Spritpreis-Beobachter Wer sparen will, tankt am frühen Abend

Die neue Markttransparenzstelle hat den Anstieg der Benzinpreise nicht gebremst. Aber sie lieferte eine wichtige Erkenntnis für Verbraucher: Am Abend ist der Sprit am billigsten.

Aral-Tankstelle in Rommerskirchen: Vorreiter bei Preisänderungen
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Aral-Tankstelle in Rommerskirchen: Vorreiter bei Preisänderungen


Bonn - Autofahrer können beim Tanken pro Liter bis zu 20 Cent sparen, wenn sie zur richtigen Zeit zur richtigen Tankstelle fahren. Das geht aus einer Auswertung der Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe durch das Bundeskartellamt hervor. Der Chef der Wettbewerbsbehörde, Andreas Mundt, appellierte an die Verbraucher, die Preise mit Hilfe von Apps oder auf Internetseiten noch intensiver zu vergleichen. "Nutzen sie es einfach, sparen sie einfach", sagte er.

Am günstigsten tanken Autofahrer nach der Datenauswertung des Kartellamtes in aller Regel in den frühen Abendstunden. Kurz vor 20 Uhr hätten die Preise meist das niedrigste Niveau des Tages erreicht, berichtete Mundt. Ab 20 Uhr würden die Preise von den Tankstellenketten in der Regel wieder angehoben - durchschnittlich um 9 Cent je Liter.

Vorreiter seien dabei meist Aral oder Shell, berichtete Mundt. Mit etwas Abstand folgten Esso und Total sowie Jet. Im Laufe des nächsten Tages gebe es dann durchschnittlich vier Preissenkungsrunden, bis der Zyklus von neuem beginne.

Für die Untersuchung hatte das Bundeskartellamt die Preisentwicklung an 120 Tankstellen in Köln und 62 Tankstellen in Leipzig von Februar bis Mai ausgewertet. Die Erfahrung spreche dafür, dass das Ergebnis auch darüber hinaus repräsentativ sei, sagte der Behördenchef.

Preisdifferenz 20 Cent

An den Kölner Tankstellen schwankten die Preise demnach im Verlauf des Tages durchschnittlich um zehn Cent, in Leipzig um acht Cent. Und wer bereit war, seiner Stamm-Tankstelle Lebewohl zu sagen, konnte sogar noch mehr sparen.

Durchschnittlich betrugen die Preisdifferenzen zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Angebot an einem Tag in Köln 20 Cent, in Leipzig 15 Cent. Der ADAC hatte kürzlich berichtet, der Benzinpreis schwanke im Durchschnitt aller Tage und Tankstellen in Deutschland im Tagesverlauf um 8 Cent, der Dieselpreis um 7,8 Cent.

Hoffnungen, die Markttransparenzstelle könne das für viele Verbraucher zum Ärgernis gewordene ständige Auf und Ab der Preise vermindern, haben sich damit nicht erfüllt. Im Gegenteil: "Die Schwankungen sind stärker als früher", meinte Mundt. Umso wichtiger sei es für die Autofahrer, die Preise zu vergleichen.

Tatsächlich ist das Interesse an dem Serviceangebot groß. Jeder vierte Deutsche habe bereits einmal den Preisvergleich via Internet genutzt. Bei den unter 40-Jährigen liege der Anteil der gelegentlichen Nutzer sogar schon bei 40 Prozent, sagte Mundt.

Umweg teurer als Ersparnis

Über 14.000 Tankstellen melden jede Preisänderung bei Super E5, Super E10 und Diesel an die vom Bundeskartellamt betriebene Übersichtsplattform. Diese Daten werden den Autofahrern inzwischen in Echtzeit von 26 Verbraucher-Informationsdiensten zugänglich gemacht.

Unumstritten ist die Einrichtung der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe dennoch nicht. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen etwa hält sie für "den größten Unsinn seit der Erfindung des Benzins". Denn die Benzinpreise würden letztlich in den Förderländern gemacht. Dort werde auch das Geld verdient, nicht beim Vertrieb in Deutschland.

Durch die zusätzlichen Kosten für die Datenbereitstellung werde das Benzin im Gegenteil sogar eher noch teurer. "Dadurch, dass zusätzliche Kosten entstehen, ist noch nie etwas billiger geworden", sagte Dudenhöffer. Ohnehin sei der Umweg oft teurer als die Ersparnis.

mik/dpa

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