Börsengang Das ist der Streaming-Pionier Spotify

Spotify hat noch keinen Cent Gewinn gemacht - und geht dennoch am Dienstag an die Börse. Was ist so besonders an dem Musikstreaming-Dienst? Ein Firmenporträt in Bildern und Grafiken.

Spotify-Zentrale in Stockholm
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Spotify-Zentrale in Stockholm

Von und (Text) und Dawood Ohdah (Grafik)



Was ist Spotify?


Spotify ist der größte Musikstreaming-Dienst der Welt. Über die App können Nutzer die Songs der meisten großen Musiklabels anhören, dazu Stücke vieler kleinerer Labels sowie Podcasts, Hörbücher und teils auch Videos.

Spotify-App
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Spotify-App

Wer ein Spotify-Abo für monatlich gut zehn Euro abschließt, bekommt zwischen einzelnen Songs keine Werbeunterbrechungen eingespielt und kann Lieder auf mehreren Geräten zwischenspeichern, so dass sie sich auch ohne Internetverbindung anhören lassen.

Der Dienst gilt als Pionier, der gestreamte Musik für die breite Masse salonfähig gemacht hat. Seit dem Siegeszug von Spotify und anderen Plattformen, die günstig und bequem Zugriff auf Millionen Songs gewähren, sind illegale Downloads von Musikstücken unattraktiver geworden.


Das Unternehmen


Die Firma Spotify AB wurde 2006 in Stockholm gegründet. Die App selbst startete im Oktober 2008. In den folgenden Jahren sammelte die Firma in mehreren Finanzierungsrunden mehr als eine Milliarde Dollar ein.

Gewinne hat das Unternehmen bis heute nicht ausgewiesen - obwohl Künstler oft monieren, dass sie mit Spotify nur schwer Geld verdienen können. Rechteinhaber von Musikstücken bekommen pro Song, der auf Spotify abgespielt wird, weniger als einen Cent.

Bei den Kunden hingegen ist der Dienst beliebt - gerade weil er Musik so bequem und günstig verfügbar macht. Vor allem junge Menschen nutzen Spotify. Rund zwei Drittel der Kunden sind jünger als 34 Jahre.


Die Köpfe hinter Spotify


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Der Schwede Daniel Ek hat sein Ingenieursstudium an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm schon nach wenigen Wochen geschmissen. Stattdessen programmierte er für das Marketingunternehmen Tradedoubler eine Software - und wurde damit 2006 Dollarmillionär. Mit dem Verkauf von Patenten verdiente Ek eine weitere Million. Der Hobbymusiker war schon früh über die Plattform Napster mit Musikstreaming in Kontakt gekommen und kurzzeitig Chef der Tauschbörse uTorrent.

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Gemeinsam mit dem Mitgründer des Onlinemarketing-Anbieters Tradedoubler, Martin Lorentzon, entwickelte Ek 2006 den Streamingdienst Spotify. Lorentzon hatte Tradedoubler 1999 gemeinsam mit Felix Hagnö gegründet. Zuvor war er bei der Suchmaschine Alta Vista tätig. Spotify schloss Lizenzverträge mit großen Musiklabels und startete den Dienst 2008 als Alternative zu illegalen Anbietern.

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Napster-Mitgründer und Facebook-Berater Sean Parker gehörte zu den frühen Großinvestoren von Spotify. Er steckte 2010 nach einem E-Mail-Wechsel mit Ek 15 Millionen Dollar in den Dienst. Er half dem Streamingdienst bei Verhandlungen mit Musiklabels und spielte eine wichtige Rolle bei der Expansion von Spotify in die USA. Bis Juni 2017 saß er auch im Verwaltungsrat des Streamingdienstes.

Getty Images for Spotify

Mitte 2015 wurde der frühere Netflix-Finanzchef Barry McCarthy Finanzchef von Spotify. McCarthy hatte den Videostreamingdienst 2002 erfolgreich an die Börse gebracht. 2010 verließ er das Unternehmen und saß in der Folgezeit in mehreren Verwaltungsräten, unter anderem des Internet-Radioanbieters Pandora und Spotify.

Fast 40 Prozent der Unternehmensanteile von Spotify befanden sich bislang im Besitz des Gründerduos Ek/Lorentzon. Einen Teil ihrer Anteile werfen die beiden Unternehmer nun auf den Markt.


Die Konkurrenten


Die Investmentbank Goldman Sachs rechnet bis 2030 mit einem Marktvolumen von 28 Milliarden Dollar bei bezahlten Streamingdiensten. In dem Markt sind einige Anbieter aktiv.

Spotify muss sich als Marktführer mit seinem Angebot gegen Konkurrenten wie Apple und Amazon behaupten. Ende Dezember 2017 zählte Spotify 71 Millionen zahlende Kunden bei insgesamt 159 Millionen Nutzern weltweit.

