New York - Die Vorwürfe wogen schwer: Jahrelang soll die britische Großbank Standard Chartered (StanChart) trotz Sanktionen Geschäfte mit der Regierung Irans abgewickelt haben. Das New York State Department of Financial Services (DFS) leitete eine Untersuchung wegen Verstoßes gegen das Bankengesetz ein, die US-Zulassung des Instituts war in Gefahr - eine Katastrophe für StanChart, denn damit wäre der direkte Zugang zum Markt in den USA verloren gewesen. Doch soweit wird es nicht kommen: Die Finanzaufsicht und StanChart haben sich auf einen Vergleich geeinigt.
340 Millionen Dollar - umgerechnet etwa 284 Millionen Euro - wird die Bank zahlen, wie die Behörde DFS nun mitteilte. Experten hatten eine Zahlung von bis zu einer Milliarde Dollar für möglich gehalten. Laut DFS stimmte StanChart
außerdem einer mindestens zweijährigen Überwachung ihrer internen Geldwäsche-Kontrollen zu.
Die für Mittwoch geplante Anhörung des Geldhauses werde verschoben. Bei der Vorladung sollte über die gefährdete StanChart-Bankenlizenz in den USA entschieden werden. Die Aufsichtsbehörde wirft StanChartere vor, rund 60.000 geheime und vor der Bankenaufsicht verborgene Transaktionen mit Iran ausgeführt zu haben. Die Rede ist von einem Gesamtvolumen von über 250 Milliarden Dollar.
Anleger zeigten sich nach der Einigung erleichtert. Im außerbörslichen US-Handel wurden die Aktien von StanChart zuletzt bei 22,60 Dollar, umgerechnet 1440 Britische Pence, gehandelt. Verglichen mit dem Schlusskurs in London von 1359 Pence war dies ein Plus von knapp sechs Prozent.
Britische Großbanken im Visier der Behörden
Die Vorwürfe beruhen den Angaben zufolge auf einer neunmonatigen Untersuchung, bei der 30.000 Seiten Material aus E-Mails, Notizen und anderen Aufnahmen zusammengekommen sein sollen (siehe Originaldokument). Die Bank hatte die Vorwürfe bestritten, der Börsenkurs war jedoch massiv eingebrochen. Das hatte für Druck gesorgt, den Fall schnell aus der Welt zu schaffen.
In den USA werden Geschäfte mit iranischen Banken streng kontrolliert. Aus Angst vor einer Finanzierung des iranischen Atomprogramms werden sie sanktioniert. StanChart ist bereits die dritte britische Großbank, die in den USA in jüngster Zeit ins Visier der Behörden geraten ist. Barclays erhielt dort im Zusammenhang mit dem Libor-Manipulationsskandal eine hohe Geldstrafe. Die Großbank HSBC geriet wegen verdächtiger Transaktionen, unter anderem in Mexiko, in die Kritik.
aar/Reuters/AP/dpa
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