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Standard & Poor's: Rating-Agentur entzieht Amerika die Bestnote

Für die Wirtschaftssupermacht USA ist es eine gehörige Blamage: Als erste der großen Rating-Agenturen hat Standard & Poor's die US-Bonität von der Bestnote AAA herabgestuft. Zugleich warnte sie, der langfristige Ausblick sei negativ - nun drohen Amerika und der Welt wohl weitere Börsenturbulenzen.

US-Dollarnoten (in Korea): USA aus dem Club der Elite-Schuldner verbannt Zur Großansicht
REUTERS

US-Dollarnoten (in Korea): USA aus dem Club der Elite-Schuldner verbannt

Washington - Auch der mühsam ausgehandelte Schuldenkompromiss konnte das Votum nicht bedeutend aufhalten: Für S&P haben die USA künftig nur noch das Rating AA+ verdient. Mehr noch: Falls die USA ihre Schulden nicht in den Griff bekommen sollten, "könnten wir das langfristige Rating innerhalb der nächsten zwei Jahre auf AA herabstufen", teilte S&P am späten Freitagabend in New York mit. Die Versuche von Regierung und Kongress, die Schulden in den Griff zu bekommen, seien nicht überzeugend.

Nach der Abstufung der USA gibt es nur noch 18 Staaten, die von S&P die Bestnote AAA erhalten, dazu zählen allerdings auch einige Steueroasen und Zwergenstaaten. Von den führenden Industrienationen (G7) werden jetzt nur noch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada von S&P mit der höchsten Bewertung eingestuft.

Als Konsequenz der US-Herabstufung drohen wohl weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in den USA sowie in Europa erhebliche Kursverluste gegeben. Möglich seien auch Zinserhöhungen als Folge der Herabstufung. Als wahrscheinlich gilt zudem, dass die USA für Staatsanleihen bald mehr Zinsen bezahlen müssen und damit die Finanzierung ihres riesigen Schuldenbergs teurer wird.

S&P: Sparmaßnahmen reichen nicht aus

Die Agentur begründete ihren Schritt so: Die nach wochenlangem Ringen vom Kongress am Dienstag beschlossenen Einsparungen reichten zur Finanzkonsolidierung nicht aus. Auch die "Berechenbarkeit des amerikanischen Politikprozesses" (policymaking) müsse in Frage gestellt werden, heißt es mit Blick auf das langwierige Gezerre zwischen Regierungslager und Opposition.

Der zwischen Demokraten und Republikanern erreichte Schulden-Deal sieht eine Erhöhung des Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar (rund 10 Billionen Euro) vor. Dies solle mit Sparmaßnahmen in Höhe von 2,5 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) einhergehen. S&P hatte aber bereits zuvor gewarnt, es seien Einsparungen in Höhe von vier Billionen notwendig.

Bereits unmittelbar nach der Einigung am Dienstag hatte sich bereits die Rating-Agentur Moody's skeptisch über die langfristigen Aussichten geäußert. Zwar gab sie der US-Kreditwürdigkeit weiter die Bestnote AAA - wertete den weiteren Ausblick aber als negativ. Moody's warnte, es bestehe das Risiko einer Herabstufung, falls die Haushaltsdisziplin in den USA im nächsten Jahr nachlassen sollte oder falls 2013 keine weiteren Konsolidierungsmaßnahmen beschlossen würden.

Kritik auch aus China

Auch die US-Kredit-Rating-Agentur Fitch hielt zunächst an der Top-Bonität AAA fest, machte aber ebenfalls klar, dass sie die Schuldenentwicklung in den USA weiter scharf im Auge behalten werde. Offene Kritik kam bereits Stunden nach der Schuldeneinigung aus China, dem größten Gläubigerland der USA: Die Rating-Agentur Dagong stufte die US-Bonität von A+ auf A zurück. Den weiteren Ausblick bewertete sie als negativ. Zur Begründung hieß es, das Schuldenproblem sei langfristig nicht gelöst. Der politische Schuldenstreit in Washington habe gezeigt, "dass die US-Regierung Schwierigkeiten hat, die Schuldenkrise letztlich zu lösen".

