Spitzelaffäre Telekom-Mitarbeiter muss dreieinhalb Jahre in Haft

Der Prozess zur Spitzelaffäre bei der Telekom ist zu Ende: Das Landgericht Bonn verurteilte den Hauptangeklagten Klaus Trzeschan zu einer mehrjährigen Haftstrafe. Er war der letzte noch verbliebene Beschuldigte in dem Verfahren.

Telekom-Firmenzentrale in Bonn: Verstoß gegen das Fernmeldegeheimnis
ddp

Telekom-Firmenzentrale in Bonn: Verstoß gegen das Fernmeldegeheimnis


Bonn - Klaus Trzeschan muss dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Bonn verurteilte den ehemaligen Leiter der Telekom-Konzernsicherheit am Dienstag als einzigen in der spektakulären Spitzelaffäre des Konzerns. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er gegen das Fernmeldegeheimnis verstoßen hat. Außerdem hatte der 60-Jährige Gelder des Konzerns in die eigene Tasche gewirtschaftet.

Mit der Strafe folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Es deutete jedoch an, in dem Verfahren seien womöglich nicht alle bestraft worden, die in der Affäre Verantwortung trugen. Ex-Konzernchef Kai-Uwe Ricke sei es offensichtlich egal gewesen, mit welchen Methoden Trzeschan die Indiskretion im Konzern aufdecken wollte, sagte der Vorsitzende Richter, Klaus Reinhoff.

So unspektakulär geht der Prozess um die Spitzelaffäre bei Deutschlands Telefonriesen nun zu Ende. Jahrelang hatte der Konzern Telefondaten von Gewerkschaftern, Journalisten und Aufsichtsräten von einer Spezialfirma auswerten lassen, massenhaft und systematisch - um Informationslecks ausfindig zu machen. Das Spitzelsystem war 2008 schließlich aufgeflogen.

Trzeschan war der letzte noch verbliebene Beschuldigte in dem Prozess. Ursprünglich waren vier Männer angeklagt. Gegen einen Berliner Unternehmer wurde das Verfahren aus gesundheitlichen Gründen jedoch abgetrennt. Gegen zwei weitere ehemalige Telekom-Beschäftigte wurde der Prozess wegen geringer Schuld gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Ermittlungen gegen Ricke und Zumwinkel frühzeitig eingestellt

Lange stand auch Ex-Telekom-Chef Ricke, ebenso wie der damalige Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel, im Verdacht, weit stärker in die Affäre verwickelt zu sein, als sie selbst stets angaben. Es gab mehrere Hinweise, dass die beiden Manager schon frühzeitig gewusst hätten, dass Telefondaten ausgespäht wurden - und auch über den angeblichen "Maulwurf" im Bilde gewesen seien, der einen Mitarbeiter im Verlag Gruner + Jahr ausspionieren sollte. Auch Trzeschan hatte Ricke zusätzlich belastet.

Beide Manager bestritten die Anschuldigungen. Und die Staatsanwälte mussten die Ermittlungen gegen die Manager letztlich einstellen - "aus Mangel an Beweisen".

Anwälte der Spitzelopfer sagten, der Fall sei nur unzureichend aufgeklärt worden. "Es ist enttäuschend, dass die größte Spitzelaffäre in Deutschland mit einem Angeklagten zu Ende geht", sagte der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP), der als Anwalt Betroffene vertritt. "Er hat nicht auf eigene Faust gehandelt." Die Telekom habe es Trzeschan "leicht gemacht".

Die Gewerkschaft Ver.di zog eine zwiespältige Bilanz. "Die Aufarbeitung der Affäre fällt aus Sicht der Opfer strafrechtlich enttäuschend aus", sagte Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder. Er gehörte zum Kreis von Betroffenen, die in den Jahren 2005 und 2006 bespitzelt worden waren.

Für die Telekom erklärte der für Datenschutz zuständige Vorstand Manfred Balz: "Für uns als Unternehmen ist Datenschutz weiterhin vordringlich auf der Agenda. Wir haben strikte Datenschutzmaßnahmen für Mitarbeiter, Gewerkschaftsvertreter und Aufsichtsräte im Unternehmen eingeführt und arbeiten jeden Tag daran, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen."

yes/ssu/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
loncaros 30.11.2010
1. t
Jaja und der Zumwinkel ist mal wieder mit von der Partie. Eigentlich gehört der ja eingesperrt, wenn es nach unserem StGB gehn würde.
Herr Hold 30.11.2010
2. Berufsbezeichnung
Zitat von loncarosJaja und der Zumwinkel ist mal wieder mit von der Partie. Eigentlich gehört der ja eingesperrt, wenn es nach unserem StGB gehn würde.
Warum? Trzeschan und seine Kollegen haben nichts anderes getan als jeder andere Diplomat.Soll jetzt mit zweierlei Maß gemessen werden?
Feder&Schwert 30.11.2010
3. Das Urteil ist nichts wert...
...weil die Drahtzieher unbehelligt davon kommen und jetzt gewarnt genau so weiter machen. Das war doch nur ein Bauernopfer... Die Chefs wollen nichts gewusst haben?!? Ja klar, bei der Telekom macht jeder was er will. Wirklich sehr glaubhaft... Aber "nichts mehr wissen" ist ja bei uns in Strafverfahren spätestens seit Kohl sehr in Mode.
sic tacuisses 30.11.2010
4. geht es aber nicht.
Zitat von loncarosJaja und der Zumwinkel ist mal wieder mit von der Partie. Eigentlich gehört der ja eingesperrt, wenn es nach unserem StGB gehn würde.
Schließlich sind Lichtgestalten wie Zumwinkel und Ricke systemrelevant.
Horatio Caine 30.11.2010
5. "v"
Zitat von sysopDer Prozess zur Spitzelaffäre bei der Telekom ist zu Ende: Das Landgericht Bonn verurteilte den Hauptangeklagten Klaus Trzeschan zu einer mehrjährigen Haftstrafe. Er war der letzte noch verbliebene Beschuldigte in dem Verfahren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,731993,00.html
Das Prinzip Bauernopfer hat mal wieder funktioniert. Als wenn ein Sicherheitschef eines Konzerns so etwas ohne Unterrichtung und ohne Billigung des Vorstands eigenmächtig tun würde. Aber was lernen wir daraus: Je höher in der Hierarchie, desto mehr Chancen auf ein "Victory"-Zeichen.
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