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Stabile Währung: Warum der Euro die bessere D-Mark ist

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Der Euro? Ach Gott, das ist doch diese butterweiche Währung, die uns eine hohe Inflation eingebrockt hat. So denken die meisten Deutschen. Aber sie irren. Das europäische Geld ist extrem stabil - und sogar härter als die heißgeliebte D-Mark.

Euro-Bargeldeinführung 2002: Im Schnitt nur 1,5 Prozent Inflation pro Jahr Zur Großansicht
dapd

Euro-Bargeldeinführung 2002: Im Schnitt nur 1,5 Prozent Inflation pro Jahr

Der Euro hatte wahrlich keinen guten Start als Bargeld. Kaum waren die neuen Scheine und Münzen im Januar 2002 verteilt, rundeten fast alle Einzelhändler und Gastwirte bei der Umstellung von der D-Mark sehr großzügig auf.

Wie hoch die gefühlte Inflation damals war und heute noch immer ist, zeigt sich am Schimpfwort "Teuro". Die französischen und spanischen Händler und Kneipiers verhielten sich nicht vorbildlicher als ihre deutschen Kollegen. Für die Bundesbürger barg das üppige Preisplus aber ein deutlich größeres psychologisches Problem.

Der Mythos der D-Mark als harter Währung begründete sich durch ihren geringen Wertverlust. Nach der Hyperinflation in den zwanziger Jahren und der Währungsreform 1948 mussten sich die Bundesbürger über Jahrzehnte keine Sorgen mehr um ihr Geld machen.

"Alle Deutschen glauben an die Bundesbank"

Wie sehr sich das Primat der Währungsstabilität von einer Generation zur nächsten vererbte, zeigt ein Bonmot von Jacques Delors. Der ehemalige Präsident der EU-Kommission merkte einst süffisant an: "Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle an die Bundesbank."

Dass eine stahlharte Währung besser ist als eine butterweiche, daran besteht kein Zweifel. Ob der Euro weniger Preisstabilität gebracht hat als die D-Mark, lässt sich allerdings nicht am Bier- und Joghurtpreis festmachen.

Die wahrgenommene Inflation war seit der Euro-Einführung fast immer deutlich höher als die tatsächliche. Im Jahr 2002, als die Euro- die D-Mark-Scheine in den Portemonnaies verdrängten, lag die tatsächliche Geldentwertung bei 1,5 Prozent, die empfundene aber bei rund zwölf Prozent. Also dem Achtfachen.

Nur 1,5 Prozent Inflation pro Jahr

Der gravierende Unterschied lässt sich erklären: Bei der gefühlten Inflation wird ein Warenkorb berücksichtigt, der vor allem aus häufig gekauften Artikeln besteht. Langfristige Anschaffungen wie Autos oder regelmäßige, hohe Ausgaben wie die Miete werden nicht berücksichtigt. Sie sind nur Bestandteil des offiziellen Warenkorbes.

Nach einer Analyse des Bundesverbands deutscher Banken lag die Inflation in Deutschland seit Einführung der Gemeinschaftswährung 1999 durchschnittlich bei gerade einmal 1,5 Prozent pro Jahr. Das ist wenig - vor allem auch im Vergleich zu den fünf D-Mark-Jahrzehnten zuvor. Von 1949 bis 1998 lag der durchschnittliche Wertverlust des Geldes beim Doppelten, also rund drei Prozent pro Jahr.

Die deutlich höhere Rate zu D-Mark-Zeiten ergibt sich unter anderem, weil die Inflation in den siebziger Jahren extrem hoch war. Aber nicht nur deshalb. Selbst zwischen 1991 und 1998 betrug die Geldentwertung in der Bundesrepublik 0,9 bis 5,6 Prozent. Im Durchschnitt waren es in den neunziger Jahren 2,5 Prozent. Bislang ist der Euro damit deutlich stabiler als die D-Mark.

Auch den Vergleich mit der weltweiten Leitwährung Dollar muss die Gemeinschaftswährung nicht scheuen. In der Euro-Zone lag die Inflationsrate von 1999 bis 2009 bei durchschnittlich 2,1 Prozent. Im selben Zeitraum waren es in den USA im Schnitt 2,5 Prozent. So gering der Unterschied der beiden Zahlen erscheinen mag - sie bedeuten: Der Dollar hat binnen eines Jahrzehnts rund 20 Prozent mehr an Kaufkraft eingebüßt als der Euro.

Euro muss D-Mark-Vergleich nicht scheuen

Der Außenwert einer Währung hat im Gegensatz zum Binnenwert nur eine geringe Aussagekraft über die Stabilität des Geldes. Dennoch spielt die Entwicklung von Wechselkursen psychologisch eine wichtige Rolle. Verliert eine Währung gegenüber einer anderen an Boden, ist gleich von der Flucht der Anleger und vom angeblichen Vertrauensverlust die Rede.

