Paris - Haben Manager des französischen Autoherstellers Renault Firmengeheimnisse chinesischen Konkurrenten zur Verfügung gestellt? Dieser Verdacht scheint sich zu erhärten. Bei einer Durchsuchung von Renault-Büros hat der französische Inlandsgeheimdienst DCRI Computer von drei Renault-Führungskräften beschlagnahmt. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Sie beruft sich auf Insider.
Renault verdächtigt die drei Manager, strategische Informationen zu seinem Elektroauto-Programm gegen Bezahlung weitergegeben zu haben. Die betroffenen Manager waren am 3. Januar von der Unternehmensleitung suspendiert worden. Sie haben die Beschuldigungen zurückgewiesen und Anzeige wegen Diffamierung bei der Pariser Staatsanwaltschaft eingereicht. Sie berät derzeit noch über eine Annahme. Nach Bekanntwerden der Affäre hatte Präsident Nicolas Sarkozy die DRCI eingeschaltet.
Die Ermittler wurden wegen einer Anzeige des Unternehmens gegen Unbekannt aktiv, die Renault vor zwei Wochen erstattet hatte. Die Anzeige gegen Unbekannt soll der Justiz nach Firmenangaben weiter reichende Ermittlungen als eine konkrete Anzeige gegen die Verdächtigen erlauben. Zu den Vorwürfen gehören neben Spionage Korruption, Untreue, Diebstahl und Hehlerei.
Die Durchsuchung erfolgte im Zusammenhang mit Ermittlungen der Pariser Staatsanwaltschaft. Der Anwalt des französischen Unternehmens, Jean Reinhart, warf dem Geheimdienst allerdings vor, Renault zu schaden, indem er die Medien mit Informationen füttere. Der Inlandsgeheimdienst gebe "Elemente" der Untersuchung an Medien weiter und schade damit "ganz allgemein dem Ansehen von Renault", sagte der Rechtsanwalt im Nachrichtensender France Info.
Renault gehört zu 15 Prozent dem französischen Staat. Nach Angaben der Zeitung "Le Figaro" vermutet der Konzern China hinter der Spionage, die für das Unternehmen Millionenverluste bedeuten könnte. Demnach soll das chinesische Energieunternehmen China Power Grid Corporation zwei der drei verdächtigten Führungskräfte mehrere hunderttausend Euro auf Konten in der Schweiz und Liechtenstein überwiesen haben. Die chinesische Regierung hatte die Unterstellung zurückgewiesen.
ulz/AFP/dpa
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