Digital-Chef Jens Müffelmann Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Ex-Springer-Manager

Der Abgang von Jens Müffelmann beim Springer-Konzern geschah offenbar unfreiwillig. Laut manager-magazin-Informationen werfen Kolleginnen der langjährigen Führungskraft Übergriffe vor.

Ex-Springer-Manager Müffelmann
Axel Springer

Ex-Springer-Manager Müffelmann

Von manager-magazin-Redakteur


Am vergangenen Montag veröffentlichte die Axel Springer SE eine kurze Personalmeldung: Jens Müffelmann, Leiter des US-Geschäfts und Chef von Springers Beteiligungsarm für Digitalgeschäfte (Digital Ventures), würde den Konzern nach über 20 Jahren verlassen. "Auf eigenen Wunsch", hieß es.

Springer verkaufte den Abgang des 51-Jährigen als normalen Vorgang. "Mediendienste" vermuteten eine Abkehr des Medienkonzerns (Bild, Welt, Business Insider) von seiner Akquisitionsstrategie in den USA, die Müffelmann die letzten Jahre maßgeblich geprägt hatte.

Recherchen von manager magazin zufolge war Müffelmanns Abgang jedoch alles andere als freiwillig. Die Trennung war demnach das Resultat massiven Drucks aus der Konzernspitze, als Folge einer Untersuchung der Personalabteilung gegen den Digitalchef.

Mehrere ehemalige Springer-Kolleginnen hatten sich demnach über Übergriffe Müffelmanns beschwert. Er soll sie sexuell belästigt oder herabgewürdigt haben. Eine Mitarbeiterin warf Müffelmann etwa vor, sie gegen ihren Willen bewusst am Gesäß berührt zu haben.

Müffelmann ließ eine Anfrage zu diesen Vorwürfen unbeantwortet.

Auslöser der Untersuchung war offenbar ein Artikel des manager magazins. In dem Text über den "Diversity-Blues" in vielen Konzernen, der in der Februarausgabe erschien, findet sich ein Zitat aus einem Facebook-Post des Lieferando-Gründers Christoph Gerber. Gerber schildert darin, wie ein namentlich nicht genannter Springer-Manager einer Mitarbeiterin unangemessene Komplimente ("Du siehst ja geil aus. Hast du abgenommen?") macht und sie bei einer Veranstaltung gezielt am Po berührt. Die Personalabteilung habe ihr demnach geraten, nichts zu unternehmen, "sonst kannst du deine Karriere bei AS vergessen".

Einigung auf Aufhebungsvertrag

Bei Axel Springer löste die Anekdote Alarm aus. Vorstandschef Mathias Döpfner soll nach der Lektüre "außer sich" gewesen sein, wie Augenzeugen berichten. Der Vorstand habe daraufhin beschlossen, die Anschuldigungen zu untersuchen und sich gegebenenfalls von Müffelmann zu trennen.

In den folgenden Wochen befragten Personaler ehemalige Mitarbeiterinnen zu den Vorwürfen. Um deren Identität zu schützen, unterzeichneten beide Seiten Verschwiegenheitserklärungen. Am Ende einigte sich Springer mit Müffelmann, der die Vorwürfe stets bestritten haben soll, auf einen Aufhebungsvertrag.

Auf Anfrage betont Springer, dass vor dem Artikel im manager magazin "keinerlei Hinweise, Beschwerden oder Gerüchte zu sexuellen Belästigungen oder Äußerungen" vorlagen. "Wir haben unmittelbar nach Erscheinen des Artikels zu recherchieren begonnen und eine umfangreiche Untersuchung durchgeführt. Unsere Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass keine Gründe für eine außerordentliche Kündigung vorlagen. Wir haben dennoch das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen beendet."

Das vergleichsweise konsequente Vorgehen soll Insidern zufolge auch mit einem Führungswechsel im Personalressort zusammenhängen: Florian Klages, der im November bei Springer zum Personalchef aufstieg, verfolge bei Themen wie Sexismus und Belästigung einen härteren Kurs als seine Vorgänger.


Aus rechtlichen Gründen wurde dieser Artikel nachträglich bearbeitet.



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