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Staatseinstieg bei EnBW: Mappus flüchtet in den Strom-Sozialismus

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Baden-Württemberg übernimmt die Macht beim Energieriesen EnBW - für satte 4,7 Milliarden Euro. Offenbar zahlt CDU-Ministerpräsident Mappus so viel Geld, um eine feindliche Übernahme zu verhindern. Insider munkeln über einen drohenden Gazprom-Einstieg.

EnBW-Stromleitungen: Der französische Aktionär EdF hat sein Interesse verloren Zur Großansicht
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EnBW-Stromleitungen: Der französische Aktionär EdF hat sein Interesse verloren

Berlin - Stefan Mappus und EnBW Chart zeigen verbindet eine lange Geschichte. Als das Land Baden-Württemberg seinen Anteil an dem Stromkonzern 1999 verkaufte, war der aufstrebende CDU-Jungpolitiker nicht gerade begeistert. Mittlerweile ist Mappus Ministerpräsident im Ländle - und sorgt nun dafür, dass die Entscheidung von damals rückgängig gemacht wird: Der drittgrößte Energieversorger der Republik kommt wieder unter staatliche Fittiche.

Über die landeseigene Holding-Gesellschaft Neckarpri übernimmt die Landesregierung den 45-Prozentigen EnBW-Anteil des französischen Energieversorgers Electricité de France (EdF) Chart zeigen. Der Preis: rund 4,7 Milliarden Euro. Der Vorgang ist durchaus bedeutsam. Dass ein Bundesland im großen Stil bei einem Konzern einsteigt - damit hatten nur wenige gerechnet. Es ist eine Art von schwäbischem Strom-Sozialismus.

Die Gründe für die überraschende Transaktion klingen einleuchtend - zumindest vordergründig. Die Franzosen hatten die Lust an ihrem EnBW-Engagement verloren, nachdem man ihnen allzu deutlich signalisiert hatte, dass die Übernahme der Mehrheit wohl keine Option sei. Die Macht sollte in der Hand der baden-württembergischen Kommunen bleiben, die rund die Hälfte der EnBW-Anteile halten.

Die Landesregierung bot sich deshalb an, das EdF-Paket zu übernehmen - und versüßte den Franzosen die Offerte mit einer kleinen Prämie: Pro Aktie bezahlt das Land 41,50 Euro, also 5,50 Euro mehr als die Papiere an der Börse kosteten, bevor das Geschäft bekannt wurde.

Die Franzosen sollen verdächtig schnell in das Geschäft eingewilligt haben

Aber ist dieser Betrag wirklich gerechtfertigt? Immerhin ist es das Geld der baden-württembergischen Steuerzahler, das Ministerpräsident Mappus ausgeben will. Analysten jedenfalls halten den Preis für ziemlich übertrieben. Christian Kleindienst von UniCredit etwa sieht überhaupt keinen Grund, in Zeiten wie diesen einen solchen Zuschlag anzubieten. "Eine Prämie in der Höhe fällt nur an, wenn ein echter Konkurrenzkampf zu erwarten ist", erklärt er. Auch hätten die Franzosen verdächtig schnell in das Geschäft eingewilligt.

Die Frage ist also: Welchen unliebsamen Konkurrenten wollte die Landesregierung ausstechen?

Offiziell äußert sich die Landesregierung dazu nicht. Doch in den Fluren des Stuttgarter Staatsministeriums an der Richard-Wagner-Straße heißt es, es habe Indizien dafür gegeben, dass andere Käufer bereitstünden. Nichts konkretes, aber Anlass genug, um schnell zu reagieren. "Man weiß ja, wer sich intensiv für Beteiligungen in Westeuropa interessiert", sagt ein Insider. "Stichwort Energieversorgung aus einer Hand - von der Quelle bis zum Verbraucher." Der Slogan stammt von dem russischen Megakonzern Gazprom Chart zeigen - auch wenn kein Landespolitiker den Namen in den Mund nehmen möchte.

Bei Gazprom selbst gibt man sich überrascht. "Wir sind grundsätzlich an Engagements in Europa interessiert, wenn sie der unternehmerischen Logik folgen", sagt Burkhard Woelki, Sprecher von Gazprom Germania. Von Gesprächen über eine Beteiligung an EnBW wisse er allerdings nichts.

Wollte Mappus einfach nur jedes Risiko ausschließen?

Zwingend logisch wäre ein Gazprom-Einstieg bei EnBW ohnehin nicht. Als drittgrößter Energieversorger Deutschlands nach E.on Chart zeigen und RWE Chart zeigen nutzt EnBW in erster Linie Atomkraft und Kohle für die Produktion von Strom. Der Einstieg hätte Gazprom also zusätzlich noch viel Geld für den Bau neuer Gaskraftwerke gekostet - ganz abgesehen von den Bedenken, die die Kartellbehörden wohl vorgebracht hätten.

