Deutliche Kursverluste Anleger fürchten neue Lasten für spanische Banken

Es soll um Rückstellungen von 35 Milliarden Euro gehen: Gerüchte über neue staatliche Auflagen belasten die Kurse spanischer Geldinstitute. Premier Rajoy kündigt an, die Regierung werde ihre "Aufräumarbeiten bei den Banken vertiefen".

Kundin vor Santander-Logos in London: Die Hälfte der Immobilienkredite ist in Verzug
REUTERS

Kundin vor Santander-Logos in London: Die Hälfte der Immobilienkredite ist in Verzug


Madrid - Noch ist es nicht veröffentlicht. Doch ein neues Paket zur Stabilisierung der spanischen Bankenbranche sorgt unter Anlegern offenbar für Unruhe. Die Kurse von BBVA Chart zeigen und der Banco Santander Chart zeigen verloren in Madrid jeweils rund 5,5 Prozent. Die Renditen zehnjähriger spanischer Staatsanleihen kletterten wieder über die als kritisch geltende Marke von sechs Prozent auf den höchsten Stand seit Ende November.

Laut Händlern wirkte sich ein Gerücht belastend aus, wonach es nach Börsenschluss Neues zu den Hilfsmaßnahmen der Regierung geben könne. Die Institute sollten weitere 35 Milliarden Euro beiseitelegen, um sich gegen Ausfälle von Immobilienkrediten zu wappnen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Finanzkreise.

Das neue Paket soll auf der wöchentlichen Kabinettssitzung am Freitag beschlossen werden. Ministerpräsident Mariano Rajoy wollte die Beschlüsse nicht vorwegnehmen. "Am Freitag werden wir die Aufräumarbeiten bei den Banken vertiefen", sagte er lediglich bei einem Besuch in Portugal.

Nachdem der Staat bereits 18 Milliarden Euro in den Bankensektor gesteckt hat, schloss die konservative Regierung monatelang weitere Geldspritzen aus. Kürzlich signalisierte Rajoy nun aber, dass er im äußersten Notfall wieder zu diesem Mittel greifen werde. Es wird erwartet, dass allein in den schwer angeschlagenen Sparkassen-Konzern Bankia bis zu zehn Milliarden Euro gepumpt werden müssen. Auf internationale Unterstützung will die Regierung verzichten, um Spaniens Kreditwürdigkeit nicht zu gefährden.

Neue Rückstellungsauflagen würden für die Institute zusätzliche Bürden bedeuten. Die Regierung hat sie bereits zu Abschreibungen auf faule Immobilienkredite in Höhe von 54 Milliarden Euro gezwungen.

In ihren Büchern haben die spanischen Banken Darlehen an Wohnungs- und Hausbauer in Höhe von insgesamt rund 300 Milliarden Euro stehen, das entspricht etwa 30 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Die Hälfte dieser Kredite ist bereits im Verzug, bei einer weiteren Verschärfung der Wirtschaftskrise drohen weitere Ausfälle. Analystenschätzungen zufolge könnte der zusätzliche Rückstellungsbedarf auf bis zu hundert Milliarden Euro steigen.

dab/Reuters/dpa

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InSil 09.05.2012
1. Ja leck mich einer...
Das ist natürlich herb. Wieder mal eine - total überraschende - Imo-Blase! Wer das zahlt, damit die Rendite passt? Ich habe hier noch zwei meiner Kinder anzubieten! Sollte die Laufzeit nicht reichen, natürlich meine Enkel! "Aufräumarbeiten bei den Banken"... dazu enthalte ich mich momentan. Wird echt langsam Zeit, dass die Blase platzt! ? Think about a Bank-Run?
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