Sozialstaat 60 Prozent der Deutschen finden Hartz-IV-Sätze zu niedrig

359 Euro bekommt ein erwachsener Hartz-IV-Empfänger im Monat - die Mehrheit der Bundesbürger hält das für zu wenig: Laut einer Umfrage würden 61 Prozent der Deutschen höhere Sätze goutieren - drei Viertel sagen, der Bedarf eines Kindes sei genauso hoch wie der eines Erwachsenen.

Hartz-IV-Demo (Januar 2010): 359 Euro im Monat
DPA

Hartz-IV-Demo (Januar 2010): 359 Euro im Monat


Hamburg - Wie gerecht ist Hartz IV? Über diese Frage gibt es immer wieder heftige Diskussionen. 359 Euro Arbeitslosengeld II erhält ein Erwachsener derzeit. Seine Kinder bekommen noch deutlich weniger - bis zum Alter von sechs Jahren 215 Euro, danach 251 Euro, ab dem 14. Geburtstag 287 Euro im Monat.

Viele Deutsche halten diese Sätze für zu niedrig. Einer Umfrage des "Stern" zufolge erklärten 61 Prozent der Befragten, die Hartz-IV-Sätze reichten nicht aus. 30 Prozent sagten, die Sätze für Empfänger des Arbeitslosengeldes II seien angemessen. Nur vier Prozent schätzten sie als zu hoch ein. 73 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass der Bedarf eines Kindes genauso hoch oder sogar höher sei als der eines Erwachsenen.

Anlass der Umfrage ist das mit Spannung erwartete Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts, das am kommenden Dienstag über die Höhe der Hartz-IV-Sätze entscheidet. Das oberste Gericht prüft, ob die Methode zur Ermittlung der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder zulässig ist. Bisher wird der Kinderregelsatz vom Erwachsenensatz abgeleitet. Kinder erhalten einfach prozentual weniger Geld als ihre arbeitslosen Eltern.

Das Gericht prüft, ob die Hartz-IV-Regelsätze, die aktuell für rund 1,7 Millionen Kinder unter 14 Jahren gelten, auf verfassungskonforme Weise berechnet worden sind, ob sie ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen.

Der "Stern" wollte von den Deutschen zudem wissen, was aus ihrer Sicht zum Existenzminimum gehört und daher im Hartz-IV-Regelsatz enthalten sein sollte. Ganz vorne liegt die Klassenreise für Schulkinder: Für 90 Prozent der Bürger gehört sie zum Existenzminimum. 74 Prozent nannten Sportausrüstung und Vereinsbeiträge für die Kinder. An dritter Stelle liegt mit 70 Prozent Nennungen ein monatlicher Familienbesuch in Kino, Zoo oder Museum. Ein Fahrrad für jedes Kind sollte nach Meinung von 68 Prozent der Befragten im Regelsatz enthalten sein. Für 55 Prozent gehört auch die Tageszeitung zum Existenzminimum.

Auf den weiteren Plätzen folgen ein Musikinstrument - und Unterricht für jedes Kind (49 Prozent), ein eigener Computer (46 Prozent), ein eigenes Zimmer für jedes Kind (44 Prozent) und eine alljährliche Reise (42 Prozent). Nur noch 36 Prozent sind dafür, dass auch die Gebühren fürs Kabelfernsehen übernommen werden sollten, 33 Prozent für die Finanzierung des Autos. Auf den letzten Plätzen liegen die Unterhaltskosten für Haustiere (25 Prozent), der wöchentliche Kneipenbesuch (23 Prozent), Handy (20 Prozent) und Zigaretten (5 Prozent).

ssu



Forum - Wie umgehen mit der Armut in Deutschland?
insgesamt 1449 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kryptiker51, 18.01.2010
1.
Zitat von sysopJeder fünfte Einwohner Berlins bekommt staatliche Unterstützung - in Bayern nur jeder Zwanzigste: Einer Studie zufolge ist die Gefahr des sozialen Abstiegs nirgends so groß wie in der deutschen Hauptstadt. Wie umgehen mit der Armut in Deutschland?
The same procedure as every year: ignorieren, statistisch beschönigen, die Armen dafür verantwortlich machen und beschimpfen als Sündenböcke der Gesellschaft.
Galaxia, 18.01.2010
2.
Zitat von sysopJeder fünfte Einwohner Berlins bekommt staatliche Unterstützung - in Bayern nur jeder Zwanzigste: Einer Studie zufolge ist die Gefahr des sozialen Abstiegs nirgends so groß wie in der deutschen Hauptstadt. Wie umgehen mit der Armut in Deutschland?
Die Regierung zB. lächelt so etwas, einfach weg.
masc672 18.01.2010
3.
Zitat von sysopJeder fünfte Einwohner Berlins bekommt staatliche Unterstützung - in Bayern nur jeder Zwanzigste: Einer Studie zufolge ist die Gefahr des sozialen Abstiegs nirgends so groß wie in der deutschen Hauptstadt. Wie umgehen mit der Armut in Deutschland?
Mal überlegen. In Berlin regieren die Gutmenschen. Und speziell bei einer Partei wird das arbeiten verhöhnt, weil das unter der Würde des Menschen ist. Also deshalb wundert es mich nicht. Bitte nicht aufregen. Ist viel Ironie mit dabei.
fsiggi2 18.01.2010
4. Kurzarbeit?
Insgesamt mehr als eine Million Einwohner bekommen staatliche Unterstützung durch Kurarbeit, und zwar deutlich mehr im Süden als im Norden und Osten. Die Studie verzerrt daher die Realität signifikant und ist deshalb methodisch falsch und schlicht unbrauchbar.
Zazaz 18.01.2010
5. Fazit
Man kann der Liste auf den ersten Blick einen Trend entnehmen: Je linker die Landespolitik, desto arm.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.