Insolvenz Staatsanwälte ermitteln gegen Praktiker-Manager

Die Pleite der Baumarkt-Kette Praktiker hat möglicherweise ein Nachspiel für die verantwortlichen Manager. Staatsanwälte in Hamburg und Saarbrücken gehen dem Verdacht nach, die Zahlungsunfähigkeit könnte zu lange verschwiegen worden sein.

Ehemalige Praktiker-Filiale in Bentwisch: Verdacht der Insolvenzverschleppung
DPA

Ehemalige Praktiker-Filiale in Bentwisch: Verdacht der Insolvenzverschleppung


Saarbrücken - Ein Jahr nach der Pleite der Baumarkt-Kette Praktiker ermitteln die Staatsanwaltschaften Saarbrücken und Hamburg gegen ehemalige Vorstandsmitglieder wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, Thomas Reinhardt, der "Süddeutschen Zeitung" bestätigte. Unklar sei aber noch, welcher der zuletzt häufig wechselnden Vorstandschefs strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könne. Dafür sei entscheidend, wann genau Praktiker zahlungsunfähig war. Dies soll nun ein Gutachten klären, Ergebnisse erwartet die Staatsanwaltschaft laut dem Bericht im Herbst.

Der Praktiker-Konzern mit etwa 15.000 Beschäftigten hatte am 11. Juli 2013 Insolvenz angemeldet. Zunächst waren nur die Baumärkte der Marken Praktiker und Extra Bau+Hobby betroffen. Kurz danach wurde auch für die Märkte der Marke Max Bahr ein Insolvenzverfahren beantragt. Bis Juli 2011 leitete Wolfgang Werner die Kette, danach für einige Monate der Sanierungsexperte Thomas Fox. Darauf folgte Aufsichtsratschef Kay Hafner, zuletzt der ehemalige Aldi-Manager Armin Burger. Burger widersprach gegenüber der "SZ" den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Fox sei für eine Stellungnahme nicht zu erreichen gewesen.

