Stanley Ho in Macau Asiens Casino-König schlägt seine letzte Schlacht

Stanley Ho machte Macau zum Glücksspielzentrum Asiens, wurde Milliardär, hat 17 Kinder mit vier Frauen. Nun kämpft seine Familie öffentlich um die Macht über das Imperium des 89-Jährigen - der Greis rüstet zu seinem letzten Kampf.

AFP

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Hamburg - Der Auftritt sollte den Ruf der Familie retten: Stanley Ho, der mächtige Casino-Tycoon von Macau, verkündete per TV seinen Abschied von der Macht. Seine Familie hatte am Mittwoch ein Fernsehteam kommen lassen. In eine Decke und eine dicke Weste gehüllt saß der gebrechliche, 89 Jahre alte Milliardär in einem Ohrensessel.

Er habe freiwillig Anteile seines Glücksspielimperiums an seine dritte Frau und an fünf seiner Kinder abgegeben, verkündete er. Es werde keine gerichtliche Auseinandersetzung geben. "Ich liebe meine Familie." Links und rechts von ihm hatten sich seine dritte Frau und eine seiner Töchter aufgebaut.

Der Casino-König im letzten Abschnitt seines Lebens - nur noch eine Marionette seiner eigenen Familie. So schien es. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn offenbar hat der Unternehmer im Streit um sein Glücksspielimperium SJM Holdings den Kampf gegen seine eigene Familie aufgenommen - und doch eine Milliardenklage angestrengt. Der Grund: Seine weitverzweigte Familie könnte für Hos Imperium zur Gefahr werden. Denn seine Frauen und Kinder liefern sich einen erbitterten Machtkampf ums Erbe. Die Hauptrollen spielen Hos dritte Ehefrau Ina Chan und fünf Kinder aus seiner zweiten Ehe.

Konkret wirft Ho ihnen vor, ohne seine Einwilligung neue Aktien an der Holding Lanceford ausgegeben und ihn dadurch entmachtet zu haben, zitiert die Agentur Reuters aus einem Hongkonger Gerichtsdokument. Lanceford ist Hauptanteilseigner von SJM Holdings. Neun Milliarden Dollar ist die börsennotierte Glücksspielfirma wert.

Der Anwalt des Patriarchen spricht von Raub

Der Kampf um das Unternehmen wird in aller Öffentlichkeit und mit solch harten Bandagen geführt, dass Anleger nervös werden. Am Mittwoch fiel die Aktie der Glücksspielfirma SJM Holdings zwischenzeitlich um bis zu neun Prozent.

Dem TV-Auftritt Hos ging bereits ein aufsehenerregendes Verwirrspiel voraus. Per offizieller Mitteilung gab SJM am Montag bekannt, dass Ho einen Großteil seines Vermögens zwischen Ina Chan und fünf seiner Kinder aufteilen werde. Doch nur einen Tag später ging Hos Anwalt Gordon Oldham an die Öffentlichkeit und erklärte, die Familienmitglieder hätten den Unternehmer seiner Anteile "beraubt". Anteile seien so aufgespalten worden, dass für Ho selbst fast nichts mehr bleibe. Ho erwäge eine Klage gegen Mitglieder seiner eigenen Familie.

Wenig später tauchten zwei Briefe auf. Den ersten habe Ho handschriftlich verfasst, hieß es. Der zweite trug Hos Unterschrift und seinen offiziellen Briefkopf. Die Botschaft der beiden Schreiben: Der vermeintliche Streit ums Erbe sei nur ein Missverständnis. Die Familie werde sich aussprechen. Seinen Anwalt Oldman werde er nicht weiter beschäftigen. Kommentatoren in den Zeitungen spekulierten, Ho habe diese Briefe nicht freiwillig unterzeichnet. Dann folgte der TV-Auftritt des Patriarchen mit der Liebeserklärung an seine Familie. Und nun taucht doch eine Klage auf. Damit wolle er seine Anteile wieder zurückerobern, berichtet Reuters.

