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Börsenpläne von Spotify: Der Sound der Zocker

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Spotify-Chef Daniel Ek leiht sich eine Milliarde Dollar und will den Musikstreaming-Dienst an die Börse bringen. Der Deal ist hochriskant.

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Getty Images/ WireImage

Spotify-Gründerchef Daniel Ek

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Die Stärken und Schwächen von Spotify sind in Daniel Eks Retweet gut zusammengefasst: An seine gut 90.000 Follower schickte der Chef des weltgrößten Musikstreaming-Anbieters am Dienstag Lobpreis für "Behind the Lyrics". Das neue Spotify-Feature zeigt Nutzern beim Musikhören Infos zu ihren Lieblingskünstlern an, im konkreten Fall zu Kanye West und seinem neuen Hitalbum "The Life of Pablo".

Für ständige, von Fans gefeierte Neuerungen ist der schwedische Streamingdienst bekannt. Allerdings auch dafür, wegen seiner mageren Tantiemen-Zahlungen bei erfolgreichen Künstlern wie Taylor Swift, Adele oder eben West unbeliebt zu sein. Der Rapper hat bei Spotify erst einen einzigen Song von "Pablo" veröffentlicht, beim kostenpflichtigen Konkurrenten Tidal dagegen das ganze Album.

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Daniel Ek

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Von Musikern kritisiert, von Fans geliebt - das ist bislang Spotifys Story. Rund 30 Millionen Songs kann man dort kostenlos hören, wer pro Monat 9,99 Euro bezahlt, bekommt sie werbefrei. Mehr als 30 Millionen Menschen zahlen für Spotify, die Gesamtnutzerzahl dürfte bereits 100 Millionen überschreiten.

Gründer Daniel Ek hat die Musikindustrie revolutioniert und ein Unternehmen geschaffen, das mit 7,5 Milliarden Euro Bewertung als wertvollstes Start-up Europas gilt.

Der Deal könnte Spotify in einen ruinösen Strudel reißen

Nun bereitet Spotify seinen Börsengang vor - mit einem ungewöhnlichen Deal: Eine Milliarde Dollar (880 Millionen Euro) leiht sich der Musikdienst laut "Wall Street Journal" bei Finanzinvestoren und der Großbank Goldman Sachs. Spotify verspricht den Geldgebern neben Zinszahlungen auch Anteile am Unternehmen. Wie viel Spotify zahlen muss und in welcher Größenordnung Anteile den Besitzer wechseln, hängt davon ab, wann die Schweden an die Börse gehen. Mit jedem Halbjahr, in dem das Start-up die Erstemission herauszögert, wird es jedenfalls teurer.

Das macht den Deal hochriskant für Spotify: Von Profitabilität ist der Dienst weit entfernt, 2014 fuhr der Dienst einen Verlust von 162 Millionen Euro ein. Die neuen Schulden könnten das Unternehmen in einen ruinösen Strudel von schrumpfenden Geldreserven, drückender Zinslast und immer mieseren Börsenaussichten reißen.

Denn an den globalen Aktienmärkten ist der Appetit auf wachstumsstarke, aber verlustträchtige Tech-Firmen in den vergangenen Monaten stark abgeflaut. HelloFresh, der Kochboxen-Anbieter des Berliner Start-up-Konzerns Rocket Internet, musste seinen im November angekündigten Börsengang wieder absagen. Der US-Zahlungsanbieter Square oder der Dating-App-Betreiber Match Group erzielten für ihre Anteile geringere Preise, als ihre Investoren vorher gezahlt hatten.

Mark Mulligan, Musikexperte des Londoner Technologieanalysten Midia Research, sieht Spotify daher auch als Getriebenen: "Sie haben keine echte Alternative zu einem Börsengang". Eine Übernahme durch Facebook oder Google hält er für wenig wahrscheinlich.

