Bundesratentscheid: Städtetag wettert gegen Röslers Glücksspielreform

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Spielautomat in Berlin: "Automatenlobby hat ganze Arbeit geleistet"

Die Bundesregierung will die Vorschriften für Glücksspiele ändern. Dem Deutschen Städtetag gehen diese nicht weit genug. Präsident Maly fordert den Bundesrat daher auf, die Verordnung zu stoppen.

Berlin - Der Deutsche Städtetag macht Stimmung gegen die neue Glücksspielverordnung. Präsident Ulrich Maly (SPD) hat die Bundesländer aufgefordert, die geplante Neuregelung im Bundesrat aufzuhalten. In der Sitzung Anfang Juli sollten sie den Entwurf von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) verschärfen, verlangte Maly in der "Frankfurter Rundschau".

Nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Städtetags ist Rösler vor der Automatenwirtschaft eingeknickt. Maly möchte Gewinnspiele nur noch in Spielcasinos erlaubt sehen. Nur dort könne Jugendlichen und Spielsüchtigen der Zugang wirkungsvoll untersagt werden, sagte Maly, der auch Oberbürgermeister von Nürnberg ist.

Nach Röslers Entwurf dürfen unter anderem Gaststätten noch einen Geldspielautomaten haben statt bisher drei. Ende 2012 gab es etwa 240.000 Geldspielgeräte, davon 70.000 Automaten in Gaststätten und 170.000 in Spielhallen.

Nach dem Entwurf Röslers solle die zulässige Zahl von Geldspielautomaten zwar reduziert werden, sagte Maly. "Aber diese Geräte haben in Gaststätten überhaupt nichts zu suchen, zumal das Spielverbot für Jugendliche zumeist nicht eingehalten wird. In Spielhallen ist das einfacher zu kontrollieren, doch in Gaststätten sind eben auch Familien und Kinder."

Maly warf der Automatenlobby vor, "ganze Arbeit" geleistet zu haben. "Bund und Länder müssen alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um die Spielsucht einzudämmen und eine wirksame Suchtprävention zu betreiben."

yes/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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1. kenne selbst zwei Spielsüchtige
durden_tyler 24.06.2013
-> zerstörte Familien, ruinierte Finanzen unglaubliche Suchterscheinungen. Wie kann der Arzt Rösler sowas verantworten?
2. Abzockerei
stefanbodensee 24.06.2013
Stimmt, Rösler ist eingeknickt und die Automatenwirtschaft reibt sich die Hände. Es wird Zeit, daß diesen Abzockerbuden endlich mal der Garaus gemacht wird. Mittlerweile sprießen die noch schlimmer als die Dönerbuden, bald an jeder Ecke eine. Hier in Konstanz klagte sich ein Betreiber durch mehrere Instanzen, bis die Stadt dann am Ende leider (rechtlich) einknicken musste und er nun einen häßlichen Klotz hinstellte, wo man dem Glücksspiel fröhnen kann. Das Klientel ist entsprechend und entsprechend auch das Niveau. Daß hier, staatlich unterstützt, teilweise Existenzen vernichtet werden, weil z.B. Papi den Lohn lieber in Daddelautomaten durchbrät, statt sich um die Familie zu kümmern, scheint hier niemand zu interessieren. Weg mit dfen Teilen ....
3. Regulierungswahnsinn
migmag 24.06.2013
Zitat von sysopDPADie Bundesregierung will die Vorschriften für Glücksspiele ändern. Dem Deutschen Städtetag gehen diese nicht weit genug. Präsident Maly fordert den Bundesrat daher auf, die Verordnung zu stoppen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/staedtetag-wettert-gegen-roeslers-gluecksspielreform-a-907437.html
Nur weiter so, liebe deutsche Politiker! Der nächste Schritt zu weiterem Verschwinden von Eckkneipen wird gerade vollzogen. Ich war vor vielen Jahren mal Gastwirt, und froh über die Einnahmen aus den Spielautomaten, die mich das eine oder andere Mal über den Monat gerettet haben. Krankhaft gespielt hat damals übrigens keiner meiner Gäste. Ein Vorschlag von meiner Seite in Sachen Suchtprävention: Man sollte ernsthaft darüber nachdenken, den Alkoholausschank in Gaststätten zu verbieten. Wie viele Menschen kann man so vor dem Alkoholismus bewahren?! Und wenn Ihr die Kneipen weg reguliert habt, liebe Politiker, wird sich sicher ein neues Feld bieten. In dieser Beziehung seit Ihr ja so kreativ, wie man es sich für viele andere Bereiche nur wünschen kann. Ich für mein Teil bin froh, schon seit Jahren nicht mehr in diesem überregulierten und unfreien Deutschland zu leben. Und ich werde alles dafür tun, nie wieder dort leben zu müssen. Den Menschen in diesem ehemals schönen Land wird vorgegaukelt, in Freiheit zu leben, während sie sich in Wirklichkeit in einem Hamsterrad bewegen, aus dem es kein Entkommen gibt. Gebote und Verbote für alles, was man nur erdenken kann. Einfach ein Trauerspiel, wie man die Bürger entmündigt und sich anmaßt, besser zu wissen, was gut für den Einzelnen ist.
4. Spielsucht bekämpfen ?
rol.o 24.06.2013
Die Doppelzüngikeit des staatlichen Spielmonopols ist ja wohl nicht mehr zu überbieten , auf der einen Seite sollen die Spielautomaten uninteressant gemacht werden , auf der anderen Seite wird mit Lottowerbung getrommelt wie nie zuvor und der Städtetagspräsident mault hier herum und kassiert höchste Vergnügungssteuern , warum haben die Städte und Kommunen nicht mehr gebrauch von der Nichtgenehmigung gemacht ? , obwohl sie alle möglichkeiten dazu hatten .
5. Maly = Kulturschänder
Hamberliner 24.06.2013
Zitat von sysopDPADie Bundesregierung will die Vorschriften für Glücksspiele ändern. Dem Deutschen Städtetag gehen diese nicht weit genug. Präsident Maly fordert den Bundesrat daher auf, die Verordnung zu stoppen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/staedtetag-wettert-gegen-roeslers-gluecksspielreform-a-907437.html
Dieser Ulrich Maly versucht ohne Mandat die Kneipenkultur zu vernichten. Ein Mandat hätte er dann, wenn statistisch belastbare Umfragen unter Kneipengästen ergeben würde, dass die Kneipengäste mehrheitlich keine Geldspielautomaten wollen. Dass ein solches Ergebnis herauskäme, daran habe ich erhebliche Zweifel. Für mich gehören Geldspielautomaten zu den unverzichtbaren Teilen der Kneipenkultur. Eine Kneipe ohne Geldspielautomat wäre öde, asketisch und abweisend. Diese etwas seichte, kitschige, glitzernde, funkelnde, schrille Zauberwelt auf der Frontplatte eines Spielautomaten bringt einen Hauch Jahrmarktsatmosphäre in die Kneipe, und das elektronische Gedudel, das ein Spielautomat hin und wieder von sich gibt, um Spieler anzulocken, verströmt wegen seiner hilfllosen Primitivität und Infantilität Humor, man muss schmunzeln, und es wirkt beruhigend wie eine Kuckuksuhr, jedoch ohne gleichermaßen spießig zu sein. Spielautomaten wirken friedensstiftend, denn wer seine Probleme in die Kneipe mitbringt und am Automaten spielt, ist ruhiggestellt und wird keine Schlägerei anfangen und auch nicht unsereinen durch niveauloses Anlallen (zu Themen wie Fußball oder Köteraufzucht) bei der Lektüre des SPIEGEL stören.
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