Staatshilfe: Citigroup kündigt Rückzahlung von 20 Milliarden Dollar an

Das alte Selbstbewusstsein ist wieder da: Knapp ein Jahr nach dem Erhalt von Staatsgeldern will die Citigroup wieder unabhängig werden. Die Rückzahlung der Hilfen sei nur noch eine Frage der Zeit, ließ eine der ehemals weltweit größten Banken wissen.

Logo der Citigroup in New York: Rückzahlung "eher eine Frage des Zeitpunkts als der Kapazität" Zur Großansicht
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Logo der Citigroup in New York: Rückzahlung "eher eine Frage des Zeitpunkts als der Kapazität"

New York - Der Jahrestag des Lehman-Crashs ist gerade erst vorbei, da will man den Finanzcrash endgültig vergessen machen: Die Citigroup Chart zeigen rüstet sich für die Rückzahlung von Staatshilfen in Höhe von 20 Milliarden Dollar - rund ein Jahr, nachdem sie vom amerikanischen Staat gestützt werden musste. Voraussetzung seien weitere konkrete Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung, sagte Vorstandschef Vikram Pandit am Mittwoch.

Tatsächlich scheint die bei einem der ehemals weltweit größten Kreditinstitute schon angekommen zu sein: Dem Geldhaus stünde ausreichend Kapital für die Begleichung der Regierungsschulden zur Verfügung, sagte Pandit weiter. "Für uns ist es wirklich eher eine Frage des Zeitpunkts als der Kapazität." Seine Aussagen sind bislang der deutlichste Hinweis auf Schritte der Citigroup zur Rückzahlung der Gelder, mit denen die Regierung in Washington das Institut seit Oktober 2008 stützte.

Ob sich die Citigroup allerdings so leicht freikaufen kann, ist fraglich. Erst vor zwei Tagen hatte die US-Regierung signalisiert, zunächst offenbar keine weiteren staatlich gestützten Finanzinstitute aus ihrer Kontrolle entlassen zu wollen. Einige der größten Banken würden nicht vor Ende des Jahres eine Genehmigung zur Rückzahlung der milliardenschweren Staatshilfen erhalten, hieß es am Jahrestag der Lehman-Pleite in Washington. Am 15. September 2008 hatte die Investment-Bank überraschend Insolvenz angemeldet und damit die internationalen Finanzmärkte erschüttert. Die US-Regierung hatte damals mehreren Kreditinstituten Staatshilfe aufgezwungen, um das Finanzsystem zu stabilisieren.

Mitte Juni hatte die US-Regierung zehn Großbanken die Erlaubnis erteilt, Staatshilfen zurückzuzahlen. Damals flossen insgesamt 68 Milliarden Dollar an das Finanzministerium, unter anderem von JP Morgan Chase, Morgan Stanley Chart zeigen und Goldman Sachs Chart zeigen. Die Bank of America Chart zeigen und die Citigroup erhielten dagegen bislang noch keine Berechtigung, Hilfen zurückzahlen zu dürfen. Die Geldhäuser wollen die Hilfen aus dem sogenannten Tarp-Programm rasch zurückgeben, um den Einfluss der Regierung auf Managergehälter und Dividendenzahlungen zu beenden.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) drängt die Regierungen allerdings zu einem Stopp der Hilfen für die Finanzbranche. Der IWF hält staatliche Stützungsmaßnahmen für die globalen Finanzmärkte zwar noch für nötig, plädiert aber für eine klarere "Ausstiegsstrategie".

sam/Reuters

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Chronik der Pleite
September 2008
15. September - der schwarze Montag: Die Investmentbank Lehman Brothers muss Insolvenz anmelden. Der Anfang einer verheerenden, globalen Kettenreaktion. Zu eng ist die Finanzbranche verstrickt, als dass sie eine solche Mega-Pleite aushält. Noch dazu wird an diesem Tag noch der Lehman-Konkurrent Merrill Lynch von der Bank of America aufgekauft. Das Vertrauen der Banker in die eigene Zunft ist erschüttert. Die Börsen weltweit brechen ein.

19. September: Die US-Regierung kündigt ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket für die Finanzbranche an.