Die Wall Street sei bereit, Verluste hinzunehmen, solange eine gute Wachstumsstory lockt. "Noch hält der Hype um den Marktführer, der sich gegen die Großen behauptet, an. Nur wie lange noch?", fragt Mulligan.

Denn profitabel werde Spotify noch lange nicht werden: "Bezahlte Streaming-Abos sind ein Nischenmarkt, mit ihrem Kostenlosangebot verlieren sie Geld", sagt er. Daran gemessen sei Spotifys 7,5-Milliarden-Bewertung bereits viel zu hoch.

Apple nutzt seine Vorteile gegenüber Spotify gnadenlos aus

Will heißen: Spotify muss an die Börse, solange die Musik noch spielt. Denn gerade Apple rückt den Schweden auf die Pelle. Ein halbes Jahr nach dem Start hatte sein Streamingdienst bereits elf Millionen zahlende Kunden: Bis spätestens Mitte 2017 werde Apple Music Spotify in dieser Kategorie überholen, erwartet Mulligan.

Der Weltkonzern aus Cupertino spielt seine Vorteile gegenüber Spotify gnadenlos aus: Die Streaming-App ist auf allen iOs-Geräten vorinstalliert. Wer sein Spotify-Abo über den App Store abschließt, zahlt 12,99 Euro. 30 Prozent "Apple-Steuer" muss jeder App-Anbieter abführen - in diesem Fall aber an einen direkten Konkurrenten. Nicht einmal vor Abwerbeaktionen schreckt der iPhone-Hersteller zurück.

Um dauerhaft zu überleben, sagt Mulligan, müsse Spotify über den reinen Streamingdienst hinauswachsen, etwa durch den Verkauf von Konzerttickets. Oder durch eine europäische Allianz der Musik-Start-ups: Spotify könnte mit dem frischen Geld Soundcloud übernehmen.

Billig wäre das zwar nicht: Der Berliner Dienst wurde zuletzt mit 700 Millionen Euro bewertet und verbrennt selbst auch Geld. Anders als Spotify ist Soundcloud in der globalen Kreativenszene aber relativ beliebt.

Bands, DJs oder Podcaster können ihre Tracks dort selbst hochladen, die Inhalte sind experimenteller und erreichen andere Zielgruppen als das auf den Mainstream fokussierte Spotify. Soundcloud wiederum könnte sich seinen eigenen, am Dienstag angekündigten Abodienst sparen.

Auch kulturell könnte es passen: Obwohl in Deutschland ansässig, wird Soundcloud von zwei Schweden gegründet und geführt - Alexander Ljung und Eric Wahlforss. Die Übernahmegespräche könnte Daniel Ek sogar in seiner Muttersprache führen.

Zusammengefasst: Noch ist Spotify Marktführer im Musik-Streaming, vor Apple, Google und anderen Tech-Riesen. Ein Finanzdeal zwingt die Schweden nun zu einem baldigen Börsengang. Ein Experte ist skeptisch, ob Spotify langfristig profitabel werden kann. Dazu müsste das Unternehmen neue Geschäftsfelder finden oder die Nutzerbasis erweitern.