mik/AFP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wolfi55 10.07.2014
1. Wann kriegt der Vorstand mit, dass man pleite ist?
Das kann man vor dem Vorstand einige Zeit verheimlichen. Normalerweise werden als Konkursanmelder rumänuische Bauern angestellt, die keine Ahnung davon haben, was da gemacht wurde. Dass da durchaus renommierte Leute tätig waren, spricht eigentlich dagegen, dass die davon frühzeitig wussten. Mit Praktiker war schon jahrelang nichts los gewesen. Die folgten dem Metroprinzip Einheitsbilligstware teuer loszuschlagen und im Zweifelsfall heftig zu bewerben. Also die dann Max Bahr übernahmen, hofften viele, dass etwas vom Glanz der Kette auf Praktiker übergehe. Pustekuchen, das Nationwide-Konzept der Metro wurde über Max Bahr gestülpt und so auch diese Marke kaputt gemacht. Ich sehe weitere Läden aus dem Metrokonzern auf dem Ast nach unten. Real ist schon deutlich auf dem Kurs und die Großmärkte werfen langer nicht mehr soviel ab, wie früher. Von daher ist die ganze Kette nahezu am Ende. Einzig Media-Markt/Saturn ist da noch am glänzen, aber auch da stinkt es, wie man an den laufenden Verfahren am LG Ingolstadt sehen kann. Und von seriös kann man bei der Kette, die z.B. nahezu täglich den Domaininhaber wechselt, nun wirklich nicht reden. Ich mache inzwischen um alles was zu dem Konzern gehört eijnen großen Bogen.
mene9999 10.07.2014
2. Reportet wird immer...
...wie es in Beraterkreisen heist. Und am Ende des Kunden waren alle Ampeln grün. Also bitte, solche haltlosen Verallgemeinerungen gegen Rumänische Bauern in deutschen Vorständen unterbleiben bitte. Ja?
Heizing 10.07.2014
3. Metro?
Zitat von wolfi55Das kann man vor dem Vorstand einige Zeit verheimlichen. Normalerweise werden als Konkursanmelder rumänuische Bauern angestellt, die keine Ahnung davon haben, was da gemacht wurde. Dass da durchaus renommierte Leute tätig waren, spricht eigentlich dagegen, dass die davon frühzeitig wussten. Mit Praktiker war schon jahrelang nichts los gewesen. Die folgten dem Metroprinzip Einheitsbilligstware teuer loszuschlagen und im Zweifelsfall heftig zu bewerben. Also die dann Max Bahr übernahmen, hofften viele, dass etwas vom Glanz der Kette auf Praktiker übergehe. Pustekuchen, das Nationwide-Konzept der Metro wurde über Max Bahr gestülpt und so auch diese Marke kaputt gemacht. Ich sehe weitere Läden aus dem Metrokonzern auf dem Ast nach unten. Real ist schon deutlich auf dem Kurs und die Großmärkte werfen langer nicht mehr soviel ab, wie früher. Von daher ist die ganze Kette nahezu am Ende. Einzig Media-Markt/Saturn ist da noch am glänzen, aber auch da stinkt es, wie man an den laufenden Verfahren am LG Ingolstadt sehen kann. Und von seriös kann man bei der Kette, die z.B. nahezu täglich den Domaininhaber wechselt, nun wirklich nicht reden. Ich mache inzwischen um alles was zu dem Konzern gehört eijnen großen Bogen.
Was hat die Pleite mit Metro zu tun? Praktiker gehört seit 2006 nicht mehr zu Metro. http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2006-04/6265906-metro-verkauft-restliche-praktiker-anteile-am-kapitalmarkt-016.htm
JaguarCat 10.07.2014
4. Je größer und komplexer strukturiert der Konzern ...
... desto schwerer ist dem Vorstand Insolvenzverschleppung nachzuweisen. Gerade bei gut eingeführten Handelskonzernen ist i.d.R. ausreichend Liquidität vorhanden, nämlich über Lieferantenkredite, wenn diese eigentlich schon längst überschuldet sind. Salopp gesagt: Es ist noch Geld in der Kasse, aber man ist dennoch pleite, weil sämtliches Geld anderen gehört. Die Überschuldung sieht man nur aus den Bilanzen, die werden aber überhaupt nur alle drei Monate aufgestellt. Zudem steckt in den Bilanzen gerade bei Firmenübernahmen jede Menge "Goodwill", also virtuelle Werte, mit denen man sich die Schuldensituation schönrechnen kann, aber eigentlich nach Insolvenzrecht nicht schönrechnen darf. In diesem "eigentlich" steckt die Crux.
GrinderFX 11.07.2014
5.
Zitat von JaguarCat... desto schwerer ist dem Vorstand Insolvenzverschleppung nachzuweisen. Gerade bei gut eingeführten Handelskonzernen ist i.d.R. ausreichend Liquidität vorhanden, nämlich über Lieferantenkredite, wenn diese eigentlich schon längst überschuldet sind. Salopp gesagt: Es ist noch Geld in der Kasse, aber man ist dennoch pleite, weil sämtliches Geld anderen gehört. Die Überschuldung sieht man nur aus den Bilanzen, die werden aber überhaupt nur alle drei Monate aufgestellt. Zudem steckt in den Bilanzen gerade bei Firmenübernahmen jede Menge "Goodwill", also virtuelle Werte, mit denen man sich die Schuldensituation schönrechnen kann, aber eigentlich nach Insolvenzrecht nicht schönrechnen darf. In diesem "eigentlich" steckt die Crux.
So ein großer Konzern rutscht aber nicht innerhalb von 3 Monaten in die Pleite. Das war denen schon lange genug bewusst und das dreisteste an der Geschichte ist ja, dass sie kurz vor der Pleite noch von guten Zahlen geredet haben und deswegen sogar die Aktien als Tipp überall geführt wurde. Paar Stunden später kam dann der Crash. Schon alleine das kann man als Betrug ansehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.