25. September: Die größte US-Sparkasse Washington Mutual bricht zusammen, wird von der Großbank aufgefangen.

29. September: Die Krise erreicht endgültig Deutschland. Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) muss ein 35 Milliarden Euro schweres Rettungspaket geschnürt werden.
Oktober 2008
5. Oktober: Die Bundesregierung verkündet eine Komplettgarantie für private Einlagen. Das Rettungspaket für die Hypo Real Estate muss von 35 auf 50 Milliarden Euro aufgestockt werden.

8. Oktober: Sechs große Notenbanken senken gemeinsam die Leitzinsen. Die Panik an den Börsen können sie nur kurz eindämmen.

13. Oktober: Die Bundesregierung stellt ein gigantisches Banken-Rettungspaket im Volumen von 500 Milliarden Euro vor. Frankreich präsentiert einen 360 Milliarden Euro schweren Hilfsplan. Andere EU-Länder schnüren ebenfalls Notpakete.

21. Oktober: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schlägt die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien vor. Berlin lehnt dies ab.

23. Oktober: Die Krise schwappt in die Realwirtschaft, als erstes trifft es die Autobranche. Die US-Hersteller kämpfen ums nackte Überleben. Auch der Ertrag von Mercedes-Benz bricht im dritten Quartal ein.

29. Oktober: Die US-Notenbank Fed senkt den Leitzins angesichts düsterer Konjunkturerwartungen um 0,5 Prozentpunkte auf einen Prozent.
November 2008
3. November: Die Commerzbank - das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut - sowie die Landesbanken HSH Nordbank und WestLB müssen das deutsche Rettungspaket in Anspruch nehmen.

5. November: Die Bundesregierung beschließt ein rund 12 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket. Sie hofft, Investitionen von 50 Milliarden Euro anstoßen und eine Million Jobs sichern zu können.

6. November: Die EZB senkt erneut drastisch die Leitzinsen auf 3,25 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert, dass erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg praktisch alle Industriestaaten in die Rezession rutschen werden.

9. November: China kündigt ein fast 600 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket für die beiden kommenden Jahre an.

13. November: Deutschland ist offiziell in der Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte in zwei Quartalen in Folge.

14. November: Der Autobauer Opel bittet die Bundesregierung um Bürgschaften von gut einer Milliarde Euro. Der Anfang eines zähen Kampfs ums Überleben.

19. November: Die Finanzkrise erreicht die Chemiebranche. Der Branchenführer BASF drosselt die Produktion um 20 bis 25 Prozent.

25. November: Die US-Notenbank kündigt ein 800 Milliarden Dollar schweres Programm zum Aufkauf toxischer Wertpapiere an. Das gewaltige Volumen ist ein Alarmsignal.

26. November: Die EU-Kommision schlägt ein 200 Milliarden Euro umfassendes Konjunkturpaket vor.

28. November: Die Dimension der Krise der BayernLB wird deutlich. Sie braucht Unterstützung von insgesamt 30 Milliarden Euro. Die Bank will 5600 Stellen streichen und das Auslandsgeschäft kappen.
Dezember 2008
4. Dezember: Die EZB senkt den Leitzins von 3,25 auf 2,50 Prozent. Die Wirtschaftskrise erreicht die IT-Branche auf breiter Front. Nokia senkt die Absatzprognose zum zweiten Mal in drei Wochen. Der Chiphersteller AMD kündigt einen Umsatzeinbruch von 25 Prozent an. Der US-Telekomkonzern AT&T streicht 12.000 Jobs. Wenige Tage später schließt sich Sony mit dem Abbau von 16.000 Stellen an.

8. Dezember: Die Krise sorgt für einen Paukenschlag in der Medienbranche. Der US-Zeitungskonzern Tribune, zu dem unter anderem die "Los Angeles Times" und die "Chicago Tribune" gehören, beantragt ein Insolvenzverfahren mit Gläubigerschutz.

16. Dezember: Die US-Notenbank Fed senkt den Leitzins praktisch auf null Prozent und will die Notenpresse anwerfen, um die Rezession abzuwenden.