bento über Musik

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1. Hochriskant ????
ossimann 30.03.2016
...... Papperlapap .... für wem denn ? Die Big Player werden richtig zugreifen . Reichlich Spielgeld ist ja vorhanden z.T. für 0% . Die Rücklagenkasse ist mit Bargeld gegen Schuldenwischzettel gefüllt . Sollte der Deal in die Hose gehen füllt man neue Schuldenscheine aus . Als letzte alternativlose Mauer ist immer noch die Staatsknete in Form von Steuerzahlerhaftung bzw. - verschuldung vorhanden . Immer ran an den "Speck" nur wer wagt / riskiert , der gewinnt . Der Kleinanleger ist natürlich der Dumme wenn es in die Hose geht , er hat kein "Deppen" der dessen Verluste wieder ausbügelt , es sei denn er sitzt wie Dagobert in die Geldwanne oder verdient exorbitant dann kann er es verschmerzen .
2.
acitapple 30.03.2016
Zitat von ossimann...... Papperlapap .... für wem denn ? Die Big Player werden richtig zugreifen . Reichlich Spielgeld ist ja vorhanden z.T. für 0% . Die Rücklagenkasse ist mit Bargeld gegen Schuldenwischzettel gefüllt . Sollte der Deal in die Hose gehen füllt man neue Schuldenscheine aus . Als letzte alternativlose Mauer ist immer noch die Staatsknete in Form von Steuerzahlerhaftung bzw. - verschuldung vorhanden . Immer ran an den "Speck" nur wer wagt / riskiert , der gewinnt . Der Kleinanleger ist natürlich der Dumme wenn es in die Hose geht , er hat kein "Deppen" der dessen Verluste wieder ausbügelt , es sei denn er sitzt wie Dagobert in die Geldwanne oder verdient exorbitant dann kann er es verschmerzen .
Was für antikapitalistisches Blabla. Wann wurde je ein IT-Unternehmen vom Steuerzahler gerettet ? Eben die Schweden haben Saab skupellos bankrott gehen lassen wegen Misswirtschaft. Warum sollte das hier anders sein ? Aber Papperlapap...
3. niemand
hanfiey 30.03.2016
Ich kenne niemanden der das benutzt, wie kann ein "Dienst" so wertvoll sein wenn er dauernd Verlust einfährt?. Rocket Internet, diese Klingelabomöchtegerns immer noch als Start up zu bezeichnen ist auch nicht "state of the tech"
4.
Referendumm 30.03.2016
Zitat von ossimann...... Papperlapap .... für wem denn ? Die Big Player werden richtig zugreifen . Reichlich Spielgeld ist ja vorhanden z.T. für 0% . Die Rücklagenkasse ist mit Bargeld gegen Schuldenwischzettel gefüllt . Sollte der Deal in die Hose gehen füllt man neue Schuldenscheine aus . Als letzte alternativlose Mauer ist immer noch die Staatsknete in Form von Steuerzahlerhaftung bzw. - verschuldung vorhanden . Immer ran an den "Speck" nur wer wagt / riskiert , der gewinnt . Der Kleinanleger ist natürlich der Dumme wenn es in die Hose geht , er hat kein "Deppen" der dessen Verluste wieder ausbügelt , es sei denn er sitzt wie Dagobert in die Geldwanne oder verdient exorbitant dann kann er es verschmerzen .
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Spotify-Chef Daniel Ek leiht sich eine Milliarde Dollar? Was will der mit diesem Kleingeld? Schon Erdowahn sackt locker mal 6 Milliarde Euro for nothing ein. Bekommt man als Start-up heutzutage überhaupt noch eine Milliarde Dollar? Oder wird das wg. zu geringem Budget gleich abgelehnt? Selbst der Deutsche Bank-Schneider, ja, ja, der Jürgen, hatte mehr Geld verzockt - und das war vor über 20 Jahren.
5. Viel Glück
marimba 30.03.2016
Obwohl ich gerne Apple-Produkte einsetze, bin ich nicht daran interessiert, beim Audio-Streaming vom Hersteller abhängig zu sein. Spotify hat sich als überaus interessant, zuverlässig und innovativ herausgestellt. Und: es gibt eine Menge Produkte, die nativ Spotify 'sprechen': vom Verstärker über Smart-TVs bis zu verschiedenen Client-Apps. Die grosse Herausforderung für Spotify ist m.E. nicht unbedingt Apple (welches sich im Audio-Bereich v.a. um 'me, too kümmert). Es ist vielmehr der Umstand, dass Spotify pro abgehörten Song die Musikindustrie mit Manna beglücken muss. Das macht es enorm schwierig, mehr als ein Infrastruktur-Anbieter für Sound-Fladen zu sein. Wie im Artikel dargestellt ist eine Diversifizierung unverzichtbar.
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