Madrid - Die spanischen Banken sind derzeit die größten Problemfälle in der Euro-Krise. Die Institute haben einen hohen Kapitalbedarf. Nun dürfte es noch schwieriger für sie werden, Geld von Investoren zu bekommen. Denn die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat die Noten für zahlreiche spanische Banken gesenkt.
Eine Überraschung ist dieser Schritt nicht. Bereits in der vergangenen Woche hatte S&P Spanien herabgestuft. Das hochverschuldete Land hat mit der Bewertung "BBB+" bei S&P nur noch eine befriedigende Kreditwürdigkeit. Die nun erfolgte Abstufung der Finanzinstitute sei eine Folge der skeptischeren Bewertung Spaniens, teilte S&P am Montag in Madrid mit.
Die Bonitätsnoten für die beiden Großbanken BBVA
und Santander
wurden wie für das Land Spanien selbst um zwei Stufen reduziert. Santanders langfristige Schulden werden jetzt mit der Note "A-" und damit etwas besser als die Verbindlichkeiten Spaniens eingestuft. BBVA habe jetzt mit "BBB+" die gleiche Bewertung wie Spanien.
Die spanischen Banken leiden unter dem Zusammenbruch des heimischen Immobilienmarkts. Die Finanzbranche in Spanien ist geprägt von den beiden Großbanken BBVA und Santander sowie zahlreichen kleineren Instituten, die größtenteils regional tätig sind. Zudem hat das Land einen großen Sparkassensektor. Von den vielen Sparkassen mussten in der Schuldenkrise bereits einige Institute vom Staat gerettet werden. Der gesamte Bereich soll größtenteils neu sortiert werden.
Spanien rutscht in Rezession
Laut "Financial Times" diskutiert die spanische Regierung die Gründung einer Zweckgesellschaft zur Auslagerung von Schrottpapieren des heimischen Finanzsektors. Ziel sei es vor allem, die Bankbilanzen von faulen Immobilienkrediten zu befreien. Laut "FT" will die Regierung mit diesem Plan verhindern, dass das Land unter den Rettungsschirm muss.
Es gab auch Meldungen, wonach der Euro-Rettungsfonds die Option für Bankhilfen prüfe - bislang ein Tabu. Doch Berichten zufolge suchen die Europäische Zentralbank (EZB) und die Gruppe der Euro-Länder nach Strategien, wie Institute direkt an Mittel des permanenten Rettungsschirms ESM kommen können. Damit solle vermieden werden, dass ein ganzes Land den Fonds anzapfen muss, obwohl nur den Banken geholfen werden muss.
Spanien steckt in einer Wirtschaftskrise und ist im ersten Quartal 2012 in die Rezession gerutscht. In der viertgrößten Euro-Wirtschaft sank die Wirtschaftsleistung in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um 0,3 Prozent, wie das spanische Statistikamt am Montag mitteilte. Im Schlussquartal 2011 war die spanische Wirtschaft ebenfalls um 0,3 Prozent geschrumpft. Damit ist die gängige Definition für eine Rezession - zwei Quartale mit negativen Wachstumsraten in Folge - erfüllt.
mmq/dpa
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