Allerdings muss der Euro den D-Mark-Vergleich auch hierbei nicht scheuen. Die D-Mark erreichte ihren historischen Höchststand gegenüber dem Dollar im April 1995. Damals war eine D-Mark rund 74 US-Cent wert. Umgerechnet auf einen Euro entsprach dieser Wechselkurs gut 1,43 Dollar. Dies bedeutet: Der Euro notiert derzeit nur unwesentlich unterhalb des Allzeithochs der D-Mark.

Das Fazit der Betrachtung von Binnen- und Außenwert kann nur lauten: Der Euro ist nicht einmal ansatzweise schlechter als die D-Mark. Eher stimmt: Er ist die bessere D-Mark.

Aber diese Fakten haben es gegen die allgemeine Wahrnehmung schwer. Umfragen zeigen, dass fast die Hälfte der Bundesbürger der Meinung ist, der Euro habe Deutschland mehr Nachteile als Vorteile gebracht. Fast 70 Prozent haben wenig bis kein Vertrauen in den Euro. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass die Deutschen Vorbehalte gegenüber der europäischen Integration insgesamt haben.

Lesen Sie im dritten Teil der Serie, warum Deutschland der größte Profiteur der europäischen Integration ist.

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Forum - Muss Deutschland den Euro retten?
insgesamt 2495 Beiträge
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1. Wie?
syramon 14.01.2011
Zitat von sysopDie europäische Schuldenkrise galt mit der Hilfe für Griechenland und mit dem Euro-Rettungsschirm als überwunden. Doch nach Ansicht vieler Experten ist die Gemeinschaftswährung so gefährdet wie nie. Muss Deutschland den Euro sichern - egal was es kostet?
ich dachte die Haftungs - und Transferunion ist fest beschlossen. Kommende Woche soll wohl zudem auch noch der Rettungsschirm verdoppelt werden. Ab nun heisst für die Nehmer-Staaten, Krise vorbei und Freibier für alle. Es kann wieder sorglos weiter gemacht werden.
2. Die Transferunion ist das Problem, nicht die Lösung.
Tastenhengst, 14.01.2011
Der Euro ist nicht gefährdet. Nur wenn Schuldenstaaten (D gehört im Grunde schon dazu) unbedingt weitermißwirtschaften wollen, werden sie die EZB so unter Druck setzen, daß der Euro gefährdet ist. Geldzahlungen der Bundesrepublik würden sowas nur verzögern und verschlimmern.
3.
zwangsreunose 14.01.2011
Zitat von syramonich dachte die Haftungs - und Transferunion ist fest beschlossen. Kommende Woche soll wohl zudem auch noch der Rettungsschirm verdoppelt werden. Ab nun heisst für die Nehmer-Staaten, Krise vorbei und Freibier für alle. Es kann wieder sorglos weiter gemacht werden.
Habe Sie da was verraten, was noch keiner weiß?
4.
Negotiator, 14.01.2011
Aber natürlich ! Wer denn auch sonst ? Mit unserem aggressiven Lohndumping überschwemmen wir die Eurozone mit konkurrenzlos billigen Produkten. Diese Produkte müssen wir den anderen Ländern aber effektiv schenken, weil die anderen Länder nunmal gegen den Konkurrenzdruck aus Deutschland nicht ankommen. Und diese schlußendliche Schenkung passiert dann eben dadurch, das Deutschland zahlt. De facto dafür zahlt, das es die anderen Länder der Eurozone in praktisch grenzenlose Verschuldung stürzt und weiter stürzen kann. Wie diese ganze Rechnung jemals aufgehen soll, ist mir völlig schleierhaft, aber hey, Hauptsache, die deutschen Medien können wieder mal behaupten, das die Welt am Deutschen Geist gesunden soll. Und das wir die "Wirtschaftslokomotive" in Europa wären. Aber eine Lokomotive würde die anderen Länder ja anschieben. Wir hingegen sorgen bloss dafür, das anderswo Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung explodiert. Irgendwann wird diese Blase platzen müssen.
5.
syramon 14.01.2011
Zitat von TastenhengstDer Euro ist nicht gefährdet. Nur wenn Schuldenstaaten (D gehört im Grunde schon dazu) unbedingt weitermißwirtschaften wollen, werden sie die EZB so unter Druck setzen, daß der Euro gefährdet ist. Geldzahlungen der Bundesrepublik würden sowas nur verzögern und verschlimmern.
Aber sie sagen es selbst. Der Sündenfall passierte doch schon, als Trichet sich unter Druck setzen liess und begann, aktiv Schrottpapiere mit fraglicher Sicherheit direkt aufzukaufen. Dies war eigentlich so nicht vorgesehen für die EZB. Böse Zungen behaupten er wär von Sarkozy persönlich unter Druck gesetzt worden. Dies fördet zudem massiv die Inflation logischerweise. Jetzt will Mutti auch noch schlechtem Geld, noch Gutes nachwerfen.
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