Der Familienstreit scheint zu eskalieren - und die Anleger sorgen sich. Am Donnerstag verlor die SJM-Aktie erneut mehr als drei Prozent.

Er startete seine Karriere mit zehn Dollar

Die Konflikte in Hos letztem Lebensabschnitt resultieren aus seinem Leben voller Extreme. Er wurde 1921 in eine der einflussreichsten Familien Hongkongs hineingeboren - und erlebte als Kind deren finanziellen Absturz. Sein Vater verlor das Familienvermögen an der Börse. Zwei Brüder von Ho begingen Selbstmord. Er selbst flüchtete als 21-Jähriger während des Zweiten Weltkriegs vor japanischen Bomben von Hongkong in die portugiesische Provinz Macau - mit zehn Dollar in der Tasche und dem Traum, reich zu werden. Als bekennender Polygamist heiratete Ho vier Frauen. Er hat 17 Kinder - und das ist nur die offizielle Zahl.

Erst investierte er in der früheren portugiesischen Kolonie Macau in Bauunternehmen. 1961 dann hatte er das Glück seines Lebens. Bei einer Versteigerung sicherte er sich zusammen mit Partnern das Monopol für die Glücksspiellizenz in Macau. Ho stampfte ein Casino-Paradies aus dem Boden. Zum Flaggschiff wurde das "Lisboa". Das Casino existiert heute noch.

Und Ho baute sein Imperium aus. Er kaufte Schifffahrtslinien, einen Hafen, die Fluggesellschaft von Macau, Energiewerke und so weiter. Nicht einmal die Wiedervereinigung mit dem kommunistischen China konnte den Milliardär stoppen. Er soll gute Beziehungen zu den Machthabern in Peking haben. Von 1999 an kamen auch Millionen Chinesen in sein Glücksspielparadies.

Macau ist zum weltgrößten Spielerparadies geworden, die Casinos auf der kleinen Halbinsel im südchinesischen Meer machen mehr Umsatz als jene in Las Vegas und Atlantic City zusammen. Allein 2010 stiegen die Glücksspielerlöse in Macau um 60 Prozent auf 28 Milliarden Dollar.

Das Ho-Imperium bekam Konkurrenz

Für Ho ging es immer ums Geld, Moral war nicht der Maßstab. Selbst im kommunistischen Nordkorea eröffnete er ein Casino - er soll gute Beziehungen zu Diktator Kim Jong Il pflegen.

Amerikanische Justizbehörden hatten ihn immer wieder im Visier. Er habe Kontakte zur organisierten Kriminalität und sei in Geldwäsche verwickelt, lauteten die Vorwürfe. Ho hat dies stets bestritten - und beweisen konnten die Ermittler ihren Verdacht nie.

Doch es lauern Gefahren für das Imperium des Casino-Magnaten. 2002 fiel das Monopol in Macau. In den vergangenen Jahren sind Konzessionen an Betreiber wie Wynn Resorts und Las Vegas Sands vergeben worden. Inzwischen wirkt Hos Flagschiff "Lisboa" sehr angestaubt. Der Patriarch selbst hat sich nach einer Erkrankung 2009 aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen.

Den Umgang mit Konkurrenz muss sein Imperium erst noch lernen. Doch genau darin wird die Herausforderung der kommenden Jahre liegen. Ein Erbstreit und die Aufspaltung der Macht könnten für das Milliarden-Unternehmen der Anfang vom Ende sein. Ho ist sich dessen bewusst. In einem seiner Briefe steht: "Ich bitte alle, Harmonie und Zusammenhalt an die erste Stelle zu setzen. Harmonie ist die Voraussetzung für Wohlstand."

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piiter 28.01.2011
1. "Harmonie ist die Voraussetzung für Wohlstand."
Eine alte chinesische Tugend, die er im Raubtierkapitalismus-China, welches er fleißig mitgeprägt hat, wohl voll vergessen kann. Ergo, er erntet jetzt die Früchte seines Tuns.
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