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21. März 2013, 13:02 Uhr

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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ADAC

Hat der ADAC Niedersachsen Mitarbeiter ausspionieren lassen? Die Staatsanwaltschaft Hannover geht diesem Verdacht nach. Einem Bericht zufolge sollte Beweismaterial gegen den Betriebsrat gefunden werden.

Hamburg - Der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt hat Ärger mit der Staatsanwaltschaft Hannover. Die Behörde ermittelt wegen des "begründeten Anfangsverdachts", dass der Betriebsrat ausspioniert wurde, sagte Staatsanwalt Oliver Eisenhauer SPIEGEL ONLINE. Eine entsprechende Anzeige der Arbeitnehmervertretung war zuvor bei den Ermittlern eingegangen.

Sollten sich die Vorwürfe gegen die ADAC-Leitung bestätigen, drohen den Betroffenen bis zu einem Jahr Haft. Der ADAC-Bezirk wollte sich nicht äußern. Die ADAC-Bundeszentrale in München verwies auf die regionale Souveränität der sogenannten ADAC-Gaue.

Eine ehemalige IT-Mitarbeiterin des ADAC soll den Fall angestoßen haben, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"). Sie gibt dem Bericht zufolge an, im Auftrag des regionalen ADAC-Geschäftsführers und weiterer Führungskräfte die E-Mails vor allem von Betriebsräten ausspioniert zu haben. Damit sollte belastendes Material über die Arbeitnehmervertreter gefunden werden.

Der "SZ" zufolge will die IT-Expertin den Spitzelauftrag nach einem ADAC-kritischen Zeitungsartikel im April 2009 erhalten haben. Der Geschäftsführer des fünftgrößten der bundesweit 18 eigenständigen sogenannten ADAC-Gaue habe sie damals beauftragt, den E-Mail-Verkehr von Mitarbeitern nach bestimmten Schlüsselwörtern zu durchforsten, um mögliche Informanten der Zeitung zu enttarnen. Zudem habe sie es technisch ermöglichen sollen, dass E-Mails des damaligen regionalen ADAC-Pressesprechers automatisch und heimlich an die Geschäftsführung weitergeleitet werden.

Die frühere IT-Mitarbeiterin hatte dem NDR-Politikmagazin "Panorama 3" in der Sendung vom Dienstag gesagt, sie sei von der Geschäftsführung "instrumentalisiert" worden. Erst Monate später habe sie "gemerkt, dass ich da ja eigentlich ein Opfer geworden bin beim ADAC". Dass sie "dort als Spitzel missbraucht" werde, hätte sie nie erwartet. "Der ADAC hat ja einen guten Ruf, die 'Gelben Engel', also das hätte ich nie geglaubt."

Nach weiteren Angaben der Staatsanwaltschaft wird die Geschäftsführung des ADAC-Gaus mittlerweile durch einen Rechtsanwalt vertreten und hat nun bis Mitte April Zeit, auf die vom Betriebsrat vorgebrachten Vorwürfe zu reagieren.

yes/AFP

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