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Spitzeneinkommen: BP-Chef ist teuerster Manager Europas

Von Dietmar Palan

1,1 Milliarden Euro - diese gigantische Summe zahlen die größten Unternehmen Europas ihren Vorständen insgesamt. Am besten verdient ausgerechnet Bob Dudley, Chef des BP-Konzerns, der die Ölpest im Golf von Mexiko zu verantworten hat. Deutsche Manager steigern ihre Einkommen um satte 28 Prozent.

Vorstandsgehälter: Die 20 Topverdiener Europas Fotos
REUTERS

Hamburg - Deutschlands Top-Manager gehören zu den Spitzenverdienern Europas. In einem Ranking des "manager magazin" schafft es Puma-Chef Jochen Zeitz mit einem Einkommen von 9,8 Millionen Euro auf Platz sieben, danach folgen Volkswagen-Boss Martin Winterkorn auf Platz neun (9,3 Millionen Euro) und Springer-Vormann Mathias Döpfner auf Platz elf (8,9 Millionen Euro).

Untersucht wurden die Spitzengehälter des Jahres 2010 in Europas größten Konzernen. Die Erhebung hat das "manager magazin" gemeinsam mit Joachim Schwalbach von der Berliner Humboldt-Universität durchgeführt.

Insgesamt haben es sieben Führungskräfte aus Deutschland unter die Top 20 geschafft ( siehe Fotostrecke). Neben den drei genannten sind dies auf Rang zwölf Siemens-Vorstandschef Peter Löscher mit 8,9 Millionen Euro und auf Rang 14 Deutsche-Bank-Primus Josef Ackermann mit 8,8 Millionen Euro. Danach folgen Dieter Zetsche, die Nummer eins des Daimler-Konzerns, mit 8,7 Millionen Euro (Rang 15) und Jürgen Großmann, der Chef des Atomkonzerns RWE mit 8,6 Millionen Euro auf Platz 16.

Fotostrecke

20  Bilder
Gehälter: Die Spitzenverdiener unter Deutschlands Topmanagern
Bemerkenswert sind aber auch die Zahlen aus anderen europäischen Unternehmen. So ist der Spitzenverdiener unter Europas Top-Managern ausgerechnet Bob Dudley - der Chef des Ölkonzerns BP. Das Unternehmen stand im vergangenen Jahr massiv in der Kritik, nachdem die Förderplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko explodiert war und gigantische Mengen Öl ins Meer flossen. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Vodafone-Chef Vittorio Colao und Alfredo Sáenz Abad, der Vorstandschef der spanischen Banco Santander ( siehe Fotostrecke oben).

Untersucht wurden alle Konzerne, die im europäischen Börsenindex Stoxx 50 gelistet sind. Insgesamt zahlten sie ihren Vorständen 2010 mehr als 1,1 Milliarden Euro. Die Vorstände der im Dax gelisteten Unternehmen kamen auf eine Gesamtvergütung von rund 519 Millionen Euro, die Führungsgremien der M-Dax-Unternehmen auf rund 300 Millionen Euro.

Damit wuchsen die Vorstandsgehälter im Dax um 28 Prozent, nachdem die Manager im Vorjahr noch ein leichtes Minus von 1,8 Prozent verkraften mussten. Im Stoxx und im M-Dax stiegen die insgesamt gezahlten Summen in ähnlichem Umfang: Beim Stoxx waren es 21 Prozent, beim M-Dax 25 Prozent.

Im Schnitt verdiente der Vorstandschef eines Stoxx-Unternehmens 6,2 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 5,6 Millionen Euro. Der Chef eines Dax-Unternehmens kam 2010 im Durchschnitt auf 4,9 Millionen Euro, nachdem es 2009 3,6 Millionen Euro waren. Die Nummer eins eines M-Dax-Unternehmens nahm 2,3 Millionen Euro ein, im Jahr zuvor waren es 1,7 Millionen Euro.

Insgesamt nähern sich die Vorstandsgehälter damit wieder den Rekorden des Jahres 2007 an, berichtet das "manager magazin".

