Sozialplan Opel besiegelt Rückzug aus Antwerpen

Das Ende des Opel-Werks in Antwerpen ist besiegelt. Die rund 2600 Mitarbeiter an dem belgischen Standort stimmten dem Sozialplan zu. Sollte in den kommenden Monaten kein Investor gefunden werden, müssen alle Beschäftigten bis Ende des Jahres gehen.

Opel-Werk in Antwerpen: Abfindungen bis zu 144.000 Euro
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Opel-Werk in Antwerpen: Abfindungen bis zu 144.000 Euro


Brüssel - Das belgische Opel-Kapitel ist zu Ende. Die Mitarbeiter im Werk Antwerpen stimmten dem damit verbundenen Sozialplan mit großer Mehrheit zu. "Es wird erwartet, dass in einer ersten Phase eine erhebliche Anzahl Mitarbeiter das Angebot annehmen und spätestens bis Ende Juni das Unternehmen verlassen", erklärte die Geschäftsleitung in der Rüsselsheimer Opel-Zentrale am Dienstag.

Die Vereinbarung zwischen Management und europäischem Betriebsrat sieht vor, dass fast die Hälfte der 2560 Beschäftigten in der ersten Runde geht. Die restlichen Arbeitnehmer werden wahrscheinlich zum Jahresende ausscheiden - sollte sich bis dahin kein Investor für das Werk finden.

Der Opel-Mutterkonzern General Motors hatte im Januar angekündigt, das Werk in Antwerpen aufgeben zu wollen. Betriebsräte und Gewerkschaften hatten unter großer öffentlichen Anteilnahme gegen die Schließung protestiert. Sie warfen Firmen-Chef Nick Reilly vor, das Aus einseitig beschlossen zu haben. So dauerte es lange, bis ein Sozialplan gefunden wurde.

Der mittlerweile vereinbarte Sozialplan sieht Frühpensionierungen und Abfindungen vor, die sich auf bis zu 144.000 Euro belaufen können. Zudem erhält jeder ausscheidende Mitarbeiter eine Einmalzahlung von 2295 Euro.

Teile des Astra sollen in diesem Jahr noch in Belgien gebaut werden

"Wir haben uns geeinigt, das Werk schlank und interessant für Investoren zu machen. Das ist ein Kompromiss", sagte Gesamtbetriebsratchef Klaus Franz. Jetzt habe die Investorensuche oberste Priorität: "Dieses Ergebnis bietet eine Perspektive für Antwerpen, für die wir lange gekämpft haben." Zwar stehen mögliche Investoren noch nicht Schlange. Aber es gebe Interessenten, auch aus der Automobilbranche, sagte Franz. Dabei müsse es sich nicht nur um Europäer handeln.

Der Betriebsrat hofft für die belgischen Kollegen, dass das Werk von einem Bieter aus der Autoindustrie übernommen wird. Daher hätten sich die Arbeitnehmervertreter auch für eine Brückenlösung eingesetzt, die für Investoren interessant sein könnte: Sie haben sich mit dem Management auf Produktionszusagen geeinigt, derzufolge in dem Werk im Auftrag von GM das Astra Cabriolet und der aktuelle Astra-Dreitürer gefertigt werden können. Auch eine eventuelle neue Generation des Astra Cabrio könnte in Belgien gebaut werden.

Die Produktion des Dreitürers sollte bislang nach Bochum verlagert werden. Stattdessen würden die polnischen Kollegen die Zafira-Fertigung an den Standort in Nordrhein-Westfalen abtreten.

GM will mit der Schließung Überkapazitäten bei der angeschlagenen Tochter abbauen. "Diese Lösung ist ein Meilenstein in unserem Bestreben, Opel für eine erfolgreiche Zukunft aufzustellen", begrüßte Reilly die Zustimmung zum Sozialplan. Europaweit sollen mehr als 8000 von 48.000 Opel-Stellen abgebaut und die Kapazität um 20 Prozent reduziert werden. Rund 4000 Stellen sollen in Deutschland wegfallen.

yes/dpa/AFP



Forum - Staatshilfen für Opel?
insgesamt 305 Beiträge
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cartman0815 09.02.2010
1.
Klare Antwort, NEIN. Sollen sie doch den Laden dicht machen.
BeckerC1972, 09.02.2010
2.
Zitat von cartman0815Klare Antwort, NEIN. Sollen sie doch den Laden dicht machen.
Sehe ich genauso. Schade für die Opelaner, aber es gibt ja dann halt eine höhere Nachfrage bei anderen Anbietern und damit dann halt dort Jobs.
festuca 09.02.2010
3. Gebt die Kohle den Rüsselsheimern Opelanern !
Macht bei 1,5 Milliarden und 3200 wegfallenden Jobs fast eine halbe Million pro Nase, sollte für einen geruhsamen Lebensabend oder eine Existenzgründung reichen. GM würde das Geld ohnehin verbrennen oder davon ein neues Werk in China bauen.
sosonaja 09.02.2010
4.
Macht doch endlich dieses Faß ohne Boden zu. Mit dem Geld kann man viele wettbewerbsfähigere Unternehmen unterstützen.
Melwach 09.02.2010
5.
Lokal ist der Verlust so vieler Arbeitsplätze eine kleinere Katastrophe, aber man muss sich schon fragen wie lange, wie oft und mit welchen Beträgen denn ein Staat die Misswirtschaft von Unternehmen ausgleichen darf und sollte. Moralisch ist es eh schon kaum zu rechtfertigen, dass gewisse Branchen Millardensummen bekommen und sich um den Rest wenig bis gar nicht gekümmert wird. Gleiches Recht für alle, und irgendwann sollten die lebenserhaltenden Maßnahmen auch mal eingestellt und der Patient zu Grabe getragen werden.
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