Staatsanwalt ermittelt Siemens unter Betrugsverdacht

Die Schmiergeld-Affäre ist kaum vergessen, da liefert Siemens erneut negative Schlagzeilen: Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, der Münchener Technologiekonzern könnte die Bundesagentur für Arbeit betrogen haben.

Siemens-Zentrale in München: Ombudsmann übte zunächst Kritik
dapd

Siemens-Zentrale in München: Ombudsmann übte zunächst Kritik


Hamburg - Wegen angeblich unkorrekter Geschäftspraktiken ist Siemens Chart zeigen nach SPIEGEL-Informationen erneut ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Dieses Mal geht es allerdings nicht um Schmiergeldzahlungen in Milliardenhöhe, sondern um Betrugsverdacht zu Lasten der Bundesagentur für Arbeit.

Der Konzern hatte vor vier Jahren angekündigt, eine Schulungsabteilung seines IT-Dienstleisters SBS (heute: SIS) aufzulösen, und rund drei Dutzend Beschäftigten Auflösungsverträge angeboten. Am Ende entschied sich die Bereichsleitung, den Ableger in einer anderen Einheit und mit einem Teil der Mitarbeiter fortzuführen.

Den übrigen Angestellten wurde neben einer Abfindung der Wechsel in eine Qualifizierungsgesellschaft angeboten; für sie beantragte der Konzern Zuschüsse der Bundesagentur, obwohl die Betriebseinheit teilweise weiter bestand. Einige der Ausgeschiedenen alarmierten daraufhin erbost einen Siemens-Ombudsmann. Die Vorgehensweise der SBS-Leitung soll von ihm zunächst kritisiert, dann aber angeblich akzeptiert worden sein. Auch die Konzern-Compliance-Abteilung unter ihrem Chef und neuen Ferrostaal-Antikorruptionsbeauftragten Andreas Pohlmann soll keine Verstöße festgestellt und ihre Untersuchung vor einigen Monaten beendet haben.

Nachdem vor einigen Wochen bei der Münchner Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstattet wurde, ermittelt nun die Behörde gegen mehrere Siemens-IT-Führungskräfte wegen Betrugsverdachts. Der Ombudsmann wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern, dem Konzern selbst war bis Mitte dieser Woche von einem Verfahren nichts bekannt.

mik



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anders_denker 21.05.2010
1. pr verdächtig
gegen unzählige sozialbetrüger ermittelt niemand. wobei ich mir im geschilderten fall fast schwertue eine vorsätzliche leistungserschleichung zu unterstellen. ganz im unterschied zu vielen direkten leistungsbeziehern. aber simens, he da kann die presse wieder bashing betreiben. guten rat an simens: da ihr eh schon negative pr habt, liefert doch einfach die entlassungen nach. verzinst natürlich!
WederLinksNochRechts 21.05.2010
2. Anders denkend, wa
Zitat von anders_denkergegen unzählige sozialbetrüger ermittelt niemand. wobei ich mir im geschilderten fall fast schwertue eine vorsätzliche leistungserschleichung zu unterstellen. ganz im unterschied zu vielen direkten leistungsbeziehern. aber simens, he da kann die presse wieder bashing betreiben. guten rat an simens: da ihr eh schon negative pr habt, liefert doch einfach die entlassungen nach. verzinst natürlich!
Was verstehen Sie unter "unzählig"? Und wenn die Zuschüsse hier wie geschildert bezogen wurden, ist hier definitv was falsch. Zudem: ich weiß ja nicht, ob Sie's wussten, aber viele Menschen in diesem Land sind bereits arm oder nah dran und benötigen staatliche Hilfe. Siemens ist weit davon entfernt, arm zu sein. "Anders" denken ist halt nicht immer automatisch auch richtig.
Eppelein von Gailingen 21.05.2010
3. Siemens unter erneutem Betrugsverdacht
Zitat von sysopDie Schmiergeld-Affäre ist kaum vergessen, da liefert Siemens erneut negative Schlagzeilen: Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, der Münchener Technologiekonzern könnte die Bundesagentur für Arbeit betrogen haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,696006,00.html
Wer bei Siemens arbeitete, wurde seit jeher wie ein fieser Beamter angesehen. Dieser behäbige Apparat wurde wie eine Beamtenhirarchie geführt. Wer einen Onkel, Cousin oder noch entfernteren Verwandten in der zentralen Verwaltung Erlangen sitzen hatte, bekam Posten, wie sie der FJS einst nach Gutdünken in der CSU verteilte. Siemens war der Konzern mit dem größten, unproduktivsten Leerlauf - ein träger Beamtenklotz einfach. Wie bei der Katholischen Kirche drang nichts nach außen, was die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen hätte. Notwendigkeiten wären genug vorhanden gewesen. Siehe die gesamten Mauscheleien bis inkl. Aera Pierer/Kleinfeld. Jetzt hat man wieder geträuscht und getrickst. Dies wird noch 1 oder 2 Jahrzehnte weiter gehen.
Burkhardt1949, 21.05.2010
4. Pr Gau
Zitat von sysopDie Schmiergeld-Affäre ist kaum vergessen, da liefert Siemens erneut negative Schlagzeilen: Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, der Münchener Technologiekonzern könnte die Bundesagentur für Arbeit betrogen haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,696006,00.html
Unglaublicher PR Gau. Da kann einem Siemens nur leid tun. Aber eine unabhängige Justiz muss ohne Ansehen der Person oder des Unternehmens ermitteln. Warum bei mittelständischen Firmen solche Verstöße oft nicht verfolgt werden? Weil sie dort von Mitarbeitern meist nicht angezeigt werden.
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