New York - Im Schadensersatzprozess zwischen dem US-Datenbankanbieter Oracle und dem deutschen Software-Konzern SAP haben sich beide Unternehmen einen Schlagabtausch geliefert. Der als Zeuge geladene Oracle-Chef Larry Ellison sagte am Montag vor dem Bezirksgericht im kalifornischen Oakland aus. Er behauptete, die von SAP unrechtmäßig genutzten Software-Lizenzen seines Unternehmens hätten einen Wert von vier Milliarden Dollar haben können. "Wenn sie die Software gratis bekommen könnten, hätten wir große Schwierigkeiten, unsere Mitarbeiter zu bezahlen", sagte Ellison.
Im Kreuzverhör von Anwälten von SAP und Oracle sagte Ellison, er habe SAP nach dem Kauf von TomorrowNow aufgefordert, das geistige Eigentum seines Unternehmens zu respektieren. SAP hatte TomorrowNow Anfang 2005 erworben, um Oracle Kunden mit günstigen Wartungsdiensten abspenstig zu machen.
SAP muss sich seit einer Woche vor Gericht verantworten. Der für seine aufbrausende Art bekannte Ellison ist Kronzeuge im Verfahren. Er wirft dem Erzrivalen aus dem baden-württembergischen Walldorf schweren Datendiebstahl vor. Mitarbeiter der inzwischen geschlossenen SAP-Wartungstochter TomorrowNow hatten mehrfach unrechtmäßig Daten von der Website des Konkurrenten heruntergeladen, um dessen Software im Auftrag von Firmenkunden pflegen zu können. SAP hat die Urheberrechtsverletzungen eingestanden - und hofft, in dem Zivilprozess mit einigen Dutzend Millionen Dollar Schadensersatz davonzukommen.
SAP versuchte am Montag die Glaubwürdigkeit von Oracle zu erschüttern und den durch die Urheberrechtsverstöße entstandenen Schaden klein zu rechnen. Die SAP-Anwälte präsentierten der Jury eine E-Mail, in der Oracle-Präsidentin Safra Catz bestreitet, dass das Unternehmen nach dem Kauf von TomorrowNow durch SAP Kunden verloren habe. Laut SAP haben damals hingegen 358 Oracle-Kunden ihre Wartungsverträge mit Oracle gekündigt und wechselten zu TomorrowNow.
Ellison entgegnete in seiner gut einstündigen Vernehmung, er habe die in seinem Unternehmen anfänglich geäußerte Einschätzung nicht geteilt, dass TomorrowNow keine Bedrohung für Oracle sei. Die Übernahme von TomorrowNow durch SAP sei ein "brillanter" Schachzug gewesen, sagte der Manager. Er liefert sich seit Jahren mit SAP einen scharfen Wettbewerb um die Vorherrschaft bei Unternehmens-Software. SAP ist in diesem Geschäft zwar Marktführer, Oracle ist aber dank seiner lukrativen Datenbank-Sparte deutlich rentabler als die Walldorfer.
wit/Reuters/dpa
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