Offshore-Zulieferer: Stahlkonzern DSD übernimmt Siag Nordseewerke

Zumindest die Hälfte der Mitarbeiter der insolventen Siag Nordseewerke kann aufatmen. Der Stahlbauer DSD übernimmt das Unternehmen und beschäftigt 240 der 700 Mitarbeiter weiter. Weitere 150 Beschäftigte sollen ein Angebot von ThyssenKrupp Marine Systems erhalten.

Mitarbeiter der SIAG Nordseewerke: Landtag muss noch zustimmen Zur Großansicht
dapd

Mitarbeiter der SIAG Nordseewerke: Landtag muss noch zustimmen

Hannover - Für den insolventen Windkraftanlagenhersteller Siag Nordseewerke in Emden ist eine Lösung in Sicht. Am Donnerstag erzielten der Stahlkonzern DSD, die Norddeutsche Landesbank und die Landesregierung eine grundsätzliche Einigung über den Erwerb des Unternehmens durch DSD, wie Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) nach den Verhandlungen in Hannover sagte. Allerdings werden in den neuen Betrieb nur 240 der 700 Mitarbeiter übernommen.

Alle weiteren sollen in eine Transfergesellschaft wechseln. Von dort aus werde ThyssenKrupp ein Arbeitsplatzangebot für 150 weitere Mitarbeiter der Nordseewerke in Emden und an anderen Standorten entlang der Küste machen, kündigte Bode an. Zudem zahlt der Konzern nach Angaben Bodes einen Millionenbetrag für die Transfergesellschaft.

Mit der jetzigen Lösung erhalte mehr als jeder zweite Beschäftigte ein Arbeitsplatzangebot, sagte der Minister. Er hoffe deshalb auch auf die Zustimmung der Gewerkschaft. Schließlich hätten ohne diese Lösung alle 700 Arbeitsplätze in Emden "vor dem Aus" gestanden.

"Das Beste, was wir erreichen konnten"

"Bis vor kurzem hatten wir ein Traditionsunternehmen, das vor dem Aus stand und das jetzt eine neue Chance für einen Neustart bekommen hat auf reduziertem Niveau", sagte Bode. Die Krise am Standort Emden sei damit abgewendet. "Das ist das Beste, was wir für die Menschen in Emden erreichen konnten", sagte der Minister. Zudem sei aber auch das Beste für die öffentliche Hand erreicht worden, die als Gläubiger in der Verantwortung des Steuerzahlers gestanden habe.

Der neue Eigentümer will die Fertigung von Offshore-Windanlagen fortführen. In den nächsten Tagen sollen die endgültigen Vereinbarungen getroffen werden. Der offizielle Übergang erfolgt dann voraussichtlich zum 1. Februar.

In der früheren Werft werden seit zweieinhalb Jahren Türme, Fundamente und Umspannwerke für Windparks auf hoher See gefertigt. Am 17. November hatte das Unternehmen Insolvenzantrag gestellt. Das Verhalten der Landesregierung in dem Fall hatte zu breitem Protest der Beschäftigten und Kritik der Opposition geführt.

cte/dapd

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Wundert mich irgendwie
stonefree 17.01.2013
Es heißt: "In der früheren Werft werden seit zweieinhalb Jahren Türme, Fundamente und Umspannwerke für Windparks auf hoher See gefertigt." Das ist doch momentan ein gefragtes Geschäft. Wie kann der Laden pleite gehen?
2. Na wie üblich....
Nachteuie 18.01.2013
@stonefree: Ich nehm mal an, wie üblich: Mehr ausgeben als man einnimmt....die meisten Unternehmen gehen nicht Pleite, weil sie zu wenig Kunden haben, sondern weil sie zu Preisen verkaufen (müssen) die ihre (zu hohen) Kosten nicht decken. Und dann wird die "Liquiditätslücke" mit Krediten und viel Optimismus überbrückt während man lustig "Business as usual" weitermacht - und dann verlieren die Kreditgeber irgendwann die Geduld. Die, für den Mist verantwortliche, Führungsriege seilt sich meist noch rechtzeitig wohlversorgt ab und die Arbeiter, Angestellten und kleine Zulieferer ziehen die Arschkarte.
3. Wundert mich nicht
CommonSense2006 18.01.2013
Zitat von stonefreeEs heißt: "In der früheren Werft werden seit zweieinhalb Jahren Türme, Fundamente und Umspannwerke für Windparks auf hoher See gefertigt." Das ist doch momentan ein gefragtes Geschäft. Wie kann der Laden pleite gehen?
Liegt es vielleicht daran, dass das Geschäft aufgebaut wurde aufgrund der "Energiewende", die auch einen großzügigen und schnellen Ausbau der Offshore-Windparks vorsah, anfänglich auch gut anlief und dann zum plötzlichen Halt gekommen ist, weil die Regierung die probleme mit der Anbindung dieser projektierten Windparks nicht in den Griff bekommen hat? Als absehbar wurde, dass der Ausbau der Stromtrassen nicht so schnell gehen würde, wie von der regierung versprocehn, haben die Investoren der Parks auf die Bremse getreten und die SIAG saß plötzlich mit Überkapazitäten da. Da das Geschäft potentiell in den nächsten Jahren aber immer noch sehr vielversprechend ist (die Parks werden ja gebraucht), wollte man vermutlich die Leute nicht entlassen, weil dabei auch das aufgebaute Know-How verloren gegangen wäre. Natürlich hat aber das Management Fehler gemacht und auf die sich abzeichnenden Probleme zu spät und unzureichend reagiert.
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