Aus für South Stream Kein Anschluss unter dieser Pipeline

Mit dem Stopp des milliardenschweren Pipeline-Projekts South Stream sorgt Russland für großes Aufsehen. Wen betrifft das Aus, wie kam es dazu und ist die Absage endgültig? Antworten auf die wichtigsten Fragen.


Moskau/Berlin - Die russische Regierung sorgt derzeit regelmäßig für Schlagzeilen, doch diese Ankündigung ist ein echter Paukenschlag: Der Bau der Pipeline South Stream wird gestoppt. Kurz nachdem Präsident Wladimir Putin am Montagabend von einem vorläufigen Aus gesprochen hatte, wurde der Chef des Energiekonzerns Gazprom noch deutlicher: "Das Projekt ist vom Tisch. Das war's", sagte Alexej Miller.

Wie kam es zur Absage an das milliardenschwere Projekt, wer ist davon betroffen, und was sind die Alternativen? Der Überblick:

Wie sollte South Stream funktionieren? Die Pipeline solllte russisches Gas an der Ukraine vorbei bis nach Europa transportieren. Insgesamt verlief die geplante Strecke über 2380 Kilometer von der russischen Stadt Anapa am Schwarzen Meer bis zum italienischen Grenzort Tarvisio. Jährlich sollten auf diesem Weg 63 Milliarden Kubikmeter Gas für bis zu 38 Millionen Haushalte nach Europa transportiert werden. Die Kosten für das Vorhaben wurden auf 16 Milliarden Euro geschätzt, bislang soll Russland knapp vier Milliarden Euro investiert haben.

Wer finanzierte die Pipeline? An der Firma South Stream Transport, die ihren Sitz in den Niederlanden hat, sind Gazprom mit 50 Prozent und der teilstaatliche italienische Energieversorger Eni mit 20 Prozent beteiligt. Wintershall, eine Tochter des deutschen Chemiekonzerns BASF Chart zeigen und der mehrheitlich staatliche französische Energiekonzern EDF halten je 15 Prozent. Zudem hatte Gazprom Chart zeigen für die einzelnen Teilabschnitte in den jeweiligen Ländern Unternehmen mit nationalen Energieversorgern gegründet.

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South-Stream-Stopp: Pipeline ins Nichts
Wie wird der Stopp des Projekts begründet? Russlands Präsident Putin machte die EU für die Absage verantwortlich. "Wir sehen, dass Hindernisse errichtet werden", sagte er bei einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan.

Tatsächlich hatte die EU-Kommission die geplante Leitung deutlich kritisiert, unter anderem wegen angeblichen Verstößen gegen europäisches Recht bei der Vergabe von Bauaufträgen. Doch South Stream wurde auch zum Faustpfand in der Ukraine-Krise. So kündigte der frühere EU-Energiekommissar Günther Oettinger an, er werde die Arbeiten an South Stream verzögern.

Auf Druck aus Brüssel stoppte Bulgarien im Juni dann vorerst alle Arbeiten an dem Projekt. Ohne Unterstützung aus Sofia jedoch ließ sich South Stream nicht fortführen. Denn Herzstück der Pipeline war ein 925 Kilometer langer Abschnitt im Schwarzen Meer, der neben russischen und türkischen auch bulgarische Hoheitsgewässer durchquert hätte. Vom bulgarischen Anlandepunkt in der Hafenstadt Warna sollte eine 1455 Kilometer lange Landleitung dann durch Serbien, Ungarn und Slowenien bis nach Norditalien führen.

Allerdings ist Russland derzeit auch erheblich geschwächt, weil der Ölpreis sehr niedrig ist und die Konjunktur wegen der westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise schwächelt. Beobachter schließen nicht aus, dass dies zur Entscheidung, das Projekt zu stoppen, beigetragen hat.

Zudem hatte die Europäische Investitionsbank nur wenige Stunden vor Putins Aussagen einen Kredit über 150 Millionen Euro für die Modernisierung bestehender Pipelines in der Ukraine zugesagt. "Damit sinken die Kosten um 20 Prozent", sagte der ukrainische Regierungschef Arsenij Jazenjuk.

Was ist die Alternative? Bei seinem Treffen mit Erdogan sagte Putin der Türkei Lieferungen mit Hilfe eines Gas-Umschlagplatzes zu, an dessen Bau sich Russland beteiligen könne. Beide Länder arbeiteten an einer entsprechenden Übereinkunft. Möglich sei zudem eine Senkung des Preises für russisches Gas um sechs Prozent sowie ein Ausbau der Pipeline Blue Stream, die bereits aus Russland durchs Schwarze Meer in die Türkei führt.

Den Europäern drohte Putin zugleich mit einer Umorientierung in Energiefragen. "Russland wird seine Ressourcen in andere Regionen der Welt transportieren. Wir werden andere Märkte erschließen, und Europa wird diese Mengen nicht erhalten - jedenfalls nicht von Russland", so der Präsident.

Ist das Aus endgültig? Bislang gibt es nur die Aussagen von Putin und Miller, keinen offiziellen Beschluss. Diesen müsste der Aufsichtsrat von South Stream treffen, in dem Russland als Mehrheitseigner vertreten ist.

Im Gegensatz zu Miller hat Putin das Projekt bislang noch nicht endgültig für gescheitert erklärt, eine Meinungsänderung wäre theoretisch also möglich. Allerdings gibt es dafür bislang keine Anzeichen. "Der Präsident persönlich hat entschieden, das Projekt anzuhalten", sagte Energieminister Alexander Nowak der Agentur Tass.

dab/dpa/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 205 Beiträge
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Seite 1
sonnenfeld22 02.12.2014
1. Hat wohl Mutti so gesagt?!?!
........"Allerdings ist Russland heute erheblich geschwächt"......Ein paar Artikel weiter oben steht geschrieben, dass Putin wegen/dank/trotz des Rubelzerfalls entgegen den 3200 Rubel per Barrel (vor der Krise) nun 3600 erntet...... Im Gegensatz ist die Prawda wohl nur ein Weisenknabe.....
m.heusler 02.12.2014
2. Wir wollten doch sowieso,
auf alternative Energien umsteigen.
Ekatus Atimoss 02.12.2014
3. Sie werden sich immer ähnlicher...
..in ihrem Imponiergehabe, die Putins, Erdogans und Kims dieser Welt. Letztendlich kann Russland, oder besser, Putin, mit den 50% an South Stream die restlichen Eigner nach Belieben vorführen.
Pegu 02.12.2014
4. Welch Ironie
Welch Ironie, dass gerade ein NATO-Land sich zu einem der wichtigsten Handelspartner für Russland entwickelt. Brüssel soll mal die Augen aufmachen, wie die EU über den Tisch gezogen wird!
hachon 02.12.2014
5. Gut so!
Gut so! Ein Stück Abhängigkeit abgewendet. Komisch nur, dass dieser Schritt nicht von unserer Seite getan wurde. Ich brauche und ich will KEIN Putin-Gas!!!
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