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Sparkurs: Air Berlin kassiert Privilegien für Promis

Wer hat, dem wird gegeben - getreu diesem Motto durften nach Angaben der "Bild am Sonntag" bislang mehr als 100 Promis und ihre Familien jederzeit kostenlos mit Air Berlin fliegen. Dazu will sich die siechende Airline nicht im Detail äußern. Die teure Vorzugsbehandlung stellt sie aber ein.

Air Berlin: Weniger Flugzeuge, weniger Strecken Zur Großansicht
dapd

Air Berlin: Weniger Flugzeuge, weniger Strecken

Berlin - Früher, so schien es, spielte Geld bei Air Berlin keine wirkliche Rolle. Die Firma kaufte Konkurrenten, wie es kam, und attackierte den Rivalen Lufthansa, wo es ging. Fast schien es, als bestünde der Firmenwortschatz überwiegend aus Superlativen.

Allerdings ist aus der guten alten Zeit eine ziemlich triste Gegenwart geworden. Wahrscheinlich macht die Airline auch in diesem Jahr einen Verlust. So wie schon 2010, 2009 und 2008. Die Flotte soll bald verkleinert und Strecken sollen gestrichen werden. Seit 1. September steht Hartmut Mehdorn an der Spitze des Unternehmens. Und der Ex-Bahnchef hat den Sparkurs bei der Krisen-Airline drastisch verschärft.

Das bekommen nun auch die Fluggäste zu spüren, die Air Berlin bislang offenbar ziemlich verhätschelt hat. Die Fluggesellschaft beendet zum Jahresende ihr langjähriges Sonder-Flugprogramm für Prominente. Das berichtet die "Bild am Sonntag".

Was sind "günstige Konditionen"?

In dem Bericht heißt es, mit der "Counter Card Premium Plus" durften mehr als 100 ausgewählte Personen aus Wirtschaft, Sport, Kultur und Unterhaltung und deren Familien jederzeit kostenlos mit der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft reisen.

Die Einstellung des Programms bestätigte Air Berlin auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Allerdings wollte sich das Unternehmen nicht dazu äußern, welche Vorteile es den Promis genau bietet und wie viele von ihnen es wie intensiv nutzen.

Im besten "Rede viel und sage nichts"-PR-Sprech hieß es lediglich: "Air Berlin verfügt (...) über Markenbotschafter, deren offen kommunizierte bzw. gelebte Loyalität zu Air Berlin positiv auf das Unternehmensimage ausstrahlt. Diese Markenbotschafter (...) sind angehalten, auf Reisen (...) Produkte unseres Hauses zu nutzen bzw. in der Kommunikation ihre Qualität herauszustreichen. Zu diesem Zweck können ausgesuchte Personen zu günstigen Konditionen mit Air Berlin reisen. Sie verfügen über eine spezielle Air Berlin Karte, die sie als Berechtigte ausweist."

Ob das, was Air Berlin als "günstige Konditionen" bezeichnet, im allgemeinen Sprachgebrauch "kostenlos" bedeutet, wollte Air Berlin auch auf wiederholte Nachfrage nicht sagen.

Wie die "Bild am Sonntag" weiter schreibt, sollen nun die Wirtschaftsprüfer von KPMG prüfen, ob die Firma und ihre Aktionäre durch das Sonderprogramm geschädigt wurden.

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1. .
juerv1, 02.10.2011
Zitat von sysopWer hat, dem wird gegeben -*getreu diesem Motto durften nach*Angaben der "Bild am Sonntag"*bislang mehr als 100 Promis und ihre Familien jederzeit kostenlos mit Air Berlin fliegen.*Dazu will sich die siechende Airline nicht im Detail*äußern.*Die teure Vorzugsbehandlung*stellt sie aber ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789566,00.html
Ja, stand denn Annette Schavan nicht auf dieser Liste? Da hätte sie doch womöglich glatt gratis zum Ratzinger fliegen können, statt die Flugbereitschaft in Anspruch zu nehmen.
2. schavan
hartwig7 02.10.2011
Zitat von juerv1Ja, stand denn Annette Schavan nicht auf dieser Liste? Da hätte sie doch womöglich glatt gratis zum Ratzinger fliegen können, statt die Flugbereitschaft in Anspruch zu nehmen.
und prominent? Gar als Markenbotschafterine? Als so dumm sind sie selbst bei Air Berlin nicht..
3. .
modulaire 02.10.2011
Ich sehe hier jetzt kein großes Problem. Es war doch gute Werbung für Air Berlin, wenn irgendein Promi am Schalter/vor dem Flugzeug etc von denen photographiert wurde. Es gibt weniger nützliche Arten von PR und Werbung. Ob es sich am Ende lohnt muss Air Berlin entscheiden.
4. sicherlich nicht nur Vip's
hansi69 02.10.2011
Auch Top Journalisten und Grosskunden kommen bei AIr Berlin doch sicherlich in den Genuss von Freiflügen. Weshalb gab sonst wohl in der Vergangenheit immer nur positive Presse? Wenn KPMG jetzt dieses Verfahren prüft dürften wohl einige Personen unruhig werden!
5. .
raka, 02.10.2011
Zitat von modulaireIch sehe hier jetzt kein großes Problem. Es war doch gute Werbung für Air Berlin, wenn irgendein Promi am Schalter/vor dem Flugzeug etc von denen photographiert wurde. Es gibt weniger nützliche Arten von PR und Werbung. Ob es sich am Ende lohnt muss Air Berlin entscheiden.
"Gute Werbung", wenn ich erfahre, dass Idioten wie ich den vollen Preis bezahlen, während die Reichen umsonst fliegen dürfen? Ich weiß ja nicht, ob das allgemein gut ankommt. Bei mir jedenfalls nicht. Das haben sie ja gerade gemacht.
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Air Berlin
Der Konzern
Air Berlin ist die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft. Das Unternehmen setzt gut drei Milliarden Euro pro Jahr um und beschäftigt rund 8500 Mitarbeiter. In den vergangenen Jahren expandierte die Airline durch mehrere Übernahmen, etwa des Ferienfliegers LTU.
Der Chef
Joachim Hunold übernahm 1991 die Air Berlin Inc., die Passagiere von den USA in die deutsche Hauptstadt transportierte, und gründete die Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs-KG. Seitdem steht Hunold, der zuvor unter anderem als Gepäckverlader gearbeitet hatte, an der Spitze des Unternehmens.


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