Spitzelaffäre bei Deutscher Bank Staatsanwaltschaft entlastet Ackermann

Josef Ackermann dürfte erleichtert sein: Die Staatsanwaltschaft wird in der Spitzelaffäre nicht gegen den Chef der Deutschen Bank ermitteln. Auch Aufsichtsratschef Börsig muss kein Strafverfahren fürchten.

Aufsichtsratschef Börsig (l.) und Bankchef Ackermann: Entlastung in Spitzelaffäre
dpa

Aufsichtsratschef Börsig (l.) und Bankchef Ackermann: Entlastung in Spitzelaffäre


Frankfurt am Main - Gute Nachrichten für Vorstandschef Josef Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig in der Spitzelaffäre der Deutschen Bank Chart zeigen: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt lehnte am Donnerstag die Einleitung von Ermittlungen gegen die oberste Führungsriege des größten deutschen Geldhauses ab.

Gleichwohl hat die vor rund einem halben Jahr bekanntgewordene Ausspähung eines kritischen Aktionärs nach Auffassung der Strafverfolger vermutlich gegen den Datenschutz verstoßen. Ermittelt wird deswegen aber nur gegen die unmittelbar daran Beteiligten und deren Auftraggeber, wie aus der Mitteilung hervorgeht.

Es hätten sich "keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung" von Ackermann, Börsig und vier weitere von dem bespitzelten Aktionär Michael Bohndorf und von den Anwälten des Münchner Medienunternehmers Leo Kirch angezeigte Manager der Deutschen Bank ergeben, erklärte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu.

Deutsche Bank vermutet Zusammenhang mit Kirch-Klage

Die Deutsche Bank ihrerseits wirft dem früheren Leiter der Investor-Relations-Abteilung und dem ehemaligen Sicherheitschef vor, die zwielichtigen Aktionen angestoßen zu haben. Deshalb hat das Institut beide Mitarbeiter bereits vor Monaten entlassen. In der Branche wurde dies teils als Bauernopfer gewertet. Vor dem Arbeitsgericht wehren sich die Betroffenen gegen ihre Kündigung.

Die Bank war Ende Mai an die Öffentlichkeit gegangen und hatte über die Affäre berichtet. Die Bespitzelten stellten daraufhin Strafanzeige. So sollen die entlassenen Abteilungsleiter die Detektive auf Bohndorf angesetzt haben.

Die Deutsch-Banker vermuteten den Aussagen zufolge, dass Bohndorf mit dem Deutsche-Bank-Intimfeind Leo Kirch gemeinsame Sache macht. Kirch überzieht die Deutsche Bank seit Jahren mit Prozessen, weil er sie für den Niedergang seines Medienimperiums mitverantwortlich macht.

Damit rückt unter anderem die beauftragte Detektei ins Visier der Strafverfolger. Sie sollen auf Bohndorf unter anderem einen weiblichen Lockvogel angesetzt haben. Zudem sollen sie einen Bespitzelungsversuch bei Kirchs Anwälten begonnen, dann jedoch abgebrochen haben.

böl/Reuters/dpa-AFX

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