Faule Kredite Spanien rettet Bankia mit neun Milliarden Euro

Spaniens kriselnde Groß-Sparkasse erhält eine neue Finanzspritze: Die Bankia erhält rund neun Milliarden Euro. Nach Angaben der Regierung ist die Rettungsaktion ein Einzelfall. Experten rechnen mit weiteren Hilfen für den Finanzsektor von bis zu 76 Milliarden Euro.


Madrid - Die Rettung der verstaatlichten Groß-Sparkasse Bankia kostet das hochverschuldete Spanien mindestens neun Milliarden Euro. Das Institut ermittle derzeit den genauen Finanzbedarf, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos. Die Regierung werde diesen voll decken.

Spanien, der viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone, droht vor allem wegen der gravierenden Probleme der Banken immer tiefer in den Strudel der Schuldenkrise zu geraten und diese dramatisch zu eskalieren. Die Verluste bei Bankia sind ein wichtiger Grund für die Sorge der Finanzmärkte, dass die Bankenprobleme die Regierung dazu zwingen könnten, Finanzhilfe bei der EU zu beantragen.

Der Bedarf von neun Milliarden Euro setze sich zusammen aus 7,1 Milliarden Euro für zusätzliche Abschreibung im Zuge der Bankenreformen in Spanien sowie 1,9 Milliarden Euro Kapitalpuffer zur Erfüllung europäischer Vorgaben, erklärte de Guindos.

Die Probleme von Bankia sind nach seinen Angaben ein Einzelfall und nicht typisch für den Bankensektor des Landes, was viele Experten allerdings bezweifeln. Die Geldinstitute des Landes brauchen nach Einschätzung des Internationalen Bankenverbandes weitere 76 Milliarden Euro, um ihre Finanzlöcher zu stopfen. Die US-Rating-Agentur Moody's stufte kürzlich die Kreditwürdigkeit von 16 Instituten herab.

Sorge um Finanzsektor

Bankia wurde Anfang des Monats in einer Nacht- und Nebel-Aktion teilweise verstaatlicht, weil das Institut die riesigen Verluste aus dem spanischen Immobilien-Crash nicht mehr schultern konnte. Bankia war erst vor zwei Jahren auf staatlichen Druck aus der Fusion schwächelnder Sparkassen entstanden.

Finanzexperten zeigten sich unbeeindruckt von der Bekanntgabe der Geldspritze für Bankia. "Wieviel Geld Bankia jetzt genau erhält macht keinen großen Unterschied", erklärte Martin van Vliet von ING. "Die entscheidende Frage ist inzwischen, ob alle Teile des spanischen Bankensektors langfristig solvent bleiben und wie sich die Ausfälle von Immobilienkrediten entwickeln. Diese Sorgen werden nicht angegangen."

Spanien leidet schwer unter den Nachwehen einer vor vier Jahren geplatzten Immobilienblase, die dem Land inzwischen eine Rezession und eine rekordhohe Arbeitslosigkeit eingebrockt haben. Spaniens Finanzhäuser werden dadurch immer mehr zur Gefahr für die Euro-Zone. Die OECD rät, den europäischen Rettungsfonds ESM anzuzapfen, um den spanischen Bankensektor zu stützen. Spaniens Regierung lehnt dies ab.

ssu/Reuters

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
B.Lebowski 24.05.2012
1.
Zitat von sysopSpaniens kriselnde Groß-Sparkasse erhält eine neue Finanzspritze: Die Bankia erhält rund neun Milliarden Euro. Nach Angaben der Regierung ist die Rettungsaktion ein Einzelfall. Experten rechnen mit weiteren Hilfen für den Finanzsektor von bis zu 76 Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,834853,00.html
Hatten wir nicht grad letztens die Diskussion darüber, dass EU-Gelder nicht für die Bankenrettung eingesetzt werden dürfen ? Nun läuft es umgekehrt. Der Staat bringt sich durch die Rettungsversuche selbst in Nöte und beantragt hinterher die Gelder bei der EU. Clever gemacht Spanien!
Dan22 24.05.2012
2. Abzocke
Den Banken wieder Geld geben......? Wir haben doch schon mehrfach gesehen daß das nichts bringt. Die wetten wieder auf den Zins und die Kohle ist weg. In ein paar Monaten brauchen die wieder frisches Geld. Kredite für den Mittelstand geben die auch nicht.
deus-Lo-vult 24.05.2012
3. ...
Zitat von sysopSpaniens kriselnde Groß-Sparkasse erhält eine neue Finanzspritze: Die Bankia erhält rund neun Milliarden Euro. Nach Angaben der Regierung ist die Rettungsaktion ein Einzelfall. Experten rechnen mit weiteren Hilfen für den Finanzsektor von bis zu 76 Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,834853,00.html
Wo hat Spanien denn plötzlich die 9 Milliarden her? Die hoffen wohl auf Eurobonds und dass der Rest die Schulden mitträgt?
Gebetsmühle 24.05.2012
4. auch spanien
Zitat von sysopSpaniens kriselnde Groß-Sparkasse erhält eine neue Finanzspritze: Die Bankia erhält rund neun Milliarden Euro. Nach Angaben der Regierung ist die Rettungsaktion ein Einzelfall. Experten rechnen mit weiteren Hilfen für den Finanzsektor von bis zu 76 Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,834853,00.html
hat sich also entschlossen, den kapitalismus abzumschaffen und den kommunismus wieder einzumführen. das verschenken von steuergeldern an private banken ist im kapitalismus weder notwendig, noch erlaubt. die frage ist eigentlcih nur noch: woher hat spanien eigentlich noch das geld um diese pleitebank zum unterstützen? und wieviele steuern zahlt das management der bank?
reinerotto 24.05.2012
5. Wo ist das Problem ?
Lt. Artikel ist die span. Bank verstaatlicht worden. Und wenn nun staatliches Geld in die Bank investiert wird, ist das (evtl.) OK. Wurde in den USA ja auch gemacht. In D allerdings wurde so eine strauchelnde, aber sanierungsfähige Bank wie die Commerzbank nicht verstaatlicht. Und billiges, staatliches Geld nur in Form einer Beteiligung zugeführt. Damit bleibt der größere Teil eines Sanierungserfolgs privat.
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