itz/dpa-AFX

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1. -
dongerdo 06.08.2011
Zitat von sysopFür die Wirtschaftssupermacht USA ist es gehörige Blamage: Als erste der großen Rating-Agenturen hat Standard & Poor's die US-Bonität von der Bestnote "AAA" herabgestuft. Zugleich warnte die Agentur, der langfristige Ausblick sei negativ - nun drohen der Amerika und der Welt wohl noch weitere http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778697,00.html
Es wird auch Zeit! Es wird spannend wie das am Montag morgen weiter geht - die Chinesen scheinen auf jeden Fall mal "not amused" zu sein.... http://www.channelnewsasia.com/stories/afp_asiapacific_business/view/1145428/1/.html
2. ...
Rodri 06.08.2011
Das war ja auch längst überfällig, dass die USA mal abgewertet werden bei ihren Schulden !!
3. Das Kapital ohne Kontrolle bringt's
Staatsschulden? 06.08.2011
Zuerst wird die EU mittels Zinserhöhungen an die Grenze der Zahlungsunfähigkeit gedrängt, nun werdens die USA. Im Nu verschlingen die Spekulanten das durch die Sparpakete freigewordene Geld. Das Opfer wird gerade so am Leben gelassen, um weiter aus ihm saugen zu können. Vampire! Die Lösung muß schon radikaler ausfallen als bsiher.
4. Überfällig
andreaslacher 06.08.2011
Das war ebenso überfällig und wie zu erwarten. Es dürfte der amerikanischen Agentur zwar nicht leicht gefallen sein, aber immerhin ist der Zeitpunkt patriotisch gewählt worden. Am Wochenende kann an den Finanzmärkten nicht mehr reagiert werden, und die Börsianer haben Zeit für eine überlegte Reaktion. Sollte diese Kaltulation aber nicht aufgehen, so droht nicht mur in den USA ein schwarzer Montag.
5. Fragen
Volker Tuermer 06.08.2011
Zitat von sysopFür die Wirtschaftssupermacht USA ist es gehörige Blamage: Als erste der großen Rating-Agenturen hat Standard & Poor's die US-Bonität von der Bestnote "AAA" herabgestuft. Zugleich warnte die Agentur, der langfristige Ausblick sei negativ - nun drohen der Amerika und der Welt wohl noch weitere http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778697,00.html
Wie jetzt, ich denke die bösen Ratingagentuten stufen immer nur europäische Länder herab um den € kaputt zu machen? Oder war das etwa nur eine Kampagne europäischer Politiker und Medien um die Schuld am Schuldendesaster anderen zu zuschieben?
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Milliarden für Griechenland - Die Ergebnisse des Euro-Gipfels
Neue Kredite
Griechenland soll vom europäischen Krisenfonds für wackelnde Eurostaaten (EFSF) Kredite zu niedrigen Zinssätzen von rund 3,5 Prozent bekommen. Die Laufzeiten der Kredite sollen von bisher siebeneinhalb Jahren auf 15 bis 30 Jahre gestreckt werden. Ein umfangreiches Wachstums- und Investitionsprogramm soll Griechenland in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission wieder auf die Beine bringen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird angehalten, sich am Hilfsprogramm zu beteiligen. Auch die Laufzeiten der Kredite aus dem bereits existierenden Rettungsprogramm von 2010 sollen deutlich verlängert werden.
Einbeziehung von Banken
Der Finanzsektor wird sich auf freiwilliger Basis mit einer Reihe von Optionen an der Rettung Griechenlands beteiligen. Der Nettobeitrag der Banken soll bei 37 Milliarden Euro liegen - für die Zeit von jetzt bis 2014. Zusätzlich wird ein Betrag von 12,6 Milliarden Euro genannt für ein Schuldenrückkaufprogramm. Legt man den Zeitraum von 2011 bis 2019 zugrunde, beträgt der Nettobeitrag des privaten Sektors laut Abschlusserklärung 106 Milliarden Euro.
Neue Aufgaben für Krisenfonds
Der EFSF-Fonds bekommt neue Aufgaben. Er kann künftig zum Ankauf von Staatsanleihen genutzt werden - aber unter strikten Bedingungen. Zudem soll der Rettungsfonds vorbeugende Programme für Wackelkandidaten im Eurogebiet auflegen dürfen. Der EFSF wird nicht aufgestockt.
Irland/Portugal
Auch für Portugal und Irland, die ebenfalls von milliardenschweren Hilfsprogramm der Partner profitieren, sollen die Ausleihbedingungen des EFSF gelten.
Budgetdefizite
EU-weit sollen Budgetdefizite bis 2013 möglichst auf unter drei Prozent gedrückt werden. Das Sparpaket Italiens, mit dem dies bis 2012 erreicht werden soll, fand lobende Worte. Ebenso wurden die Reformanstrengungen von Spanien begrüßt.
Banken-Stresstest
Für durchgefallene Banken sollen die Euro-Länder entsprechende Auffangmaßnahmen bereitstellen.
Mehr wirtschaftliche Koordination
Bei der geplanten Wirtschaftsregierung machen die Staats- und Regierungschefs Druck: Die seit Anfang Juli amtierende polnische EU-Präsidentschaft hat den Auftrag, die festgefahrenen Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament voranzubringen.
Weniger Macht für Rating-Agenturen
Die Regierungschefs sind sich einig, dass die Macht der Rating-Agenturen eingedämmt werden muss. Vorschläge der Kommission zum Umgang mit den Agenturen werden erwartet. Außerdem wollen die Europäer eine eigene international bedeutende Rating-Agentur etablieren.
Besseres Krisenmanagement
In der Euro-Zone soll das Krisenmanagement verbessert werden. Bis Oktober sollen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, konkrete Vorschläge machen.

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