China Alibaba-Chef Ma will offenbar "South China Morning Post" kaufen

Jack Ma macht nun auch Zeitungen: Der Chef des chinesischen Internet-Konzerns Alibaba soll ein Angebot für die unabhängige "South China Morning Post" aus Hongkong abgegeben haben. Kritiker sehen die Pressefreiheit in Gefahr.

Webseite der "South China Morning Post": Jack Ma will offenbar kaufen
REUTERS

Webseite der "South China Morning Post": Jack Ma will offenbar kaufen


Der chinesische Internet-Riese Alibaba will offenbar die traditionsreiche Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" (SCMP) kaufen. Der Herausgeber des englischsprachigen Blattes, das bisher als unabhängiges Informationsportal über China gilt, bestätigte am Mittwoch die Absicht, auf ein vorliegendes Kaufangebot eingehen zu wollen. Dabei nannte er aber weder Alibaba noch dessen Gründer Jack Ma namentlich.

Eine mögliche Übernahme durch einen Besitzer aus der kommunistischen Volksrepublik China weckt Befürchtungen, dass die 112 Jahre alte Zeitung ihre Unabhängigkeit verlieren könnte. Das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Bloomberg hatten zuvor berichtet, Alibaba-Chef Ma wolle das Blatt kaufen. Der Alibaba-Konzern betreibt die größte Online-Handelsplattform der Welt.

Der potenzielle Käufer wolle Kontinuität, versicherte SCMP-Chef Robin Hu in einer Mitteilung. Es seien nur "minimale Störungen" des Mediengeschäfts zu erwarten. Die Überlegungen seien auch noch in einer "sehr frühen Phase". Die "South China Morning Post" solle als "unabhängiges und aufschlussreiches Blatt" weitergeführt werden.

Die Pressefreiheit gilt den sieben Millionen Hongkongern als hohes Gut. Die frühere britische Kronkolonie gehört seit 1997 als Sonderverwaltungsregion zu China, wird aber als eigenes Territorium autonom regiert. Hongkonger Medien stehen seither unter wachsendem Druck der chinesischen Regierung, die ihren Einfluss in der Hafenmetropole ausweiten will. In China ist die Presse- und Meinungsfreiheit laut der Internationalen Vereinigung der Journalisten (IFJ) in einem "beklagenswerten" Zustand.

"Ich bin sicher, dass Alibaba den Segen Pekings genießen wird, weil sich Pekings Politik gegenüber Hongkong verhärtet hat", sagte der China-Kenner und Professor Willy Lam von der Chinesischen Universität Hongkong dem "Wall Street Journal". "Sie ziehen gerade die Schrauben bei Hongkong an und wollen stärkere Kontrolle über die Medien." Vor einem Jahr hatten Hongkonger deswegen gegen diese Entwicklung und für mehr Demokratie wochenlang demonstriert - und weite Teile des Finanz- und Wirtschaftszentrums lahmgelegt.

Bisher gehört die Mehrheit der Anteile an der Zeitung der Familie des malaysischen Magnaten Robert Kuok, der auch große Geschäftsinteressen in der Volksrepublik verfolgt. In einem Interview der "Straits Times" bestritt Kuok politische Erwägungen für einen potenziellen Verkauf und betonte, es sei eine "geschäftliche Entscheidung".

Nach dem Einstieg bei der chinesischen Wirtschaftszeitung "China Business News" und der Übernahme von vier Fünfteln der großen Videoplattform Youku würde Alibaba mit der "South China Morning Post" sein Engagement bei traditionellen Medien deutlich ausweiten. Der Konzern Chart zeigen sucht nach Angaben von Experten zunehmend auch Inhalte für sein expandierendes Internet-Geschäft. Vor gut einem Monat war Alibaba-Chef und Milliardär Jack Ma auch in den Beraterstab des britischen Premierministers David Cameron berufen worden.

apr/dpa

insgesamt 2 Beiträge
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p.donhauser, 25.11.2015
1.
gleichschaltung,wir lassen dir deine mrd. dafür machst du probaganda für uns.
mustafa20 25.11.2015
2. Schon mal mit Deutschland verglichen?
"Die SPD ist nicht nur eine der reichsten Parteien der Welt, sondern auch in vielerlei Hinsicht mit der deutschen Medienlandschaft verflochten. Über die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft, eine Holding der Partei, hält die SPD Anteile an 14 Verlagshäusern und vier Druckereien. Dazu zählt nicht nur die überregionale Frankfurter Rundschau, sondern auch viele regionale Tageszeitungen und selbst kostenlose Anzeige-Werbeblättchen. Nun kann man sich endlich online über die Medienbeteiligungen der Sozialdemokraten informieren: "Viele Zeitungleser und Radiohörer gehen davon aus, dass sie sich in einem Medium informieren, das unabhängig und überparteilich berichtet. Weit gefehlt: Über ihre Medienholding >Deutsche Druck und Verlagsgesellschaft mbH< können die Sozialdemokraten Einfluss nehmen auf die Berichterstattung in über 70 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von mehr als sechs Millionen Exemplaren und etwa 12 Millionen Lesern ..."
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