Übernahmeschlacht um Alstom Siemens-Aufsichtsräte gehen auf Distanz zu Konzernchef Kaeser

Die Ambitionen des Siemens-Managements beim geplanten Einstieg bei Alstom stoßen nach SPIEGEL-Informationen auf Bedenken im eigenen Konzern. Manche Aufsichtsräte hoffen gar, dass Konkurrent GE den Zuschlag bekommt.

DPA

München - Aufsichtsräte des Münchner Siemens Konzerns distanzieren sich von dem Plan das französischen Unternehmen Alstom zu übernahmen, berichtet der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe. Einige der Kontrolleure wünschen Firmenchef Joe Kaeser bereits insgeheim, dass der US-Rivale General Electric (GE) bei dem spektakulären Übernahmekampf obsiegt. "Für uns geht die Welt nicht unter, wenn wir den Zuschlag nicht bekommen", sagt einer der Kontrolleure, "davon hängt die Zukunft von Siemens nicht ab". (Lesen Sie mehr zur Alstom-Übernahme hier im aktuellen SPIEGEL.)

Ende April allerdings hatte der Aufsichtsrat den Plänen des Vorstands zugestimmt, ein Gebot für Alstom vorzubereiten und damit GE in der Übernahmeschlacht herauszufordern.

Sollten die Münchner in dem Bieterstreit das Rennen machen, fordern Gewerkschafter wie IG-Metall-Finanzchef Jürgen Kerner, dass Siemens einen entscheidenden Einfluss auf das bei einer Übernahme avisierte deutsch-französische Verkehrstechnik-Gemeinschaftsunternehmen unter Führung von Alstom behält.

"Schließlich produziert Siemens auch Antriebe oder Automatisierungssysteme für Schienenfahrzeuge", sagt der IG-Metall-Funktionär. Er ist unter anderem Mitglied im Siemens-Aufsichtsrat. Andernfalls könnte Alstom solche Zulieferteile auch von Wettbewerbern kaufen. Siemens bietet den Franzosen nach SPIEGEL-Informationen neuerdings an, auf Wunsch ein Joint Venture für die Bahn-Signaltechnik zu gründen.

Beschwerdebrief vom Alstom-Boss

Der Alstom-Verwaltungsrat befürwortet einmütig eine Allianz mit GE. Das Zukunftskonzept von Alstom-Chef Patrick Kron sieht vor, dass sich Alstom Chart zeigen auf die Transportsparte konzentriert und GE den Energiebereich betreut. Kron gilt als ausgewiesener Siemens-Feind. In einem Brief an Siemens-Chef Joe Kaeser hat er sich über "unfaire" Äußerungen von Siemens-Mitarbeitern beschwert.

Die französische Regierung will unbedingt verhindern, dass der US-Konzern GE das französische Traditionsunternehmen Alstom übernimmt - denn die Amerikaner wollen das Unternehmen mutmaßlich zerschlagen. Auf Bitte der französischen Regierung hin hatte Siemens Chart zeigen angeboten, die Energiesparte von Alstom zu kaufen - und damit den Kaufplan von GE gekontert.

Am Mittwoch kommender Woche will die Siemens-Führung zudem bekanntgeben, dass die bislang in vier sogenannte Sektoren aufgeteilte Organisation des Unternehmens in knapp ein Dutzend kleinere Untereinheiten aufgespalten werden soll. Zu ihnen sollen zwei neue Geschäftsfelder gehören, eines für die Industrie-Software, ein weiteres für digitale Fertigungsprozesse nach dem Produktionsmodell 4.0.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 53 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cirkular 04.05.2014
1. Hoffentlich wird Siemens
dann im nächsten Zug von GE übernommen und zerlegt.
jethan 04.05.2014
2. Nun ja
Wenn Gewerkschafter als Aufsichtsräte eine "Aussage" machen, muß das nicht unbedingt im Interesse des Unternehmens sein. Da ist im Regelfall die Ideologie wichtiger als der Inhalt oder gar das Unternehmen.
Berufskritiker 04.05.2014
3. Nur mal so eine Frage!
Wer sind denn plötzlich diese Aufsichtsräte und wo sitzen die denn sonst noch so an irgendwelchen Hebeln???? Sollte man solches KnowHow nicht besser in Europa halten? Deutsch-französische Freundschaft, hahahahah!
Euclid 04.05.2014
4. Im grossen Rahmen denken.
Zitat von sysopDPAÜberraschende Wende im Übernahmepoker um Alstom: Nach SPIEGEL-Informationen stoßen die Ambitionen des Siemens-Managements auf Widerstand im eigenen Konzern. Manche Aufsichtsräte hoffen gar, dass Konkurrent GE den Zuschlag bekommt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/spiegel-siemens-aufsichtsraete-distanzieren-sich-von-alstom-uebernahme-a-967453.html
Sitzen nicht Amerikaner im Aufsichtsrat? Die denken nur an USA. Und Kron ohnehin ein Deutschlandhasser braucht uns nur um zu zahlen wenn es schief geht. Wo kommt er denn her?
loops-2000 04.05.2014
5.
Ich denke hier ist ein großes Eigeninteresse vorhanden. In der Japan-AG würde man sich lange fackeln und sofort zuschlagen, aber unsere Manager...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.