San Francisco - Kurz vor dem Börsengang stößt Facebook an die Grenzen seines Wachstums. Zum ersten Mal seit mindestens zwei Jahren musste das weltgrößte soziale Netzwerk einen Umsatzrückgang von einem Quartal zum nächsten hinnehmen. Facebook verteidigte die Erlösdelle damit, dass Anfang des Jahres die Werbeerlöse traditionell geringer ausfielen.
Klar ist, dass die Zahlen keineswegs schlecht sind. Facebook verbuchte in den ersten drei Monaten 2012 immer noch einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar und hat mittlerweile mehr als 900 Millionen Nutzer. Dennoch sorgte das Quartalsergebnis bei Analysten für Unruhe. "Die Verlangsamung ist deutlicher, als wir sie uns vorgestellt haben", sagte Brian Wieser von der Pivotal Research Group. Facebook werde als ein Unternehmen wahrgenommen, das in hohem Tempo zulege. Deshalb bereite jede Wachstumsschwäche den Investoren Sorge - "egal ob in Folge oder jährlich".
Facebook dürfte es schwer haben, vor dem Börsengang die hohen Erwartungen zu erfüllen, sagte Investmentstratege Jeff Sica. Das Unternehmen will vermutlich im Mai an die New Yorker Technologiebörse Nasdaq gehen. Der größte Börsengang eines Internetunternehmens aller Zeiten dürfte Facebook mindestens fünf Milliarden Dollar bringen. Das Unternehmen könnte mit bis zu hundert Milliarden Dollar bewertet werden.
Schwäche in Schwellenländern
Allerdings blickt die Wall Street nach anfänglicher Begeisterung inzwischen deutlich kritischer auf das 2004 von Mark Zuckerberg gegründete Netzwerk - nicht zuletzt wegen Zweifeln, ob das Turbo-Wachstum ewig weitergeht und ob es sich in entsprechenden Gewinnen niederschlägt. Verglichen mit dem Vorquartal ging der Umsatz im ersten Vierteljahr 2012 um sechs Prozent zurück. Die erzielten 1,06 Milliarden Dollar entsprechen aber einem Plus von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn sank auf Jahressicht um zwölf Prozent auf 205 Millionen Dollar.
Gerade auf Wachstumsmärkten wie Brasilien und Indien hat Facebook Analysten zufolge Schwierigkeiten, aus seinen Diensten Gewinn zu ziehen. "Sie haben die internationalen Märkte noch nicht geknackt, während andere wie Google im Ausland sehr erfolgreich sind", sagte Anupam Palit von GreenCrest Capital. Auch die saisonalen Schwankungen der Werbung scheint Google weniger zu spüren: Der Suchmaschinenbetreiber erhöhte seinen Umsatz im ersten Quartal auch im Vergleich zum Vierteljahr davor leicht.
Zusätzlich kostet der Patentkrieg viel Geld. Am Montag kündigte Facebook an, Microsoft für 550 Millionen Dollar Hunderte Patente abzukaufen. Auf der Suche nach neuen Wachstumsmöglichkeiten und Einnahmequellen außerhalb des Werbegeschäfts rückt Facebook nun den Online-Handel stärker ins Blickfeld. Einige Investoren setzen bereits seit längerem darauf, dass Facebook zu einer Internet-Handelsgröße wie Amazon oder Ebay aufsteigen kann.
cte/Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Facebook | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH