JP-Morgan-Skandal Spanien verweigert USA Auslieferung von Ex-Banker

Die spanische Justiz hat ein Auslieferungsgesuch der USA für einen früheren Manager der US-Großbank JP Morgan Chase abgelehnt. Der Banker soll an einem milliardenschweren Spekulationsverlust des Geldhauses beteiligt gewesen sein.

JP-Morgan-Zentrale in New York: Ex-Manager bleibt in Spanien
REUTERS

JP-Morgan-Zentrale in New York: Ex-Manager bleibt in Spanien


Er soll in den milliardenschweren Handelsskandal um den "Wal von London" verwickelt sein, ein aufsehenerregender Spekulationskrimi. Die USA suchen den Ex-Manager der Großbank JP Morgan Chase seit 2013 wegen Betrugs und Steuerkriminalität per internationalem Haftbefehl. Jetzt hat die spanische Justiz ein Auslieferungsgesuch der USA für den Mann abgelehnt.

Der Nationale Gerichtshof in Madrid begründete die Entscheidung am Donnerstag damit, dass der von den USA mit einem internationalen Haftbefehl gesuchte Banker spanischer Staatsbürger sei. Außerdem habe der Mann die ihm zur Last gelegten Straftaten nicht in den USA begangen, sondern in Großbritannien.

Der Manager steht in den USA im Verdacht, als früherer Mitarbeiter von JP Morgan Chase in London zusammen mit einem Kollegen Verluste von Finanzwetten in Höhe von sechs Milliarden US-Dollar verheimlicht zu haben. Die Banker sollen für das Geldhaus große Mengen versicherungsähnlicher Produkte wie Kreditausfallversicherungen (CDS) gekauft und weiterverkauft haben. Offenbar im falschen Moment: Sie spekulierten auf sinkende Preise, dann gingen sie nach oben. Die US-Justiz legt dem Spanier und einem aus Frankreich stammenden Kollegen Urkundenfälschung und Betrug an den Anteilseignern der Bank zur Last.

In der Folge des Skandals hatten die Investment-Chefin die Bank verlassen und Institutschef Jamie Dimon einen Großteil seines Gehalts eingebüßt.

Der Banker hatte sich im August 2013 in Spanien auf einer Polizeiwache selbst gestellt, nachdem die Behörden mit ihm Kontakt aufgenommen hatten, später wurde er unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Das Gericht wies die US-Behörden auf die Möglichkeit hin, den Mann vor der spanischen Justiz zur Rechenschaft zu ziehen.

nck/dpa

insgesamt 3 Beiträge
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tatwort 23.04.2015
1. Yup
So sehr ich die Strafverfolgung verantwortlicher Banker begrüsse, so froh bin ich darüber, dass endlich mal ein europäischer Staat nicht der US-Justiz in den Hintern kriecht.
nolabel 23.04.2015
2. Si, die spanische Justiz
ist über jeden Zweifel erhaben. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus...
Banause_1971 27.04.2015
3. Einerseits verständlich,
dass die USA den Verantwortlichen die Hölle heiß macht (in Deutschland passiert das ja nicht, egal wie schwer der Schaden für den Steuerzahler auch ist), andererseits gefällt mir der Gedanke, dass die USA nicht auf Zuruf alles bekommen, was sie sich wünschen. Trotzdem gehören die Zocker an den Pranger und bestraft!
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