Klagen von Wettbewerbern Richter stoppen Vergabe von Sportwettenlizenzen

Der Kampf um den Sportwettenmarkt geht in eine neue Runde. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden stoppte die Lizenzvergabe durch das hessische Innenministerium. Der Grund: Nicht berücksichtigte Wettbewerber hatten "ein gutes Dutzend" Klagen eingereicht.

Werbung für Sportwetten in Bremen: Milliardenschwerer Markt
DPA

Werbung für Sportwetten in Bremen: Milliardenschwerer Markt


Wiesbaden - Die Aufteilung des deutschen Sportwettenmarkts verzögert sich erneut: Das Verwaltungsgericht Wiesbaden untersagte dem hessischen Innenministerium, die Konzessionen wie geplant am Donnerstag an Wettanbieter auszuhändigen. Bei dem Gericht war nach Angaben einer Sprecherin "ein gutes Dutzend" Klagen nicht berücksichtigter Wettbewerber eingegangen.

In dem sogenannten Hängebeschluss gab das Gericht dem Ministerium nun auf, das Verfahren offen zu halten. Das Innenministerium kündigte Beschwerde gegen den Beschluss an, um die Konzessionen doch noch möglichst bald erteilen zu können.

Deutsche Spieler setzen bei Sportwetten jährlich für geschätzte vier Milliarden bis acht Milliarden Euro. Mit den Konzessionen wollen die Bundesländer den bisherigen grauen Spielemarkt regulieren. In einem zweijährigen Verfahren hatte das federführende hessische Innenministerium 20 Anbieter ausgewählt. Dazu zählen der Spielautomatenhersteller Gauselmann mit seiner Wetttochter Cashpoint, aber auch die staatliche Oddset Deutschland Sportwetten GmbH. 21 Bewerber, darunter der Marktführer Tipico, gingen leer aus und kündigten Klage an.

Tipico begrüßte den Beschluss des Verwaltungsgerichts: "Die über 850 Tipico-Wettannahmestellen in Deutschland mit ihren 5000 Mitarbeitern können folglich weiter betrieben werden", teilte das Unternehmen in Frankfurt mit.

Oddset zeigt sich "sehr enttäuscht"

Die Beschränkung auf 20 Anbieter hatte auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kritisiert. "Für den Amateurfußball, den gesamten Breitensport, ist das eine finanzielle Katastrophe", sagt DFB-Vizepräsident Rainer Koch dem SPIEGEL. Durch die juristischen Auseinandersetzung verzögere sich das gesamte Vergabeverfahren und dem Amateurfußball gingen weiterhin jährlich einstellige Millionenbeträge verloren. Der DFB hat seit 2012 einen Sponsoringvertrag mit dem staatlichen Wettanbieter Oddset. Ohne eine gültige Konzession ist diesem jedoch das Werben für Online-Wetten untersagt, der Vertrag ruht.

Die Unternehmen auf der 20er-Rangliste hatten zuvor gewarnt, dass die Klagewelle den Beginn eines geregelten Wettmarktes verzögern könnte. "Es besteht die Gefahr, dass der Wettmarkt weiter unreguliert bleibt", hatte der Geschäftsführer von Lotto Hessen, Heinz-Georg Sundermann, vergangene Woche gesagt. "Wir sind sehr enttäuscht, dass es bisher zu keiner Vergabe gekommen ist", sagte auch der Geschäftsführer von Oddset, Christoph Schmidt, in München. Eigene rechtliche Schritte werde man prüfen und dann entscheiden.

dab/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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Finsternis 18.09.2014
1. Bildchen vor dem Wettbüro
Nachdem die Zigarettensucht so stark mit abschreckenden Bildern bekämpft wird, wieso nicht Bilder von verarmten Menschen vor den Wettbüros aufbauen? Wenn Deutschland das mal so konsequent mit seiner Anti-Sucht-Kampagne fortführen würde, dann bräuchten wir uns nicht um irgendwelche Lizenzen für solch ein Quatsch beschäftigen.
chappichap 18.09.2014
2. Spieler in Deutschland
"Deutsche Spieler setzen bei Sportwetten jährlich für geschätzte vier Milliarden bis acht Milliarden Euro." ... kann mich auch irren, passiert mir oft, doch wenn ich durch Mannheim tingel und in die diversen Sportwettencafébürobars schaue, die wie Pilze aus dem Boden schiessen und nur wenige Gehminuten voneinander entfernt sind, sehe und höre ich darin keine 10% Krauts..
euronote 18.09.2014
3. Sportwetten
ja,immer mehr und mehr,wie bei den Spielautomaten,der Staat braucht Geld und nachher werden wieder Programme für Spielsüchtige gestartet für das schlechte Gewissen.Wie schreibt chappichap darin keine 10% Krauts,ist hier genauso die Bude von Ausländer für Ausländer,mir soll es egal sein,ich frage mich aber immer,wie die Geld machen wollen bei den 2-4 Personen die in diesen Lokalen verkehren,ich ahne böses.
CommonSense2006 18.09.2014
4. Was soll das
Warum muss denn die Anzahl der Anbieter begrenzt sein? Ich kann ja nachvollziehen, dass der Staat eine gewisse Kontrolle haben möchte, dass die Anbieter auch seriös sein müssen, aber das soll dann auch gewesen sein. Wettbewerb belebt schließlich das Geschäft und das ist gut für die Kunden. Alles andere ist unsinnig.
tripleeight 19.09.2014
5. Unwissenheit all über all
Die ersten Kommentare offenbaren gleich mal wieder Ahnungslosigkeit. Klar gibt es solche Cafés etc. NOCH! Anhand der strikten Auflagen wird der Markt zur Seriösität gebracht und nur ordentlich geführte Shops mit Jugendschutz usw. werden bestehen bleiben. Unsere Firma betreibt über 25 solcher Shops, beschäftigt insgesamt über 150 Menschen zu Löhnen deutlich über dem Mindestlohn und bietet tausenden Kunden Unterhaltung. Und weder sind wir Ausländer, noch alle unsere Kunden. Bei uns Wetter jeder, vom Studenten bis zum Versicherungskaufmann, vom Müllwerker bis zum Handwerker. Und vom Steuerberater über den Getränkelieferanten bis hin zum Kopierdienstleister leben noch eine ganze Reihe mehr Firmen mit und zum Teil von uns. Sportwetten sind Unterhaltung und nichts anderes als Lotto etc.
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