Gewerbsmäßiger Betrug: Staatsanwaltschaft klagt Ex-Teldafax-Vorstände an

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Insolvenzverschleppung Anklage gegen die drei Ex-Vorstandschefs des insolventen Billigstromanbieters Teldafax erhoben - ihnen drohen hohe Haftstrafen. Das Insolvenzverfahren gilt als das größte der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Teldafax-Zentrale in Troisdorf: Anklage wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung Zur Großansicht
DPA

Teldafax-Zentrale in Troisdorf: Anklage wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung

Bonn - Das Insolvenzverfahren gegen den zusammengebrochenen Billigstromanbieter Teldafax gilt - gemessen an der Zahl der bis zu 700.000 Gläubiger - als das größte der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Den früheren Verantwortlichen drohen jetzt hohe Haftstrafen. Die Staatsanwaltschaft Bonn hat Anklage gegen die Ex-Vorstandschefs Michael Josten, Klaus Bath und Gernot Koch erhoben, wie die Behörde am Freitag mitteilte. Die Staatsanwaltschaft bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatt".

Den beiden Ex-Vorstandschefs Klaus Bath und Gernot Koch sowie Firmengründer Michael Josten werde Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßiger Betrug in 241 Fällen vorgeworfen, hieß es. Die Teldafax Holding war nach den Erkenntnissen der Ermittler spätestens Mitte 2009 zahlungsunfähig und überschuldet. Der Energiediscounter hatte aber erst im Juni 2011 Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Im September desselben Jahres wurde vom Amtsgericht Bonn das Insolvenzverfahren eröffnet.

Josten war Vorstandsvorsitzender von 2004 bis 2007, Bath Vorstandsvorsitzender von 2007 bis 2011 und Koch Vorstandsvorsitzender in den letzten drei Wochen vor dem Insolvenzantrag im Juni 2011. Zu Details wollte sich die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern, es seien weitere Verfahren möglich, schreibt das "Handelsblatt". Kenner des Verfahrens rechnen dem Bericht zufolge mit Haftstrafen von fünf bis zehn Jahren.

Der Insolvenzverwalter Biner Bähr fand bei seiner Ankunft Berge ungeöffneter Post. Das Callcenter war zusammengebrochen, die massenhaften Beschwerden und Mahnungen türmten sich in den Fluren, schreibt die Zeitung. Täglich seien laut Bähr 20 bis 40 Postkisten hinzugekommen.

Für die Verantwortlichen des Chaos wird es nun eng. Die Staatsanwaltschaft kann ihre Anklage auf Beweise stützen. In internen Unterlagen stellten die Beschuldigten bereits zwei Jahre vor dem Crash die Überschuldung des Unternehmens fest. Das Handelsblatt zitiert aus einem Brief des Teldafax-Vorstands vom 9. Juli 2009 an den Aufsichtsrat: "In der Kalenderwoche 25 wurde der Tatbestand der Zahlungsunfähigkeit festgestellt." Statt aber Insolvenz zu beantragen, hielt der Vorstand die Firma noch zwei Jahre in Gang.

nck/dpa

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1. Die Staatsanwaltschaft
kdshp 15.02.2013
Zitat von sysopDie Staatsanwaltschaft Bonn hat wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Insolvenzverschleppung Anklage gegen die drei Ex-Vorstandschefs des insolventen Billigstromanbieters Teldafax erhoben - ihnen drohen hohe Haftstrafen. Das Insolvenzverfahren gilt als das größte der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Staatsanwaltschaft klagt Ex-Teldafax-Vorstände wegen Betrugs an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/staatsanwaltschaft-klagt-ex-teldafax-vorstaende-wegen-betrugs-an-a-883577.html)
Als wenn einer von denen je in haft geht bei unserer kuschel justiz!
2. Was ist mit Flex-Strom?
Ausfriedenau 15.02.2013
Flex-Strom ist ebenfalls ein Billigstromanbieter, der bisher eine Menge mit der Justiz zu tun hatte. Bekanntlich haben die den Kunden den vereinbarten Bonus nicht ausgezahlt und wurden m.W. von verivox wegen unseriösen Verhaltens aus der Liste der Stromanbieter genommen.
3. Ob deren Privarvermögen denn schon beschlagnahmt
si tacuisses 15.02.2013
Zitat von sysopDie Staatsanwaltschaft Bonn hat wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Insolvenzverschleppung Anklage gegen die drei Ex-Vorstandschefs des insolventen Billigstromanbieters Teldafax erhoben - ihnen drohen hohe Haftstrafen. Das Insolvenzverfahren gilt als das größte der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Staatsanwaltschaft klagt Ex-Teldafax-Vorstände wegen Betrugs an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/staatsanwaltschaft-klagt-ex-teldafax-vorstaende-wegen-betrugs-an-a-883577.html)
und die Konten gesperrt wurden, Wie der Fiskus das bei 50 € nicht rechtzeitig beglichener Steuerschuld zu machen pflegt ? Vermutlich nicht. Kann SPON da mal recherchieren ?
4. 5 - 10 Jahre?
derlabbecker 15.02.2013
Zitat von sysopDie Staatsanwaltschaft Bonn hat wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Insolvenzverschleppung Anklage gegen die drei Ex-Vorstandschefs des insolventen Billigstromanbieters Teldafax erhoben - ihnen drohen hohe Haftstrafen. Das Insolvenzverfahren gilt als das größte der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Staatsanwaltschaft klagt Ex-Teldafax-Vorstände wegen Betrugs an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/staatsanwaltschaft-klagt-ex-teldafax-vorstaende-wegen-betrugs-an-a-883577.html)
nie.... die kommen jeder mit mindestens 5 Anwälten, die an den ersten 10 Verhandlungstagen abwechselnd Befangenheitsanträge stellen (die Oma von Richter XY war Teldafax-Kunde der ist befangen usw.....), und je länger das alles dauert, um so eher wird die Anklage bereit sein einen Deal zu machen. Und beim Deal kommen die mit unter 5 Jahren davon...
5. Flexstrom - der nächste heiße Kandidat
Hartmut Schwensen 15.02.2013
Wir haben alle Lastschriften zurückgeben lassen und den Anbieter aufgefordert, eine Zwischenabrechnung zu machen. Per Einschreiben. Reaktionvon Flexstrom: Keine. Schön sind auch die Anrufe nach Berlin: "Sind Sie von den Stadtwerken?" - "Nein, wir möchten gerne unseren Strom zahlen!" - "Da darf ich Sie leider nicht durchstellen..." Meine These: Flexstrom ist ein ganz heißer Kandidat für die nächste Insolvenz.
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