Branche in Not Spaniens Banken leihen sich Rekordsumme bei der EZB

Bedenkliches Signal von den spanischen Banken: Ihre Ausleihungen bei der EZB haben sich gegenüber dem Vormonat nahezu verdoppelt. Auch ein Gewinneinbruch des Instituts Banesto deutet auf eine Verschärfung der Lage hin.

Notrufsäule vor der EZB-Zentrale: 227 Milliarden aus Frankfurt
DPA

Notrufsäule vor der EZB-Zentrale: 227 Milliarden aus Frankfurt


Frankfurt - Wie schlecht geht es Spaniens Banken? Das gehört zu den bangen Fragen, seitdem das Land wieder verstärkt ins Visier der Finanzmärkte gerückt ist. Neue Zahlen zeigen nun, dass die Institute weiterhin in massiven Geldnöten stecken.

Demnach sind die Ausleihungen der spanischen Institute beim Euro-System der Europäischen Zentralbank (EZB) im März von 152,4 auf 227,6 Milliarden Euro gestiegen und haben damit einen Rekord erreicht. Das geht aus Angaben hervor, welche die spanische Nationalbank am Freitag auf ihrer Internetseite veröffentlichte.

Im März machten die Ausleihungen der spanischen Banken den Löwenanteil der verliehenen Netto-Summe von 361,7 Milliarden Euro aus. In den Daten sind auch Mittel aus dem zweiten Milliardenkredit enthalten, mit dem die EZB im Februar versuchte, die Banken im Euro-Raum zu stabilisieren.

Damals sicherten sich die Finanzhäuser rund eine halbe Billion Euro bei der Zentralbank. Den jetzt veröffentlichten Zahlen zufolge war die Nachfrage aus Spanien bei diesem Refinanzierungsgeschäft zwar wie erwartet sehr hoch. Wie viele Banken sich jedoch Geld bei der EZB besorgt haben, das sie tatsächlich brauchen, und wie viele nur die Gelegenheit des günstigen Zinses nutzten, ist unklar.

Drastischer Gewinneinbruch bei Banesto-Bank

Auch die Ergebnisse fürs erste Quartal dürften in der spanischen Bankenbranche düster ausfallen. Darauf deuten Zahlen der Bank Banesto hin, die am Donnerstag als erstes Institut ihre Bilanz veröffentlichte. Demnach brach der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 88 Prozent auf noch 20 Millionen Euro ein. Die Bank begründete die Entwicklung vor allem mit hohen Rückstellungen für faule Immobilienkredite. Die Reserven müssen Spaniens Banken auf Betreiben der neuen Regierung bilden.

Der Staat hatte die Institute unlängst aufgefordert, ihre Kapitalbasis zu stärken. Viele der iberischen Geldhäuser leiden unter den Folgen der in den vergangenen Jahren geplatzten Immobilienblase. Fachleute schließen inzwischen nicht mehr aus, dass Spanien demnächst beim Euro-Rettungsfonds EFSF um Unterstützung für seine maroden Banken bittet. Das kann nach den Regeln für den EFSF dann geschehen, wenn sich der Staat selbst nicht mehr in der Lage sieht, die Institute am Leben zu erhalten.

dab/dpa/Reuters



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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
babsi100 13.04.2012
1. Ohne Worte
Jetzt ist es so weit jede Bank deckt sich erst mal von der EZB mit Geld ein und die Deutschen schuften damit es allen Banken gut geht, bin froh in Deutschland zu leben, da kann man doch so richtig helfen für den Reichtum der Anderen.
JohnBlank, 13.04.2012
2. Wir retten wieder Pleitebanken nach 2008, toll
Zitat von sysopDPABedenkliches Signal von den spanischen Banken: Ihre Ausleihungen bei der EZB haben sich gegenüber dem Vormonat nahezu verdoppelt. Auch ein Gewinneinbruch des Instituts Banesto deutet auf eine Verschärfung der Lage hin. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,827403,00.html
CDU, SPD, Grüne und FDP haben 2008 uns allen versprochen, nie wieder Pleitebanken retten zu wollen. Und jetzt das, dank des Euros wird nichts mehr gehalten, am Euro gibt es aktuell nichts ehrliches mehr. Der Euro ist so toll und jetzt zerstören ihn CDU, SPD und Grüne gemeinsam und sorgen dafür, dass wir Nordländer die Schulden der anderen übernehmen müssen. Die politische Elite begeht konsquent einen massiven, anti-demokratischen Rechtsbruch mit uns Bürgern. Gott, wie ich mich freue in wenigen Wochen die Piraten wählen zu können.
Altesocke 13.04.2012
3.
News? Wer hat's nicht erwartet, abgesehen von Politik und vielen Medien, natuerlich?
muellerthomas 13.04.2012
4.
Die Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken ist wesentliche Aufgabe der Zentralbank und solange die Geschäftsbanken über zentralbankfähige Sicherheiten verfügen, ist dagegen nichts zu sagen.
avolk11 13.04.2012
5. Wir müssen raus
...aus dem Euro. Seit die Peripherieländer die EZB gekapert haben, haben wir keine Mitbestimmunsgrechte mehr in dem Verein.
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