Apple hat mit seinem Dienst Apple Music eigenen Angaben zufolge im März 38 Millionen zahlende Nutzer verzeichnet. Damit habe das Unternehmen in nur einem Monat zwei Millionen neue Kunden gewonnen, sagte Apple-Manager Eddy Cue bei der Vorstellung der Zahlen. Anders als Spotify bietet Apple keinen Gratisdienst. Der Konzern bezifferte das Potenzial für bezahlte Musikstreaming-Dienste auf weltweit zwei Milliarden Nutzer.

Amazon ist mit seinem Angebot Music Unlimited laut Zahlen von Mitte 2017 der drittgrößte Anbieter in dem Markt. Damals nutzten bereits 16 Millionen Kunden den Dienst des Internetkonzerns. Amazon selbst gibt keine Zahlen zu Nutzern bekannt. Die Daten basieren auf Erhebungen des Marktforschers MIDiA.

Streaming-Apps
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Streaming-Apps

Der französische Dienst Deezer konzentriert sich auf lokale Musik-Genres. Mit zwölf Millionen aktiven Nutzern und neun Millionen zahlenden Kunden im vergangenen Jahr ist der Dienst den Branchengrößen auf den Fersen.

Weiterer Anbieter in dem Markt ist Tidal, der 2014 gegründete Streamingdienst des Produzenten und Rappers Jay-Z. Die offiziell vermeldeten Nutzerzahlen von drei Millionen im März 2016 wurden öffentlich angezweifelt. Berichten zufolge soll intern von 1,2 Millionen Nutzern die Rede sein. Das Unternehmen selbst hat keine aktuellen Zahlen veröffentlicht.

insgesamt 27 Beiträge
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Analog 03.04.2018
1. Firmen die keine Gewinne machen,
besorgen sich frisches Geld über Aktien, das klingt sehr nachhaltig...
spmc-125536125024537 03.04.2018
2. Je mehr Nutzer, desto größer der Verlust?
Firmen wie spotify, Uber oder airbnb zerstören mit Investorengeldern und auf dem Rücken der Leistungserbringer (Künstler/Fahrer) funktionierende Märkte. Ziel ist es stets, sich wie eine Makler irgendwie zwischen Anbieter und Verbraucher zu quetschen. Hauptsache dem Verbraucher gefällts
kuac 03.04.2018
3.
Zitat von Analogbesorgen sich frisches Geld über Aktien, das klingt sehr nachhaltig...
Alle Firmen gehen an die Börse um frisches Kapital zu besorgen. Nachhaltig ist alleine entweder das Geschäftsmodel oder ein gutes Produkt, dass nicht einfach ersetzbar ist.
neowave 03.04.2018
4. Wer verdient für was?
Wer verdient für was? Erst wurden/werden die Backkataloge der Musikindustrie verramscht und damit entwertet, Musiker mit nahezu nichts entlohnt/beteiligt und damit quasi enteignet. Jetzt soll mit dem Laden, Spotify eben, Cash gemacht werden. Einem Laden, der so wie jetzt verfasst, so austauscbar ist wie kein zweiter: Nichts eigenes ausser `ne App. Aber die Finanzindustrie wirds für die Spotify-Hanseln schon richten: Die Aktien werden wohl über kurz oder lang als Beimischung in den breit angelegten Fonds fürs Volk landen. Im Ergebnis machen sich mal wieder eingie wenige die Taschen voll - mit den Leistungen anderer, der Musiker eben.
Trollfrühstücker 03.04.2018
5. Erstaunlich
Das Erstaunlichste daran: Eine Firma, die im ganz großen Stil das geistige Eigentum von Musikern verkauft und die Urheber mit Bruchteilen von Cents abspeist, macht keinen Gewinn. Die Zahlung von Spotify pro Stream folgt kaum durchschaubaren Vorgaben: Das Spektrum reicht je nach Musiker von 0,006 bis 0,0084 Dollar. Zum Vergleich: für eine einzige verkaufte CD erhält eine Band durchschnittlich 64 Cent. Laut Spotify kommt ein globaels Hitalbum auf etwa 425.000 Dollar im Monat, ein Top-Ten-Album auf 145.000 Dollar, ein beliebtes Indie-Album auf 76.000 Dollar monatlich, ein zeitloses Rockalbum auf 17.000 Dollar und ein Indie-Nischenalbum immer noch auf 3.300 Dollar. Diese Beträge schüttet Spotify an die Rechteinhaber aus – in den meisten Fällen sind das die Plattenlabels. Und die behalten dann auch das meiste, nämlich etwa 75%. Bei den Musikern kommen also nur noch Almosen an.
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