Standort-Aus Opel-Werk in Antwerpen macht dicht

General Motors macht ernst: Als erstes Opel-Werk in Europa wird der Standort Antwerpen nun definitiv geschlossen. In der belgischen Fabrik sind 2500 Mitarbeiter beschäftigt. Gewerkschafter sprechen von einer "kollektiven Entlassung".

Opel-Werk in Antwerpen: Erste Schließung eines Opel-Werks in Europa
dpa

Opel-Werk in Antwerpen: Erste Schließung eines Opel-Werks in Europa


Brüssel - Spekuliert wurde lange, jetzt ist es offiziell: Das Opel-Werk in Antwerpen wird geschlossen. Das bestätigte das Unternehmen am Donnerstag in Rüsselsheim. "Wir sind uns der Tragweite bewusst, die diese Ankündigung für die Beschäftigten in Antwerpen und ihre Familien hat, und fühlen mit ihnen", sagte Opel-Chef Nick Reilly. Falls die Schließungsabsicht bestätigt werde, würde die Produktion in den kommenden Monaten auslaufen, heißt es in der Mitteilung.

Ein Gewerkschaftsvertreter hatte laut Nachrichtenagentur Belga gesagt, das Werk solle Ende Juni die Arbeit einstellen. Er sprach von "einer kollektiven Entlassung". Mit dem Aus für Antwerpen wird das erste Opel-Werk in Europa geschlossen, seit der Mutterkonzern General Motors (GM) in die Krise gerutscht ist . An dem Standort werden mit rund 2500 Beschäftigten der Opel Astra hergestellt.

Die Schließungsankündigung kam nicht überraschend. Schon seit längerem war bekannt, dass die Opel-Muttergesellschaft GM den Standort schließen will. Der Sanierungsplan von Opel sieht nach früheren Betriebsratsangaben aus Deutschland vor, im laufenden Jahr etwa 8300 der 48.000 Stellen in Europa abzubauen, vor allem in Deutschland und Belgien.

Für die rund 2500 Beschäftigten in dem Werk ist die Entscheidung bitter. Bis zuletzt hatten sie versucht, GM mit einem Zukunftskonzept davon zu überzeugen, das Werk weiter zu betreiben. Sie waren damit allerdings nur auf wenig Gegenliebe beim Management gestoßen. Der neue Opel-Chef Reilly hatte mehrfach betont, der Autobauer müsse seine Kapazitäten in Europa drastisch reduzieren.

fro/dpa/ddp

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Forum - Wer hat die Verantwortung für das Opel-Debakel?
insgesamt 670 Beiträge
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Seite 1
ender, 07.11.2009
1.
Zitat von sysopNun doch weiter mit GM: das Tauziehen und die Verhandlungen um Opel eskalieren zu einem Debakel für die Bundesregierung. Wer trägt die Schuld an der neuerlichen Misere um Opel?
Wieso Debakel für die Bundesregierung? Die wurde doch gerade erst gewählt! Bis zur nächsten Wahl hat das Wahlvieh das doch längst vergessen. Selbst wenn schon in zwei Jahren wieder gewählt werden sollte. Das Gedächtnis der Wähler reicht nicht länger zurück als ein oder zwei Monate. ender
KarlKäfer, 07.11.2009
2.
Diese Frage dürfte längst beantwortet sein: Am 17.Oktober hatte Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg auf Drängen von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes einen Brief an GM-Boss Fritz Henderson geschrieben, in dem der Minister eine Erklärung des Unternehmens forderte, dass die Wahl des österreichisch-kanadischen Magna-Konzerns als Investor ohne politischen Druck erfolgt sei. Zuvor hatte jedoch Industriekommissar Günter Verheugen die Berliner Regierung davor gewarnt, diesen Brief zu schreiben. Das Papier böte den Amerikanern die Möglichkeit, den eigentlich längst zugunsten von Magna entschiedenen Fall noch einmal zu öffnen. Verheugens Kabinettschefin Petra Erler warnte hochrangige Beamte des Wirtschaftsministeriums vor einem "Spiel mit dem Feuer": Um die Bedenken von EU-Kommissarin Kroes auszuräumen, reiche eine öffentliche Erklärung Berlins, dass die Staatshilfe unabhängig von Standortzusagen gewährt worden seien. Inwieweit dieser Faux-Pas ein wirklicher Faux-Pas war, wäre diskussionswürdig.
Rainer Daeschler, 07.11.2009
3.
Zitat von sysopNun doch weiter mit GM: das Tauziehen und die Verhandlungen um Opel eskalieren zu einem Debakel für die Bundesregierung. Wer trägt die Schuld an der neuerlichen Misere um Opel?
Die Bundesregierung hat sich selber in diese missliche Lage gebracht, indem sie sich in etwas einmischte, was sie eigentlich nichts angeht. Die Bühneninszenierung einer schnellen Arbeitsplatzrettung vor dem Wahltermin ist misslungen. Die Misere bei Opel ist ein Problem der GM Konzernfamilie. Das lösen auch nicht deutsche Politiker, denen die Steuermilliarden locker sitzen.
Dietmar Stadler 07.11.2009
4.
Zitat von sysopNun doch weiter mit GM: das Tauziehen und die Verhandlungen um Opel eskalieren zu einem Debakel für die Bundesregierung. Wer trägt die Schuld an der neuerlichen Misere um Opel?
Meiner Meinung nach ist es eine Mischung aus a) traditioneller Scheckbuchdiplomatie deutscher Politiker, wenn es um politische wie wirtschaftliche Beziehungen zum Ausland geht, b) eine in höchstem Maße naiven Einstellung gegenüber Amerika, die sich in sonntagsredlichen Freundschaftsbekundungen aufs Ärgste zum Ausdruck bringt und c) dem gängigen und destruktiven EU-Politik-Sumpf
matthias schwalbe, 07.11.2009
5. Oder,oder,oder
Was für ein Debakel ist denn gemeint ? Oder ist gemeint-eine Diskussion um Halbwahrheiten,noch nicht beschlossene Wunschvorstellungen von Arbeitnehmern bei Opel ? Oder eine Erwartungshaltung von Politikern ? Oder will man-egal wer-in der "derzeitigen Zeit" ein marktwirtschaftliche Lösung nur verleugnen und verdrängen ? Oder sind "wir alle"einfach nicht mehr in der Lage unbequeme Tatsachen realistisch zu verarbeiten ?
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