Studie Berlin ist nicht mehr Europas Start-up-Hauptstadt

Die Investitionen in deutsche Start-ups haben sich halbiert. Europaweit fällt der Standort auf den dritten Platz zurück. Wegen des Brexit-Votums bleiben die Aussichten für deutsche Gründer dennoch positiv.

Junges Arbeitsteam (Symbolbild)
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Junges Arbeitsteam (Symbolbild)


Kapitalgeber haben im ersten Halbjahr deutlich weniger Geld in deutsche Start-ups investiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung EY. Der Gesamtwert der Investitionen sei von knapp zwei Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 957 Millionen Euro zurückgegangen und habe sich damit mehr als halbiert.

Im europäischen Ländervergleich ist Deutschland laut der Studie auf den dritten Platz hinter Großbritannien (2,2 Milliarden Euro) und Schweden (1,0 Milliarden Euro) zurückgefallen. Auch hat Berlin den Titel als Europas Start-up-Hauptstadt verloren: 520 Millionen Euro wurden in Berliner Start-ups investiert. London kam auf 1,3 Milliarden Euro, Stockholm auf 1,0 Milliarden Euro und Paris auf 673 Millionen Euro.

"Auf den ersten Blick wirken die Zahlen bedenklich", sagte Peter Lennartz von EY. "Doch ein zweiter Blick zeigt ein positives Bild: Immer mehr deutsche Start-ups erhalten frisches Kapital." So sei die Zahl der Finanzierungsrunden um 60 Prozent auf 249 gestiegen. Ohnehin sei ein großer Teil der Rekordzahlen aus dem vergangenen Jahr auf Einmaleffekte zurückzuführen. So habe etwa Rocket Internet durch den Börsengang frisches Geld erhalten und in andere Start-ups investiert. Ohne solche Einmaleffekte hätte sich das Investitionsvolumen in diesem Jahr sogar erhöht.

Das meiste Geld in Deutschland floss laut der Studie in Start-ups aus dem Finanzbereich, sogenannte FinTech-Firmen. Insgesamt waren es 229 Millionen Euro. Die meisten Finanzierungsrunden gab es hingegen im Onlinehandel.

Das Brexit-Votum der Briten dürfte laut Peter Lennartz zunächst kaum Folgen für die deutsche Start-up-Szene haben. Verschiebungen könnte es aber mittelfristig vor allem im Bereich Finanzdienstleistungen geben. "Derzeit ist London der wichtigste europäische FinTech-Standort", sagte Lennartz. Sollte den FinTech-Unternehmen nach dem Brexit aber der Zugang zu den Verbrauchern in der EU versperrt sein, könnte dies ein wichtiger Grund sein, London zu verlassen. Davon könnte in Deutschland neben Berlin auch Frankfurt profitieren.

asa/Reuters



insgesamt 7 Beiträge
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Rubyconacer 16.08.2016
1. Siemens
Bayern könnte ja die Siemens AG wieder an ihren Geburtsort Berlin zurückgeben, dann ginge es in Berlin wieder aufwärts. So wird das sonst nichts!
mrotz 16.08.2016
2.
Siemens, die Bank mit angeschlossener Elektroabteilung? Wer braucht die überhaupt noch? mfg
StefanZ.. 16.08.2016
3. Was sagt die Bundesregierung zu diesen Entwicklungen?
Na sowas aber auch. Monatelange Panikmache zu dem enormen Schaden der den Briten bevorsteht, wenn sie sich entscheiden sollten, das EU Schlaraffenland zu verlassen. Und während der gleichen Zeit findet in Deutschland die visionäre Bereicherung des Standorts durch uneingeladene Migranten statt. Realitäten können manchmal ganz schön hart sein, wenn sie einen aus den Fantastereien herausholen.
robin-masters 16.08.2016
4. Bürokratie
mich wunder des es Start-Ups überhaupt in Deutschland geschafft haben. Die monströse Bürokratie und Abgabenlast und das wenige Wagniskapital von Banken und Investoren sind für Firmengründer nicht grade förderlich.
Darwins Affe 16.08.2016
5. Berlin?
Zitat von RubyconacerBayern könnte ja die Siemens AG wieder an ihren Geburtsort Berlin zurückgeben, dann ginge es in Berlin wieder aufwärts. So wird das sonst nichts!
1) Siemens braucht vielleicht auch ein paar qualifizierte Mitarbeiter. Oder sollen diese täglich von München eingeflogen werden? 2) Im Gegensatz zu den anderen europäischen Hauptstädten, die massiv zum GDP beitragen, lebt Berlin halt gern von Subventionen.
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