Wirtschaftskrise Rating-Agentur S&P stuft Russland auf Ramsch herunter

Sinkende Öleinnahmen, hohe Inflation: Russlands Wirtschaft steht schlecht da. Nun senkt die Rating-Agentur Standard & Poor's auch noch ihre Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes auf Ramsch-Niveau. Der Rubel reagiert mit einem Kurseinbruch.

US-Agentur Standard & Poor's: Die  Möglichkeiten der Notenbank sind begrenzt
REUTERS

US-Agentur Standard & Poor's: Die Möglichkeiten der Notenbank sind begrenzt


London - Es ist ein weiterer Rückschlag für Russland: Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit des Landes am Montag von der Note BBB- auf BB+ gesenkt. Damit gelten die Schuldtitel des Landes in der Finanzsprache als "junk", auf Deutsch "Ramsch". So werden spekulative Anlagen gekennzeichnet. Bei den anderen beiden großen Ratingagenturen Moody's und Fitch wird das Land noch besser bewertet.

Russland steht in diesem Jahr vor einer tiefen Rezession. Zum einen machen die westlichen Sanktionen dem Land zu schaffen. Zum anderen ist der Ölpreis in den vergangenen Monaten um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Das lässt die Staatseinnahmen sinken und die Inflation in die Höhe schießen.

Auch der Rubelkurs ist zuletzt dramatisch gefallen. Als Reaktion auf die Herabstufung verlor die russische Währung am Montag im Vergleich zum Dollar erneut mehr als fünf Prozent an Wert.

Die Lage im russischen Bankensystem verschlechtere sich, teilte S&P mit. Damit stießen die Möglichkeiten der Notenbank, die Währung mit hohen Zinsen zu stützen, an ihre Grenzen. Der Ausblick des Ratings sei negativ, damit sind weitere Abstufungen möglich.

Das Rating eines Landes soll die Kreditwürdigkeit bewerten. Es beurteilt die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls und ist wichtig, wenn es darum geht, ob und zu welchem Preis Investoren einem Staat Geld leihen.

Russlands Staatsfinanzen gelten eigentlich als solide. Das Land hat vergleichsweise geringe Schulden und sehr hohe Devisenreserven, die allerdings im Zuge der Rubelkrise langsam schmelzen. Internationale Investoren ziehen massenhaft Geld aus dem Land ab.

Russische Wirtschaftsvertreter wie der Chef der teilstaatlichen VTB-Bank, Andrej Kostin, halten eine Pleite für ausgeschlossen. "Russland wird nicht bankrottgehen", sagte Kostin SPIEGEL ONLINE am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. "Es gibt nicht einmal eine Diskussion darüber."

stk/Reuters/dpa

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insgesamt 42 Beiträge
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DirkSt 26.01.2015
1. Ganz objektiv betrachtet ...
... wird es für Russland nun deutlich schwerer, die in den letzten Jahren mit finanziellen/wirtschaftlichen Mitteln erkaufte "Zustimmung" (Abhängigkeit/Gefügigkeit/Loyalität) in Regionen wie Süd-Ossetien, Abchasien, Transnistrien und auch der Krim und der Ost-Ukraine aufrecht zu erhalten. Viktor Normalrusse wird nicht irgendwann nicht mehr akzeptieren, dass sein Lebensstandard wieder sinkt, während man sich kostspielige "Abenteuer" an den Rändern leistet. Im Moment ist mir auch wirklich ein Rätsel, wie man sich eine solide Zustimmung im Osten der Ukraine "erkaufen" will. In den "kleinen" Regionen mag das gehen - aber in einem Landesteil mit einigen Millionen Leuten, denen allen Einkommen und Versorgung fehlen, vom nötigen Wiederaufbau mal ganz abgesehen. Selbst der fanatischste "Fan" von DNR und LNR wird irgendwann erkennen müssen, dass nicht ukrainische Truppen einen zerstörerischen Krieg in seiner Region begonnen haben, die das vorher so normale Leben unmöglich gemacht hat. Fragt sich eigentlich nur, ob der wirtschaftliche Abstieg den Akteur Russland nicht noch aggressiver macht. Vermutlich können wir schon bald vernehmen, dass auch S&P vom CIA gesteuert wird ...
geando 26.01.2015
2. instabiles russland= gefährliches russland
obwohl ich wirklich kein putin-russland-fan bin, mache ich mir bei solchen meldungen mehr sorgen als durch die ukraine-krise. ein instabiles, wirtschaftlich angeschlagenes russland, voll von nationalistischen verlieren und von einem autokraten geführt ist einfach unberechenbar. sollte putin verschwinden, wird es allerdings auch nicht unbedingt besser. es gibt für den westen keinen grösseren sicherheitsgarant als ein wirtschafts-stabiles russland. das haben viele der sanktions-befürworter noch nicht verstanden. im schlimmsten fall werden die sanktionen sogar ein "jetzt erst recht, weil eh alle gegen uns sind"-gefühl auslösen. so wie der bombenkrieg gegen deutshcland im zweiten weltkrieg die menschen nur enger an die machthaber gebunden hat als umgekehrt.
andi1963 26.01.2015
3. aha...Ratingagenturen
braucht man nicht kommentieren seeehr unabhänig;)
Thorsten_Barcelona 26.01.2015
4. @geando
Ein instabiles Russland ist ohne Frage gefährlich, aber ein Russland dem man alles durchgehen lässt, kann sich genauso in einen nationalistischen Traum von einem neuen Gross-Russland hineinsteigern. Davon abgesehen sind die Sanktionen nur ein Teil der wirtschaftlichen Probleme Russlands.
dr.ocer 26.01.2015
5. das das passiert ...
....war den Russen völlig klar, kann man dort innenpolitisch super ausschlachten und ändert letztendlich nix außer das es den nächsten Sargnagel für einen anständigen Dialog liefert... Merkt denn keiner das Russland diesen Konflikt will weil es ihn braucht?
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