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Riester-Betrugsverdacht: Staatsanwälte ermitteln gegen Ergo-Mitarbeiter

Der Verdacht lautet auf "vollendeten Betrug" in gut 3500 Fällen: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt laut "Handelsblatt" gegen Mitarbeiter von Ergo wegen fehlerhafter Abrechnungen von Riester-Renten. Die bereits von Ergo gezahlte Entschädigung könnte zu niedrig sein.

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DPA

Ergo-Zentrale in Düsseldorf: Zu spät reagiert

Düsseldorf - Ergo versucht derzeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen, vor wenigen Tagen startete der Versicherungskonzern im Internet eine "Transparenzoffensive" zu früheren Lustreisen ihrer Vertreter. Doch nun droht Ergo in einem anderen Fall neuer Ärger: Laut einem Bericht des "Handelsblatts" ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen vier frühere und aktive Ergo-Führungskräfte wegen des Verdachts auf Betrug. Gegen sieben weitere Manager werde wegen Beihilfe zum Betrug ermittelt. Es geht um die fehlerhafte Abrechnung Tausender Riester-Verträge.

Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers wollte dem Bericht zufolge keine Angaben zum Stand des Verfahrens machen und bestätigte lediglich, dass die Ermittlungen andauern. Die Tochter des Versicherungskonzerns Munich Re Chart zeigen bestritt den Vorwurf. "Ein strafrechtlich relevantes Handeln der beschuldigten Personen sehe ich nicht", sagte Johannes Lörper, Vorstandsmitglied der Ergo Lebensversicherung AG, der Zeitung. "Aber selbstkritisch müssen wir sagen: Schon als der Fehler im Herbst 2005 bekannt wurde, hätten wir reagieren müssen."

Anstoß für die Ermittlungen sind Tausende fehlerhafte Abrechnungen von Riester-Verträgen aus den Jahren 2005 und 2006. Sie wurden laut Ergo durch einen Druckfehler versehentlich zu falschen Kosten abgerechnet. Die Kunden zahlten dadurch 25 Prozent mehr als vertraglich vereinbart. Insgesamt ging es um rund eine Million Euro. Als ein Kunde den Fehler im Oktober 2005 bemerkte, zog die Versicherung daraus sechs Jahre lang keine Konsequenzen. Der Kunde wurde zwar entschädigt, die anderen aber nicht.

"Ich persönlich habe den Eindruck, dass man auch gar nicht so genau alle Fälle wissen will, da eine Korrektur nur händisch mit erheblichem Aufwand möglich ist", zitiert das "Handelsblatt" einen Abteilungsleiter, der im Zuge der Aufklärung um Stellungnahme gebeten wurde. Erst nachdem der Fehler öffentlich wurde, entschädigte Ergo im Jahr 2011 alle 12.000 Kunden.

Laut "Handelsblatt" reicht dies bei rund einem Viertel von ihnen möglicherweise nicht aus. Diese Kunden stornierten ihre Verträge oder wechselten zu einer anderen Versicherung. Dadurch sei es zu niedrigeren Rückkaufs- oder Übertragungswerten gekommen als vertraglich vereinbart. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hege in 3552 Fällen den Verdacht eines "vollendeten Betrugs". Betrug kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

dab/dpa-AFX

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insgesamt 33 Beiträge
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1. Strafrahmen ist bis 10 Jahre
ma_fer 04.10.2012
Bei 3500 Fällen handelt es sich grundsätzlich um einen Betrug in gewerblichen Ausmaß. Der Strafrahmen beträgt 6 Monate bis 10 Jahre.
2.
frietz 04.10.2012
Zitat von sysopDPADer Verdacht lautet auf "vollendeten Betrug" in gut 3500 Fällen: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt laut "Handelsblatt" gegen Mitarbeiter von Ergo wegen fehlerhafter Abrechnungen von Riester-Renten. Die bereits von Ergo gezahlte Entschädigung könnte zu niedrig sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/staatsanwaltschaft-ermittelt-gegen-ergo-mitarbeiter-a-859397.html
da wurde die riester-rente schon für die versicherungen eingeführt und nun müssen die trotzdem noch betrügen.
3. Versicherungen und Vertrauen?!
svenhh 04.10.2012
Gut, dass ich meinen Riestervertrag stillgelegt habe und alle anderen Versicherungen wurden genau geprüft. Ich vertraue keiner Versicheurng udn Bank mehr. Alles Verbrecher! Hauptsache immer schön die Prämien kassieren... Was hat wohl mein ehermalöiger Versicherungvertreter für eine Altervorsorge. Genau, Prämienzahlungen angelegt in eine Wohnung und Ferienwohnung am Meer. Soviel dazu....
4. Es dürfte hierbei sein wie bei der Presse:
prontissimo 04.10.2012
Zitat von ma_ferBei 3500 Fällen handelt es sich grundsätzlich um einen Betrug in gewerblichen Ausmaß. Der Strafrahmen beträgt 6 Monate bis 10 Jahre.
Man konnte wie Wahrheit sagen, mußte es aber nicht. Dann wäre ja das ganze schöne Geld wieder futsch gewesen...... Und die Boni geschrumpft.
5. Wieder einmal die ERGO
HEK 04.10.2012
Schon als die Gesellschaft noch Hamburg-Mannheimer hiess war der Ruf mies, daran konnte auch Werbeonkel Kaiser nichts ändern. Die Umbenennung in ERGO schien wie ein Image-Befreiungsschlag. Das bringt aber nichts, wenn Managementstil, Drückerkolonnenmentalität und mangelnde Firmenkultur einer Besserung im Wege stehen. Ergo: Finger weg von der ERGO!
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