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1. Jedes Jahr ...
Michael Giertz, 19.05.2011
Zitat von sysop1,1 Milliarden Euro - diese gigantische Summe zahlen die größten Unternehmen Europas ihren Vorständen insgesamt. Am besten verdient ausgerechnet Bob Dudley, Chef des BP-Konzerns, der die Ölpest im Golf von Mexiko zu verantworten hat. Deutsche Manager steigern ihre Einkommen um satte 28 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,763564,00.html
Ich möchte mal wissen, wieso überhaupt noch irgendwelche Boni und größere "Gehälter" an BP-Bosse gezahlt werden: das Unternehmen steckt in der Krise, die Verantwortlichen sind nicht bestraft und mussten auch nicht mit ihrem Vermögen haften. Wieso gibt's also Geschenke für Versager?
2. Gier
Lueder, 19.05.2011
Zitat von sysop1,1 Milliarden Euro - diese gigantische Summe zahlen die größten Unternehmen Europas ihren Vorständen insgesamt. Am besten verdient ausgerechnet Bob Dudley, Chef des BP-Konzerns, der die Ölpest im Golf von Mexiko zu verantworten hat. Deutsche Manager steigern ihre Einkommen um satte 28 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,763564,00.html
28 Prozent gehaltserhöhung in nur einem jahr??? Ich glaube, habe den falsche job, denn ich habe seit 4 jahren keine Gehaltserhöhung mehr bekommen! Jetzt weiss ich auch warum!
3. ...
neuroheaven 19.05.2011
da kann es nur eine lösung geben. sofortige zwangsenteignung sämtlichen eigentums dieser überbezahlten verbrecher.
4. Dr.
braintainment 19.05.2011
Zitat von Michael GiertzIch möchte mal wissen, wieso überhaupt noch irgendwelche Boni und größere "Gehälter" an BP-Bosse gezahlt werden: das Unternehmen steckt in der Krise, die Verantwortlichen sind nicht bestraft und mussten auch nicht mit ihrem Vermögen haften. Wieso gibt's also Geschenke für Versager?
Weil das Aktienrecht und die Konstruktion aus Aufsichtsrat und Vorstand die Aktiengesellschaft zum Selbstbedienungsladen macht!
5.
frietz, 19.05.2011
wenn doch nur mal endlich die gewerkschaften aufwachen (oder den ag nicht in den hintern kriechen) würden und ähnliche lohnsteigerungen für die verdienste der arbeiter und angestellten verlangen würden. wir aber ein traum bleiben, da die gewerkschaften abschlüsse bejubeln, die weit unter der inflationsmarke liegen.
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Die neuen Regeln für Manager
Vergütungshöhe
Der Aufsichtsrat soll künftig bei der Festlegung der Bezüge darauf achten, dass sie im angemessenen Verhältnis zur Lage des Unternehmens und - das ist neu - zur Leistung des Vorstands und der sonst "üblichen Vergütung" stehen. Übliche Vergütung meint, dass das Gehalt im Vergleich innerhalb der Branche, aber auch im Unternehmen selbst im Rahmen bleiben muss.
Langfristanreize
Vor allem müssen "langfristige Verhaltensanreize zur nachhaltigen Unternehmensentwicklung" gesetzt werden. Dies ist eine direkte Lehre aus der Finanzmarktkrise, die durch die Gier in vielen Chefetagen nach kurzfristigen Boni zumindest verschärft worden war. Konkret wird festgeschrieben, dass Aktienoptionen erst nach vier statt bisher zwei Jahren eingelöst werden dürfen.
Herabsetzung
Der Aufsichtsrat soll neuerdings die Bezüge herabsetzen, wenn sich die Lage des Unternehmens verschlechtert. Das alte Recht stellte dies ins Ermessen des Gremiums.
Festlegung
Künftig muss der Aufsichtsrat selbst über die Vorstandsverträge befinden. Eine Delegation an einen Ausschuss, wo bislang meist die Gespräche stattfanden, ist untersagt. Die Hauptversammlung soll zudem das Recht haben, über die Vergütungen zu debattieren und Beschlüsse zu fassen - die allerdings nicht rechtlich verbindlich sein sollen. Ferner sollen künftig die Ruhestandsgehälter von ausgeschiedenen Vorständen veröffentlicht werden. Die entsprechende Transparenzvorschrift wird erweitert.
Managerhaftung
Die Top-Manager sollen künftig auf einem Teil der Schäden, die sie verursachen, selbst sitzen bleiben. Gegenwärtig stellen sie Versicherungen, deren Prämien von ihren Gesellschaften bezahlt werden, von der Haftung in der Regel frei. Künftig wird ein Selbstbehalt von zehn Prozent eingeführt. Vorstände können dann maximal mit dem Anderthalbfachen ihres Jahreseinkommens zur Kasse gebeten werden.
Wechselverbot
Für börsennotierte Aktiengesellschaften - also nicht Aktiengesellschaften in Familienbesitz - wird ein zweijähriges Verbot des Wechsels vom Vorstand in den Aufsichtsrat eingeführt. Damit soll eine effektivere Kontrolle des Unternehmens erreicht werden. Ausnahme: Der Vorschlag erfolgt von Aktionären, die zusammen mindestens 25 Prozent der Anteile halten.

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