Sperrminorität: Gericht bremst Metros Durchmarsch bei Media Markt

Dämpfer für Metro: Der Hauptaktionär von Media Markt muss weiterhin das Vetorecht der Unternehmensgründer beachten. Dies stellte das Landgericht Ingolstadt in einem Zwischenbeschluss fest. Der Machtkampf bei der Elektronikkette ist aber noch nicht entschieden.

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dapd

Fernseher bei Media Markt: Angst ums Lebenswerk

Ingolstadt - Es ist ein Etappensieg für die Gründer von Media Markt: Der Handelskonzern Metro darf bei der Elektronikkette vorerst nicht durchregieren. Das Landgericht Ingolstadt stellte am Dienstag fest, dass Entscheidungen im Beirat vermutlich weiterhin mit einer Mehrheit von mehr als 80 Prozent fallen müssten. Damit würden die Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals und Leopold Stiefel ihre Sperrminorität behalten.

Mit einem Anteil von rund 75 Prozent beherrscht Metro Chart zeigen eine Holding, zu der die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn gehören. Kellerhals hält noch 21,6 Prozent, zusammen mit Stiefels Anteilen kommen die beiden Unternehmer auf rund 25 Prozent. Doch eine Klausel im Gesellschaftsvertrag gewährt den beiden bei Beschlüssen ein Vetorecht. Für wesentliche Entscheidungen braucht es laut Satzung eine Mehrheit von 80 Prozent.

Metro-Juristen hatten in den Vertragsunterlagen Passagen über die Möglichkeit eines Beirats gefunden. Metro-Chef Eckhard Cordes sieht darin die Chance, die Sperrminorität der Altgesellschafter auszuhebeln. Sollte ein Beirat die Gesellschafterversammlung ersetzen, so könnten Beschlüsse mit einfacher Mehrheit gefasst werden. Kellerhals sieht dadurch sein Lebenswerk in Gefahr.

Beendet ist der Machtkampf mit der Entscheidung noch nicht. Seine endgültige Entscheidung will das Gericht erst am 11. Oktober bekanntgeben. Eindringlich forderte der Richter die zerstrittenen Gesellschafter aber auf, sich doch noch außergerichtlich zu verständigen. Bisher habe die Gesprächsbereitschaft gefehlt, aber nur bei einer unternehmerischen Einigung gebe es die Befriedung, die im Interesse des Unternehmens notwendig sei, sagte er.

Beide Streitparteien gaben sich jedoch siegesgewiss. Kellerhals' Anwalt Martin Schockenhoff sagte, das Gericht tendiere zur Bestätigung der Sperrminorität, "und das wäre für die Klägerseite günstig". Metro-Anwalt Maximilian Schiessl sagte, er sei optimistisch, würde aber bei einer Niederlage "natürlich die Rechtsmöglichkeiten ausschöpfen" und vor dem Oberlandesgericht München in die nächste Instanz gehen.

Korruptionsermittlungen beschäftigen Media-Saturn

Nicht nur der Streit zwischen dem größten Anteilseigner und den Altgesellschaftern beschäftigt das Unternehmen. Kürzlich durchsuchten Ermittler die Zentrale von Media-Saturn in Ingolstadt. Manager stehen unter Verdacht, Bestechungsgelder angenommen zu haben. Den Tipp an die Ermittler gab das Unternehmen nach einem anonymen Hinweis selbst, betont Media-Saturn. "Wir arbeiten sehr eng mit der ermittelnden Staatsanwaltschaft Augsburg zusammen und unterstützen sie mit allen unseren Möglichkeiten, ihre Untersuchungen zu Ende zu führen", sagte Media-Saturn-Chef Horst Norberg.

SPIEGEL ONLINE liegt zudem ein Schreiben der Ermittler vor, in dem diese erklären, das Ermittlungsverfahren beruhe auf einem Hinweis von Media-Saturn.

dab/mmq/dpa/dapd

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Media Markt?
wfm 19.07.2011
Ich bin doch nicht blöd!
2. Geil ist geil!
Altesocke 19.07.2011
Zitat von wfmIch bin doch nicht blöd!
Sie kennen sich gut in deren Werbung aus! Gratulation.
3. hier könnte ein titel stehen
kohlibri 19.07.2011
tja, so ist das halt in Deutschland , da wedelt der Schwanz mit dem Hund! (siehe auch S21)
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