeit von fünf Jahren wurden Renditen von mehr als sieben Prozent fällig. Bei Anleihen mit zwei Jahren Laufzeit lag die Rendite am Montagvormittag erstmals über der Marke von sechs Prozent. "Für Spanien wird es zusehends kritischer - die Tage ohne ein volles Hilfspaket dürften gezählt sein", sagte ein Börsenhändler.

Noch dazu kommt die spanische Wirtschaft nicht auf die Beine. Das Bruttoinlandsprodukt sei zwischen April und Juni voraussichtlich um 0,4 Prozent zum Vorquartal geschrumpft, teilte die Zentralbank des Landes am Montag in ihrem Monatsbericht mit. Bereits zum Jahresanfang hatte es ein Minus von 0,3 Prozent gegeben. Damit beschleunigt die Konjunktur ihre Talfahrt weiter.

mmq/Reuters/dpa

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insgesamt 126 Beiträge
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1. Sorge um Krisenländer ?? :))
sagmalwasdazu 23.07.2012
...oder doch die Befürhtung auf weniger Rendite durch die Zinssklaven der Krisenstaaten bzw. deren Bürgen ?? Jaja, das Kapital ist ein scheues Reh.....
2. Wer ist Schuld?
albrechtstorz 23.07.2012
Zitat von sysopAFPSchlechte Nachrichten sorgen an den Finanzmärkten für Unruhe. Die Euro-Partner werden Griechenland wohl weitere Geldspritzen verweigern, in Spanien bittet die zweite Region um Finanzhilfen. Die Börsen drehen ins Minus, der Euro sinkt auf ein Zwei-Jahres-Tief. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,845845,00.html
Bald kommen die ersten Stimmen die dem Bundesverfassungsgericht die Schuld für die Entwicklung geben. Die bisherigen EURO-Rettungsmaßnahmen der Politker waren ja so erfolgreich, wie jeder weiß.
3. wen wundert das noch?
dunkirk 23.07.2012
war doch eh klar. griechenland haette man nicht einen cent geben sollen, war doch klar das die pleite gehen. wenn keiner steuern zahlen und nicht sparen will. aber gut das deutschland erstmal paar 100 milliarden steuer gelder reingeschossen hat.
4. Griechenland pleite? Ach was!
WolfThieme 23.07.2012
Im Grund trifft mit Griechenland doch nur ein, was der letzte Stammtisch schon vor Monaten abgehakt hat. Dieser Staat kann seine Kredite nicht zurück zahlen, die Milliarden der Steuerzahler sind zum Fenster hinaus, und die Poltiker haben uns mit Sprüchen beschwindelt, obwohl sie es besser wussten. Spanien, sagt der Stammtisch, wird folgen, Portugal und am Ende auch Italien. Wer hält dieses Riesenrad an? Herr Schäuble? Frau Merkel?
5. Egal
Thaeve 23.07.2012
Wenn Interessiert es eigentlich, wie die Börsen reagieren? Haben sie Aktien? Oder ich? Oder auch nur 70% der Deutschen? Das ist doch außer für eine Minderheit an Krisen-Profiteuren so interessant, als wenn ich Mumbai ein Bus achsbruch erleidet. Aber immer schön PANIK verbreiten - in wessen Interesse? Ihrem? Meinem?
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Gedränge unter dem Rettungsschirm
Griechenland
Im April 2010 beschloss der EU-Gipfel das erste Rettungspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro für drei Jahre, bestehend aus bilateralen Krediten unter Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Ein Jahr später legten die Staats- und Regierungschefs ein zweites Rettungspaket nach, an dem sich neben dem IWF auch die privaten Gläubiger mit einem Forderungsverzicht beteiligten. Das später ausgehandelte Gesamtvolumen: 172,6 Milliarden Euro (inklusive 24,4 Milliarden aus dem alten Programm) für die kommenden zwei Jahre. 30 Milliarden Euro davon gehen indes nicht an Athen, sondern zur Absicherung an die Banken. Deren Verlust aus dem Schuldenschnitt: 107 Milliarden Euro.
Irland
Dublin hatte Ende 2010 Beistand der Euro-Partner beantragt, Anfang 2011 flossen die ersten Hilfsmilliarden. Insgesamt ist das Rettungspaket 85 Milliarden Euro schwer, wobei 35 Milliarden zur Rekapitalisierung des Bankensektors vorgesehen sind und Dublin 17,5 Milliarden selbst stemmt. Die letzte Tranche von drei Milliarden Euro ist für Ende 2013 vorgesehen.
Portugal
Im Mai 2011 vereinbarten die EU-Finanzminister Hilfszahlungen in Höhe von 78 Milliarden Euro für das Land. Das über drei Jahre bereitgestellte Geld fließt zu zwei Dritteln aus dem Euro-Rettungsfonds und zu einem Drittel aus dem IWF-Budget.
Spanien
Nach langem Zögern und auf Druck seiner europäischen Partner hat Ende Juni auch die Regierung in Madrid Finanzhilfen für den heimischen Bankensektor beantragt. Den Kapitalbedarf muss ein Team aus Experten aber noch beziffern. Zwei Beratungsfirmen haben ein Volumen von maximal 52 bis 62 Milliarden Euro ermittelt, damit die Kreditinstitute bei einer Zuspitzung der Krise nicht kollabieren. Der IWF geht von mindestens 40 Milliarden Euro aus, bliebe als Geldgeber bei einer reinen Bankenrettung ohne Spardiktat indes außen vor. Grundsätzlich hatten die Euro-Finanzminister Spanien schon vor zwei Wochen bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt.
Zypern
Nur wenige Stunden nach Madrid schlüpfte auch Nikosia unter den Rettungsschirm. Wie im Falle Spaniens ist der genaue Kapitalbedarf noch offen und muss zunächst von einem Expertenteam geklärt werden. Diplomatenkreisen zufolge dürfte er sich aber deutlich unter zehn Milliarden Euro bewegen. Ähnlich wie Spanien liebäugelt auch Zypern mit einer "Bankenrettung light", um seine eng mit der krisengeschüttelten griechischen Wirtschaft verbandelten Geldhäuser zu rekapitalisieren. (dapd)


So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.

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