Soziales Netzwerk Facebook soll Mega-Börsengang planen

Die Anzeichen für einen Börsengang von Facebook verdichten sich: Laut "Wall Street Journal" könnte das soziale Netzwerk im Frühjahr kommenden Jahres versuchen, am Aktienmarkt zehn Milliarden Dollar einzunehmen. Es wäre einer der größten Börsengänge überhaupt.

Facebook-Gründer Zuckerberg: Eigenen Börsenprospekt geplant
AFP

Facebook-Gründer Zuckerberg: Eigenen Börsenprospekt geplant


New York - 800 Millionen Menschen nutzen mittlerweile Facebook, das soziale Netzwerk ist mit großem Abstand Marktführer. Diese komfortable Position will Unternehmenschef Mark Zuckerberg offenbar bald für einen Börsengang gewaltigen Ausmaßes nutzen. Dem "Wall Street Journal" ("WSJ") zufolge erwägt Facebook einen Börsengang zwischen April und Juni 2012. Bei diesem würden eine Bewertung des Unternehmens mit 100 Milliarden Dollar und Einnahmen von zehn Milliarden angestrebt.

Das wäre einer der größten Börsengänge überhaupt. Laut "WSJ" gab es bislang weltweit nur 13 Firmen, die zu ihrem Start am Aktienmarkt mit mehr als zehn Milliarden Dollar bewertet wurden. Dazu gehörten die Kreditkartenfirma Visa (19,7 Milliarden), der Autohersteller General Motors Chart zeigen (18,1 Milliarden) und die Telekommunikationsfirma AT&T (10,6 Milliarden). Der bislang größte Börsengang gelang der Industrial & Commercial Bank of China, die Aktien für 21,9 Milliarden verkaufte. Zum Vergleich: Der Suchmaschinenbetreiber Google Chart zeigen nahm "nur" rund 1,9 Milliarden Dollar ein.

Facebook muss nach US-Vorschriften wohl ab April 2012 seine Geschäftszahlen offenlegen, da das Unternehmen in diesem Jahr mit ziemlicher Sicherheit die Marke von 500 Anteilseignern überschritten haben wird. Deshalb wird ein Börsengang schon länger erwartet. Zuckerberg habe aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen, berichtet das "WSJ" unter Berufung auf mit dem Vorhaben vertraute Kreise. Facebook-Sprecher Larry Yu sagte der Nachrichtenagentur AFP, das Unternehmen beteilige sich an keinen Spekulationen.

Dem Bericht zufolge will Facebook den Börsengang möglichst selbständig gestalten. So habe das Unternehmen sogar einen eigenen Prospekt entworfen. Normalerweise wird diese Sammlung von Informationen zum Börsengang von Bankern und Rechtsanwälten zusammengestellt.

Ungünstiges Umfeld für Börsengänge

Trotz Kritik von Datenschützern und Politikern am Umgang mit Nutzerinformationen wächst das Unternehmen im kalifornischen Palo Alto immer schneller. Der Umsatz dürfte zum Börsengang die Marke von vier Milliarden Dollar erreichen, schreibt das "Wall Street Journal". Über den Wert von Facebook wird seit langem spekuliert. Allein seit Jahresbeginn schnellten die Schätzungen von 50 auf 100 Milliarden hoch.

Das Klima für Börsengänge ist im Moment angesichts der schwachen US-Konjunktur und der Turbulenzen in Europa allerdings nicht besonders gut. Auch zeigt die Entwicklung um die Schnäppchen-Website Groupon gerade, wie der als Triumph gefeierter Börsengang eines Internetunternehmens für viele Investoren zu einem miesen Geschäft werden kann.

Die Aktie des Rabattgutschein-Spezialisten ist seit gut einer Woche auf Talfahrt. Am Montag verlor sie weitere neun Prozent auf 15,24 Dollar und notiert damit deutlich unter dem Ausgabepreis von 20 Dollar. Erst Anfang November war Groupon trotz aller vorherigen Zweifel am Geschäftsmodell mit einem Kurssprung von zeitweise 50 Prozent an der Börse gestartet.

dab/dpa/AFP

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