Gut möglich also, dass Mappus den Aufpreis bezahlt hat, nur um jedes Risiko auszuschließen. Vielleicht, so mutmaßen Energieexperten, fürchtete er einfach, dass ihm durch den Einstieg unliebsamer Investoren die Kontrolle entgleitet. Eine nachvollziehbare Sorge - so kurz vor den Landtagswahlen im März.

Aber kommt der Aktiendeal beim Wähler wirklich gut an? Müssen die Steuerzahler nicht um ihr eingesetztes Geld bangen?

Nicht unbedingt. Der Landesherr rechnet nach eigenen Angaben sogar mit einem Plus für die Staatskasse. Der Trick: Der Handel soll durch die Ausgabe von Anleihen finanziert werden, deren Zinsen so niedrig sind, dass sie aus den von EnBW erzielten Gewinnen bedient werden können. Mittelfristig plant das Land ohnehin wieder den Ausstieg bei EnBW. Die landeseigenen Aktien sollen über die Börse verkauft werden - und zwar an möglichst viele Investoren, nicht an einen großen.

Ein neuer nationaler Champion aus Baden-Württemberg?

Gleichwohl bleibt ungewiss, ob Baden-Württemberg den Konzern zu gleichem Preis an die Börse bringen kann, zu dem es die Aktien nun kauft. Denn Beobachter halten das Risiko für groß, dass Gerichte die Laufzeitverlängerung für Deutschlands Atomkraftwerke stoppen könnten. Damit aber würde ein wichtiger Pfeiler des EnBW-Geschäftsmodells wegbrechen - mit entsprechenden Folgen für den Aktienkurs. Zudem beharrt das Unternehmen als einziger der vier großen Stromversorger auf dem Besitz seines Stromleitungsnetzes. Damit ist ein Konflikt mit der EU-Kommission programmiert - denn die drängt die Energiekonzerne seit langem zum Verkauf. Die EnBW-Konkurrenten E.on und Vattenfall haben ihr Netz bereits veräußert.

Von solchen "Schwarzmalereien" will man im Stuttgarter Staatsministerium allerdings nichts wissen. Unter dem Strich habe man ein gutes Geschäft gemacht, heißt es dort. Schließlich habe man die landeseigenen Anteile 1999 inflationsbereinigt für rund 45 Euro pro Aktie verkauft - und EnBW habe seitdem seinen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verdreifacht.

Der Lackmustest dürfte indes noch eine Weile auf sich warten lassen. Denn die Landesregierung will die Aktien erst dann an der Börse platzieren, wenn die Zeit günstig ist. Ob dies in neun Monaten oder zweieinhalb Jahren der Fall sein wird, ließ Mappus offen.

Ein Ziel formuliert der Ministerpräsident aber schon: EnBW soll zum Dax-Konzern aufsteigen. Neben Daimler Chart zeigen, HeidelbergCement Chart zeigen und SAP Chart zeigen würde das Land dann über vier nationale Champions verfügen.

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Walter Sobchak 06.12.2010
Was ist das denn bitte fuer ein Aufmacher? "Strom-Sozialismus"? Wichtige Schluesselversorgungen wie Bahn, Strasse und Energie gehoeren nunmal in Staatshand. Alles andere ist einfach Unsinn und hat uns dahin gebracht wo wir jetzt stehen mit diesen Privatunternehmen.
2. t
loncaros 06.12.2010
Blödsinn, BW kauft EnBW weil sie jetzt mehr Plätze in den Organen brauchen um die durch S21 beendeten Politikerkarrieren aufzufangen.
3. Stromsozialismus?
Kaiserbubu 06.12.2010
Typisch Spiegel Sprech! Das wäre ja mal ein Ding wenn Strom tatsächlich dem Volk gehören würde. Aber nein, leider werden wir nach wie vor zu Gunsten von einer kleinen Elite von den Stromkonzernen ausgezogen. Stromsozialismus, ja bitte!
4. klug
Eutighofer 06.12.2010
Mappus handelt klug. Er gibt ja nicht Milliarden für irgendeinen Unsinn aus sondern kauft damit Anteile an einem hoch profitablem Energieunternehmen. Ein anderer Investor (Gazprom ? Hedgefond?) wäre kaum die bessere Alternative.
5. Naja ...
funkster 06.12.2010
... für die 5,50 pro Aktie extra (wie viele wurden denn da verschoben -- bzw. was macht das in der Summe?), da wird sich sicherlich jemand mit einem Berater- oder Aufsichtsratsposten bei Herrn Mappus bedanken. Schön für Ihn!
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Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.


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