Medien-Deal Funke kauft Springer-Zeitungen mit Springer-Geld

Für 920 Millionen Euro verkauft der Axel-Springer-Verlag seine Traditionsblätter "Hamburger Abendblatt", "Berliner Morgenpost" und "Hörzu" an die Funke Mediengruppe. Damit der Deal gelingen kann, leiht Springer dem Käufer sogar einen Teil des Kaufpreises.

Springer-Zeitungen aus Hamburg und Berlin: Abschied von der Tradition
DPA

Springer-Zeitungen aus Hamburg und Berlin: Abschied von der Tradition


Hamburg/Berlin/Essen - Springer-Vorstand Andreas Wiele wollte den Beschäftigten offenbar Mut machen: Man habe für sie ein "gutes neues Zuhause gefunden", sagte er bei der Mitarbeiterversammlung an diesem Donnerstag. Doch nicht alle Betroffenen sehen das so.

Der Verlag macht kurzen Prozess mit einigen seiner wichtigsten Traditionsblätter. "Berliner Morgenpost", "Hamburger Abendblatt", "Hörzu", "Bild der Frau" sowie einige weitere Programm- und Frauenzeitschriften werden an die Funke Mediengruppe verkauft, die bisher vor allem die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" herausgibt.

Wie dringend Springer seine einstigen Aushängeschilder loswerden will, zeigt eine Besonderheit des Geschäfts: Vom Kaufpreis, der insgesamt 920 Millionen Euro beträgt, werden nur 660 Millionen Euro direkt bei Vollzug fließen. Für den Rest gewährt Springer der Funke-Gruppe einen Kredit mit mehrjähriger Laufzeit. Auch bei Vermarktung und Vertrieb wollen die beiden Verlage künftig eng zusammenarbeiten und ein Gemeinschaftsunternehmen gründen.

In einer E-Mail an die Mitarbeiter, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, begründete Verlagschef Mathias Döpfner den Verkauf: "Wenn wir jetzt nicht handeln, müssten wir uns ernsthaft Sorgen machen."

Die Anleger sind offenbar begeistert von Springers Deal: Der Aktienkurs schoss am Donnerstagmorgen zeitweise um mehr als 15 Prozent nach oben.

Fotostrecke

10  Bilder
Top 10: Die größten Medienkonzerne Deutschlands
Bei den Mitarbeitern der betroffenen Zeitungen kam das Geschäft dagegen weniger gut an: Bei der Versammlung in Hamburg habe es Buhrufe gegeben, berichten Teilnehmer. Der Betriebsrat habe sich beschwert, dass "Traditionsmarken verscheuert" würden.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bezeichnete die Entscheidung des Springer-Verlags als Einschnitt und warnte zugleich vor einem Arbeitsplatzabbau. Die Funke Mediengruppe habe vor allem mit harten Sanierungsschnitten bei ihren Regionaltiteln Aufmerksamkeit erregt, teilte der Bürgermeister mit. Auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) fürchtet den Verlust von Jobs.

Bisher wurde nach Angaben der Unternehmen nur ein Vorvertrag unterzeichnet. Formell solle der Verkauf zum 1. Januar 2014 abgeschlossen werden. Zuvor müssen die Kartellbehörden noch zustimmen.

Das Bundeskartellamt kündigte bereits an, das Geschäft sorgfältig zu prüfen. "Wir werden uns das Zusammenschlussvorhaben genau ansehen müssen. Bislang liegt noch keine Anmeldung vor", sagte ein Sprecher.

"Die Entscheidung, uns von einigen der traditionsreichsten Marken des Hauses zu trennen, ist uns nicht leicht gefallen", erklärte Springer-Vorstandschef Döpfner. Ganz vom Zeitungsgeschäft trennen will sich der Verlag aber offenbar nicht. Die "Bild"- und die "Welt"-Gruppe bleiben laut Döpfner ein "unverzichtbarer Kern des Unternehmens".

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Artikels war das Zitat von Springer-Vorstand Andreas Wiele falsch wiedergegeben. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

stk/dpa/Reuters



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
krulle 25.07.2013
1. ...
Die "Bild" Gruppe bleibt ein unverzichtbarer Kern des Unternehmens? Aber "Bild der Frau" wird verkauft? ...mir fehlt da etwas...
robert.haube 25.07.2013
2.
Damit wird Deutschland regiert von Friede Springer, Liz Mohn, Petra Grotkamp und Angela Merkel.
James Agee 25.07.2013
3. Kein Mitleid
Es gibt hierzulande eben einfach zu viele Tageszeitungen, die keine Idee mehr von einem zeitgemäßen Journalismus entwickeln wollten. Das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost gehören zweifelsohne dazu. Die Springer-Politik möglichst viel redaktionell zusammenzulegen kann eben nicht funktionieren; das bewies ja auch jüngt schon das Elend bei FR und Berliner Zeitung. Ich denke indes nicht, dass der Print-Journalismus in der Krise ist. In der Krise sind Verlage und Redaktionen, die sich seit Jahren bereits einer journalistischen Totalverweigerung hingeben. Und dass die verschwinden, das kann ich nur begrüßen!
Student-Inf 25.07.2013
4. nichts neues...
wie viele Artikel brauchst zu diesem Thema noch? vorallem ist es nichts ungewöhnliches, das eine Ratenzahlung in Verträgen von diesem Volumen vereinbart wird.
de-fakto 25.07.2013
5. Man kennt es doch....
Zitat von sysopDPAFür 920 Millionen Euro verkauft der Axel-Springer-Verlag seine Traditionsblätter "Hamburger Abendblatt", "Berliner Morgenpost" und "Hörzu" an die Funke Mediengruppe. Damit der Deal gelingen kann, leiht Springer dem Käufer sogar einen Teil des Kaufpreises. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/spinger-gibt-kredit-an-funke-fuer-kauf-von-abendblatt-und-morgenpost-a-913092.html
Bei derartigen Geschäften denkt man an subtile Strategien der Geschäftsleitung/der Hauptaktionäre. Was genau da hinter steckt wird sich wohl erst ein wenig später heraus kristallisieren. Entweder man wollte das Kartellamt ausschalten und fusionieren, oder aber sich gesundschrumpfen. Teile der Illustrierten werden wohl abgewickelt und in eine Insolvenz bugsiert damit der Steuerzahler dann die Restverpflichtungen übernimmt..... Gleiche Schema wie immer...... Im großen und Ganzen gilt wohl, das gerade der Illustriertensektor bei permanent sinkendem Einkommen immer mehr unter Druck gerät. Da reicht es nicht, das man die Arztpraxen der Republik bedient, die Durchschnittsrentner von heute können sich oft schon keine Regionalzeitung mehr leisten, woran das wohl liegt?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.