Spanische Bankenkrise Justiz ermittelt gegen Ex-Bankia-Chef Rato

Ex-IWF-Chef Rodrigo Rato ist für viele Spanier das Gesicht der Bankenkrise. Nun muss er sich wegen seiner Rolle beim Finanzkonzern Bankia verantworten. Die Behörden ermitteln gegen Rato und zahlreiche weitere Bankia-Manager.

Protest gegen Rodrigo Rato in Madrid: "Massiver Betrug" an Kleinanlegern?
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Protest gegen Rodrigo Rato in Madrid: "Massiver Betrug" an Kleinanlegern?


Madrid - Die Misere der spanischen Großbank Bankia wird zum Fall für die Justiz. Der Nationale Gerichtshof ließ am Mittwoch Klagegesuche gegen den Ex-Bankia-Chef Rodrigo Rato und 32 weitere Ex-Mitglieder des Verwaltungsrats von Bankia zu.

Wie kein anderer Manager steht Rato, ehemaliger Generaldirektor des Weltwährungsfonds (TIWF<), für die Krise der spanischen Banken. Er leitete Bankia von Januar 2010 bis Mai 2012 und brachte den Zusammenschluss verschiedener angeschlagener Sparkassen an die Börse.

Diesen Börsengang betrachten die Kläger als "massiven Betrug" an Kleinanlegern. Denn die Bankia- Aktien verloren in knapp einem Jahr 75 Prozent ihres Werts. Das viertgrößte Geldhaus Spaniens hat eine Vielzahl fauler Immobilienkredite in seinen Bilanzen. Das Klagegesuch wurde von der Partei UPyD (Union für Fortschritt und Demokratie) eingereicht und von der Staatsanwaltschaft für Korruptionsvergehen unterstützt.

Der Ermittlungsrichter Fernando Andreu lud Rato und andere Beschuldigte zu Vernehmungen vor. Er ließ zunächst offen, welche Vergehen den Verdächtigen zur Last gelegt werden. Die Kläger werfen den früheren Bankia-Managern unter anderem Betrug, Unterschlagung und Bilanzfälschung vor. Der frühere Chef der spanischen Zentralbank, Miguel Angel Fernandez Ordonez, soll ebenfalls als Zeuge vor Gericht erscheinen.

Bankia ist das größte spanische Bankhaus, das voraussichtlich eine Kapitalspritze aus dem europäischen Rettungsfonds erhalten wird. Die neue Führung des Sparkassenkonzerns beantragte Hilfen über 19 Milliarden Euro. Angesichts der Verluste haben sich immer wieder tausende Demonstranten auf den Straßen versammelt und ihrer Wut mit Pfeif-Konzerten vor Bankfilialen Luft gemacht. Spanien könnte bis zu 100 Milliarden Euro erhalten, um seinen maroden Bankensektor zu sanieren. Die Bedingungen für die europäischen Milliardenhilfen sollen in den nächsten Wochen festgezurrt werden.

Bankia war im Mai in Staatsbesitz übergegangen und Ex-IWF-Chef Rato als Vorsitzender des Verwaltungsrats zurückgetreten. Er hatte lange Zeit als Wirtschaftsexperte der regierenden Volkspartei von Ministerpräsident Mariano Rajoy gegolten. Er war von 1996 bis 2004 spanischer Wirtschafts- und Finanzminister und von 2004 bis 2007 als Nachfolger von Horst Köhler Generaldirektor des IWF.

dab/dpa/Reuters



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